Mondiénne

Prunk und Dekadenz

Wenn sie an Mondiénne denken, kommt den meisten Menschen sofort der Geruch des landestypischen, schweren Parfums in den Sinn, das dort eines der beliebtesten Exportgüter ist. Allerdings gibt es sogleich noch einige andere Assoziationen, die die Erwähnung des Namens bei den Zuhörern auslöst. Ein sehr dekadenter Adel, der in seinem Prunk und seinen orgienhaften Festen seines Gleichen sucht, die extrem tief dekolletierte Mode, weiß gepuderte Gesichter und Perücken, der Größenwahnsinn einer verrückten Königin. Jedoch auch die besten Sänger und Sängerinnen, die die Welt jemals gesehen hat.
Riesige, prunkvolle Bauwerke dominieren dieses Land in den großen Städten, die vor dicklichen Putten, Blattgold und perlfarbenem Marmor schier überzuquellen drohen.
Doch Mondiénne hat noch ein anderes Gesicht, auch wenn es im Allgemeinen vor der Welt verborgen wird und Königin Heloise peinlich genau darauf bedacht ist, es niemanden sehen zu lassen, den sie beeindrucken möchte. Armut herrscht in einem Großteil der Bevölkerung vor und wenn man sich durch die dunkleren Ecken der Städte bewegt, kann man das Elend der Menschen erblicken, die für Heloises Prunksucht ausgebeutet werden.
Allerdings existiert auch ein freundliches Gesicht dieses Landes, das man findet, wenn man sich aus den Städten hinausbewegt und sich in die ländlicheren Gegenden begibt. Hier sind die Menschen offen und freundlich und beherbergen gerne einen Wanderer, genießen das Leben, auch wenn sie oftmals sehr hart arbeiten müssen. Dieser Teil Mondiénnes lässt es zu, dass man sich den Bewohnern des Landes im Herzen näher fühlt und auch das Land mit seinen feinen, weißen Sandstränden im Süden und den grünen Provinzen lieb gewinnt.
In Mondiénne glaubt man an Edea in ihrer Urform und die Lehren des Bruders Antonius sind verpönt. Schließlich ist die Königin ihrer eigenen Auffassung entsprechend selbst eine Art von Göttin und so muss Edea ebenfalls weiblich sein.
Doch auch wenn Heloises Treiben jeglichen Anschein von Gerechtigkeit vermissen lässt, so gibt es noch immer die berühmten Musketiere, jene schneidigen, wagemutigen Gesellen, die mit ihrer flinken Klinge und der ebenso flinken Zunge für Recht und Ordnung sorgen und ein Auge auf das Volk haben.
Heloise ist selbstverständlich die alleinige Herrscherin über Mondiénne, doch sie lässt die fünf Provinzen von Herzögen und Herzoginnen verwalten, die sie genauestens unter Kontrolle hält.

Chamoris

Chamoris ist jene Provinz, die wohl am ehesten für die florierende Landwirtschaft bekannt ist und in der der beliebte mondiénner Rotwein, wie auch feiner Käse produziert wird. Hier herrscht ein gemächliches Tempo und man genießt die Ruhe der grünen Provinz, in der die aromatischen Gewürzkräuter wachsen, die im Sommer ihren Duft verströmen.
Von den Weinfesten bis hin zu dem alljährlichen Käsefest, ist dieser Ort voller Leben. Man liebt es, die feinen Speisen zu genießen, die das Land hervorbringt und die dafür sorgen, dass Herzog Charles Moreau de Chamoris niemals um den Wohlstand seines Herzogtumes fürchten muss. Ganz im Gegenteil – Lebensmittel werden immer benötigt und so ist kein Ende des hiesigen Wohlstandes abzusehen, der sogar noch die ärmeren Bauern mit einem wohlbeleibten Äußeren ausstattet und den Anschein erweckt, als könne das Leben hier gar nicht besser sein. Für die Bewohner von Chamoris ist ihre Provinz eindeutig das Paradies auf Terra Edea. Auf den Gipfeln des Gebirges, das sich bis nach Amiens erstreckt, tollen Ziegenherden umher und vermitteln ein idyllisches Bild, das sich durch den ganzen Landstrich zieht.
Wer übertriebenen Prunk sucht, der ist selbst in der Hauptstadt Beauville noch fehl am Platze. Die Stadt wird von hübsch bepflanzten Fachwerkhäusern dominiert, anstatt den Besucher mit riesenhaften Marmorbauten zu erschlagen. In Chamoris wird gearbeitet. Prunksucht und Müßiggang sind keine Eigenschaften, die in dieser Provinz geschätzt werden.

