Anatolja

Der schlafende Riese

Im Osten Terra Edeas, an der Grenze zu Falkenland, liegt das große, raue Land von Anatolja. Ein weites Land voller weiter Steppenlandschaften, hoher Gebirge und tiefster Wildnis, in der viele Gefahren lauern. Anatolja erstreckt sich über Tausende von Meilen und dem Reisenden wird schnell klar, dass er viele Wochen benötigt, um von einem Ende zum anderen zu gelangen. Anatolja ist in vier Provinzen unterteilt, welche jeweils von einem Landesfürsten regiert werden, den sogenannten Daradschir, die nur dem großen Burudjai in der Hauptstadt Kurukstan unterstehen.
Die vier Provinzen sind Malejska, Warut, Gorobjinsk und Tschethai. Jede dieser vier großen Provinzen ist in viele kleine Ländereien aufgeteilt, die von Adligen oder Großbauern regiert werden, die direkt ihrem Daradschir unterstellt sind. Die vier Provinzen sind größtenteils autark. Sie unterhalten eine eigene Armee und haben eigene Gesetze, was es manchmal nicht einfach macht, wenn es zu Verhandlungen kommt, bei denen die Beteiligten aus unterschiedlichen Provinzen stammen. Für solche Fälle tritt die Rechtsprechung des Burudjai in Kraft. Seine Richter regeln in diesem Fall die Verhandlungen.
Die normale Bevölkerung von Anatolja ist ein abergläubischer, rauer, aber herzlicher Menschenschlag. Sie sind Fremden gegenüber erst etwas misstrauisch und es braucht einige Zeit, bis sie dieses Misstrauen überwinden, dann aber lernt man die wahre Natur der Anatoljaner kennen. Sie sind fröhlich, leidenschaftlich und voller Glut in ihrem Blute.
Lange Feiern bei vielen Gelegenheiten sind keine Seltenheit. Und auch wenn das einfache Volk arm ist, bei feierlichen Anlässen wird alles aufgetischt, was zur Verfügung steht, besonders der von vielen Anatoljanern selbst gebraute Vodja, ein Schnaps, der das Blut zum Kochen bringt und die ruhigen Gemüter auftaut, auch wenn das die strengen Priester der Kirche nicht gutheißen wollen. Die Kirche ist in Anatolja allgegenwärtig, jeder noch so kleine Ort hat wenigstens einen Priester und je größer eine Ortschaft ist, desto stärker ist die Präsenz der Diener Edeas.

Gorobjinsk

Die Provinz von Gorobjinsk, welches regiert wird vom strengen aber gerechten Daradschir Michail Rowenka, grenzt direkt an Falkenland. Sie ist die kleinste der vier Provinzen von Anatolja. Scheinbar unendliche Graslandschaften und Steppen machen den Hauptteil dieses Landesteiles aus. Vereinzelt ist auf einem Hügel eine kleine Festung zu sehen, in deren Schatten sich ein Dorf oder eine kleine Stadt befindet, großzügig umgeben von wehrhaften Mauern, einem Relikt aus früheren Zeiten, als Krieg mit den damals sehr eroberungssüchtigen Falkenländern herrschte.
Der Boden dieser Provinz ist fruchtbar und die Bauern erwirtschaften reiche Ernten, deren Erträge dem ganzen Reich zugutekommen. Jeder Bauer darf 10 Prozent der Ernte für sich behalten, der Rest wird an den Fürsten der Gegend abgetreten, welcher wiederum einen Teil für sich behält und den Rest an seinen Daradschir, den Fürsten Michail abgibt. Es gibt nur wenige große Städte, was man bei der recht hohen Bevölkerungszahl gar nicht vermuten könnte. Der Großteil des Lebens spielt sich in den unzähligen kleinen Dörfern ab, die für Fremde nur wenig zu bieten haben, es sei denn, sie werden freundschaftlich aufgenommen.

