Die Götter der Tiberer

Lange, bevor Edea ihren Siegeszug als einzige Göttin Terra Edeas angetreten hat, wurden andere Götter verehrt, die heute als die tiberischen Götter bekannt sind. Auf der ganzen Welt kann man noch die Überreste dieses Glaubens der Tiberer, die einstmals die Welt beherrschten, finden und die ausgeklügelten Tempel bestaunen. Riesenhaft wirken sie oftmals, gigantisch mit den weißen Säulen und den Spitzbögen, die auch heute wieder Eingang in die Architektur finden und die eine unglaubliche Erhabenheit ausstrahlen. Sie sind Monumente der fernen Vergangenheit, Zeugen einer anderen Zeit, die jedoch noch längst nicht vergessen ist und es auch niemals sein wird.
Doch selbst wenn das Weltreich der Tiberer niemals selbst in Vergessenheit geraten wird, so sind ihre Götter doch bis auf die Darstellungen auf den Gemälden und in den Statuen der Maler lange vergessen worden.
Erst vor wenigen Jahren hat die Zeit der Tiberer eine Art Renaissance erfahren und wird besonders in Terrano verehrt, wobei sich auch Darstellungen aus der tiberischen Mythologie einer großen Beliebtheit erfreuen. Dies bringt einigen natürlich auch die Götter dieses Volkes in das Gedächtnis zurück, die anders als Edea (oder Edean) doch weitaus weltlicher waren und sich unter die Sterblichen mischten, mit ihnen lebten und litten. Die wichtigsten Götter des alten Tiberia sollen an dieser Stelle vorgestellt werden. Alle tiberischen Götter würden den Rahmen sprengen, da die alten Tiberer beinahe für jedes Gebiet einen oder mehrere Götter anbeteten.
Heute gelten die Götter der Tiberer, die angeblich von Edea in ihrem Himmelspalast eingesperrt worden sind, als schlafend und erfahren keine Verehrung mehr. Edea besiegte sie nach einem langen und grausamen Krieg mit der Hilfe ihrer Engel und rächte damit ihre Kinder, die dem Zorn des Marxus zum Opfer gefallen waren. Lange dauerte dieser Streit zwischen den Göttern an, bis Edea ihn schließlich zu ihren Gunsten entschied. Einstmals war Edea, die Schwester des Marxus, schließlich selbst eine von diesen tiberischen Göttern. Heute ist sie die einzige Gottheit, die geblieben ist.

Marxus

Der Göttervater Marxus, Gemahl der Aura und Ursprung der anderen Götter, wurde vor Anbeginn der Zeit aus dem Regen geboren, der aus einem heulenden Sturm heraus die Erde Terra Edeas benetzte. Bekannt wurde er dafür, dass er gerne Kinder mit Sterblichen Frauen zeugte und Aura stets untreu war. Er wurde angebetet, wenn die Menschen um Regen und Wind baten, und galt ansonsten als Schelm und Wanderer, der vielerlei Gestalt annahm.

Aura

Aura, die Lichtgeborene, die stets eifersüchtige Gemahlin des Marxus, wurde als Göttin des Morgenlichts und des Lebens verehrt, was ihr viele Anhänger einbrachte. Die schöne Aura galt zu ihrer Zeit als die schönste aller Göttinnen, bis sie Helione, die Göttin der Liebe und ihre Geschwister gebar. Sie wurde ebenfalls als die Göttin der Heilkunst verehrt, die den Menschen Linderung und Gesundheit brachte.

Helione

Die Göttin der Liebe, Helione, war die erste Tochter des Marxus und der Aura. Der Mythologie zufolge wurde Helione geboren, als der erste Morgen auf die Wellen des großen Meeres fiel und sie zum Leuchten brachte. Da tauchte sie aus dem Wasser auf und ward das schönste Wesen, dass die Welt jemals gesehen hatte. Helione wurde von Liebenden und Liebessuchenden verehrt und ihre Tempel litten niemals unter dem Mangel an Anhängern. Auch die Schönheit fiel in ihre Zuständigkeit und so kamen viele in ihren Tempel, die sich Schönheit wünschten.