Malejska

Malejska ist die südliche Provinz, ein Land voller düsterer Legenden, dunkler Geheimnisse und die Quelle eines unsäglichen Bösen in Form der 13 Fürsten der Dunkelheit, den mysteriösen Vampiren. Das Land ist rau und kalt, die Sonne scheint eher selten durch die verhangenen Wolkenschleier. Hohe Gebirge mit tiefen Schluchten durchziehen es, reißende Flüsse und Wildbäche sind überall zu finden. Dichte Wälder voller Schatten wirken auf den Reisenden bedrohlich und in der Nacht erwacht das Land und der Schrecken und die Angst zwingt das Volk, sich hinter den schützenden Mauern ihrer Häuser zu verbarrikadieren.
Wolfsrudel gehen auf die Jagd, die Toten steigen aus ihren Gräbern und Helden versuchen, das Schlimmste zu verhindern. Dies ist die Heimat von Baradrim dem Tapferen und seinen 11 Gefährten, den furchtlosen Schattenreitern, welche ihren Anführer im Kampf gegen das Böse unterstützen und die Armen und Schwachen verteidigen.
Malejska wird vom Daradschir Rumani beherrscht und im Gegensatz zu Fürst Michail von Gorobjinsk ist er ein harter und grausamer Despot, der das Land mit drakonischen Zügeln lenkt, alles im Namen des Burudjai. Sein Geheimdienst, der Kadeshdschai, spioniert die Bevölkerung aus, holt sie bei Nacht und Nebel aus ihren Betten und schickt sie in die tiefen Bergminen des Landes, wo sie die reichhaltigen Bodenschätze wie Gold und Erz herausholen und nie mehr wieder gesehen werden. Malejska ist wahrlich kein gastlicher Ort, besonders für Fremde.

Tschethai

Die dritte Provinz ist Tschethai. Sie wird von Daradschir Natascha Garabat regiert, einer verhältnismäßig jungen Fürstin, die am Hofe des Burudjai sehr viel Einfluss besitzt und mithilfe eines feinen Netzes aus Intrigen und geschickt gestreuten Gerüchten über alles informiert ist, was sich am Hofe des Großfürsten abspielt. Ihre Bevölkerung liebt die Fürstin, sie ist klug, gütig und großzügig, zu ihren Feinden aber hart und kalt.
In Tschethai herrscht Ordnung und dem Volk geht es gut. Das Land ist fruchtbar, reich an Bodenschätzen wie Kohle und Eisen und die Dichte der Orte ist hier am Größten von allen Provinzen. Es gibt Dutzende von großen Städten mit Universitäten, zu denen die Wissbegierigen aus allen Teilen des Landes strömen, um ihre Studien zu absolvieren.
Große Gildenhäuser der Händler, die großen Einfluss auf den Handel des ganzen Reiches haben, sind hier vertreten. Riesige Märkte, auf denen man von Gemüse bis hin zu Waffen und Reittieren alles bekommt, was man sich vorstellen kann, finden in regelmäßigen Abständen in den Städten der Provinz statt, selbst die exotischsten Güter sind hier zu finden. Ein Verdienst, den man dem diplomatischen Geschick von Natascha zugutehalten muss. Ohne sie wäre dies nicht möglich und der Burudjai schickt sie gerne als Vermittlerin in andere Länder, weiß er doch seine Außenpolitik bei dieser geheimnisvollen Frau in guten Händen.

Warut

Die vierte und letzte Provinz ist das nördliche Warut. Es ist der kälteste Teil des Reiches, die Heimat der schönen und gefährlichen Schneerosenkönigin und ihrer Eismenschen.
Die Provinz wird von Iwan dem Weisen regiert. Er ist einer der klügsten Köpfe des Reiches von Anatolja, ein Meister der Magie und immer derjenige, der im Großen Rat zu Ruhe und Besonnenheit mahnt. Seine Provinz ist die ärmste von allen. Die Bewohner müssen dem kargen Boden jede Frucht entreißen. Die klirrende Kälte des Winters nimmt dem Boden die nur schwach vorhandene Fruchtbarkeit und selbst der Sommer ist kalt.
Das Land ist gekennzeichnet von typischen Sumpflandschaften im südlichen Teil, bis hin zu karger, trostloser Tundra. Die Berge werden von massiven Gletschern überzogen. Die Wildnis ist hart und brutal, ein ständiger Überlebenskampf, der ein körperlich sehr widerstandsfähiges und starkes Volk hervorgebracht hat, dessen Soldaten gefürchtet sind und von denen die Besten ausschließlich die Ehrengarde des Burudjai schmücken dürfen, was für die Familien der Soldaten mit großem Prestige und Reichtum verbunden ist.