Aranis

Aranis, die Göttin der Jagd, war die zweite Tochter des Marxus und der Aura. Sie brachte der Menschheit das Jagdglück und galt als wild und ungestüm. Sie wurde erweckt, als der erste Jäger seine Beute erlegte und ihr Blut den Boden des Waldes benetzte.
Aranis zu Ehren wurden oftmals sehr barbarisch anmutende Feste veranstaltet, die besonders vor einer anstehenden, großen Jagd stattfanden und bei denen ihr sehr oft Opfer dargebracht wurden. Der Mythologie zufolge war sie die Schutzgöttin und Mutter der sagenumwobenen Amazonen.

Hekara

Hekara, die dritte Tochter des Marxus und der Aura, entstand eines Tages aus einem Windhauch, der über die sonnenbeleuchtete Erde fuhr und wurde zur Göttin des Wissens und der Erleuchtung, die den Menschen die Künste des Lesens und des Schreibens brachte. Aus den Hekaratempeln wurden später die ersten Bibliotheken, in denen zuerst Schriftrollen, dann Bücher aufbewahrt wurden, später entstand aus einem ihrer größten Tempel die erste Universität in Torego.

Morius

Morius, ebenfalls ein Abkömmling der Aura und des Marxus, wurde als Gott des Schlafes und der Träume verehrt, der den Menschen nach ihrem anstrengenden Tagewerk die Ruhe brachte. Seine Gottesdienste fanden sehr oft in der Nacht statt und er wurde oftmals auch von jenen verehrt, die ihren Arbeiten nur in der Nacht nachgingen oder unehrenhaften Tätigkeiten frönten. Dies führte dazu, dass die Verehrung dieses Gottes eher mit Misstrauen durchsetzt war.

Araxis

Araxis, Zwillingsbruder des Hamrion, wurde als Gott des Krieges verehrt, der eine kurze aber heftige Affäre mit seiner eigenen Halbschwester, Helione, durchlebte, was seinen Bruder Hamrion, der die Schöne ebenfalls begehrte, gegen ihn aufbrachte.
Araxis wurde besonders in Kriegszeiten verehrt und seine Anhänger galten als Kriegstreiber, die dafür sorgten, dass er niemals untätig sein musste. Araxis galt jedoch als ehrenhaft, wenn er seine Gunst auch nur den Stärksten schenkte.

Hamrion

Hamrion, der Gott des Feuers und der Schmiedekunst, aus den Flammen des ersten Feuers geboren, sollte eigentlich das Werk seines Bruders vervollkommnen, doch er wandte sich von ihm ab, als Araxis die schöne Helione für sich gewann.
Hamrion wurde von Waffenschmieden ebenso wie von Kunstschmieden verehrt und erfreute sich besonders in kalten Gegenden einer ganz besonderen Beliebtheit. Er wurde von Edea verführt und half ihr im Kampf gegen die tiberischen Götter.

Bakiris

Der Gott des Weines und der Feste, Bakiris, wurde in wüsten, weinseligen Feiern angerufen, um Freude und Wohlstand zu schenken. Bakiris war ein gemütlicher Gott, der sich selten um etwas anderes, als sein eigenes Wohlergehen kümmerte, und oft in Verkleidung auf Festen erschien, besonders die Gebiete, in denen ein reger Weinanbau betrieben wurde, mit seinem Segen bedachte.
Noch heute findet man Symbole und Bilder, die Bakiris darstellen, in eben diesen Gebieten sehr häufig, besonders in den Weinbergen von Terrano und Falkenland.

Amiradne

Auch Amiradne, Göttin der Toten und der Unterwelt, die den Sterbenden mit ihrem Licht erschien, um sie durch diesen dunklen Weg zu leiten und sie dann nach Elysia oder das ewige Feuer der Verdammnis führte, war bei den Tiberern eine sehr beliebte Gottheit.
Ihr zu Ehren wurden große Tempel errichtet, in denen man für die Toten Fürbitte leistete, wenn sie ein allzu schlimmes Leben geführt hatten und sie erschien entweder als rachsüchtige Furie oder als lindernde Lichtgestalt.