Verrier

Verrier, die Provinz der Parfumeure, die vor Blumen beinahe überzuquellen droht.
In Verrier hat man sich ganz der Kunst der Parfum Herstellung verschrieben und so liegen die unterschiedlichsten Düfte über den Städten, wie eine Dunstglocke, die die Sinne benebelt. Feinste Seifen, erlesene Duftwässerchen und andere Köstlichkeiten sind hier zu finden und so verwundert es nicht, dass viele Besucher in diese Provinz strömen um einen der begehrten und völlig überteuerten Flakons zu ergattern.
Auch die Glasbläserei erfreut sich einer besonderen Beliebtheit, denn ein solch feiner Duft möchte natürlich auch passend präsentiert werden und so arbeitet man mit allerlei farbigem Glas, das zu den kunstvollsten Formen geblasen wird. Natürlich bedeutet dies, dass man eine Vielzahl schöner Dinge aus Glas bekommen kann, die jede Tafel und jeden Salon aufwerten. Entsprechend bereist man in diesem Falle gerne die Stadt Meriélle, in der die besten Glasbläser des Landes ansässig sind.
Herzogin Claudine Varoux de Verrier trägt dafür Sorge, dass Heloises Interesse an diesem Ort gewahrt bleibt. Sie engagiert sich selbst sehr stark in den hiesigen Parfümeursgilden, was dazu geführt hat, dass es Gerüchte gibt, die hübsche, junge, unverheiratete Frau sei mit dem Meisterparfümeur Jacques Devier verbandelt – was man bei Hofe natürlich nicht gerne sieht.
In der Hauptstadt Avoris findet man die wichtigsten Parfumeure des Landes und ihre besonders edel ausstaffierten Läden, in denen man stets von einer freundlichen, jungen Dame oder einem ebensolchen Mann bedient wird, die es sehr gut verstehen, niemanden mit einem vollen Goldbeutel den Laden verlassen zu lassen.

Balôire

Balôire liegt im Süden Mondiénnes und das warme Klima dieser Provinz macht sie zu einem beliebten Bade- und Erholungsort für alle, die es sich leisten können. Hier gibt es die feinen Sandstrände und das azurblaue Meer, das so viele Besucher anzieht, ebenso wie die berühmten Schneidereien, die gerne besucht werden und die aktuelle Mode bestimmen.
In Balôire findet man alles, was man sich zum Vergnügen wünscht und das Glücksspiel erfreut sich einer sehr großen Beliebtheit, wenn der Adel am Abend einen interessanten, aufregenden Zeitvertreib sucht.
In Balôire gibt es die feinsten Gasthäuser, die sich aus ganz Terra Edea beliefern lassen und die sehr darauf bedacht sind, dass ihr Personal niemals einen Fehler begeht, große Tanzhallen und riesige Parkanlagen, Badehäuser und vielerlei andere Annehmlichkeiten. Wer nach Balôire reist, möchte sehen und gesehen werden, denn alles, was Rang und Namen besitzt, versammelt sich in den Sommermonaten an diesem Ort.
Herzog Phillippe Gaston Anoroux de Balôire verwaltet diese Provinz, wird jedoch weitaus öfter selbst an einem der Glücksspieltische gesehen, als bei seiner Arbeit. Dies hat zu dem Gerücht geführt, der Herzog sei spielsüchtig und habe sein gesamtes Vermögen bereits mit dem Glücksspiel und schönen Frauen durchgebracht.
Er regiert von der Hauptstadt Survont aus sein Herzogtum, das für den Adel das beliebteste Reiseziel, ebenso wie die Hauptstadt der Mode Mondiénnes darstellt.

Amiens

Amiens zeichnet sich durch seine Lage am Silberkanal aus, was eine gewisse Nähe zu den Smaragdinseln bedeutet. Hier sind der Fischfang und die Schifffahrt von großer Bedeutung für das Überleben der Bevölkerung und so verwundert es nicht, dass nicht allein das Klima kälter ist als im restlichen Mondiénne, sondern auch die Bewohner deutlich rauer und schlichter veranlagt sind.
Die in Amiens stationierte Marine des Landes ist nicht allzu glücklich über die häufigen Überfälle von des Königs Freibeutern aus Alviona und so sind die hiesigen Einwohner ein misstrauisches Völkchen, das gerne ein ruhiges, einfaches Leben ohne Eindringlinge führen möchte.
Die Hauptstadt von Amiens, Chavarre, zeichnet sich insbesondere durch den großen Hafen am Silberkanal und den großen Fischmarkt aus, auf dem die frischen Fänge direkt verkauft werden, ebenso wie durch die Kutter, die den Fang in andere Provinzen transportieren. Für diese Schiffe hat man Kühleinrichtungen gebaut, die durch das Eis von den Schneebergen im Norden kühl gehalten werden.
Herzog Guillaume Flaubert de Amiens, ein kriegerischer Mann, der selbst in der Marine gedient hat, wacht über sein Herzogtum und ist stets für einen Krieg gegen die Smaragdinseln, die ihm eine solche Plage sind. Bisher hatte er jedoch damit noch keinen Erfolg und es gibt nun Gerüchte, dass er bei Heloise selbst um die Hilfe eines alvionischen Piraten ersucht hat, der die Strategien der Alvioner kennt und ihm dabei zur Seite stehen soll, seine eigenen Freibeuter auf die Weltmeere loszulassen.

Dorée

Die Provinz Dorée ist wohl der glanzvolle Mittelpunkt von Heloises Prunk, ebenso wie von Mondiénne selbst. Die Provinz, die durch den Schlangenfluss fruchtbar gehalten wird, vereint die größten Widersprüche des Landes in sich, denn die Städte quellen vor Gold und Reichtum über, während die Bauern auf dem Land arm sind und für einen Hungerlohn arbeiten müssen. Ein Resultat der Tatsache, dass Heloise ihnen das Gold für die Errichtung der größten Kathedrale aus der Tasche zieht, die Terra Edea jemals gesehen hat.
Die Königin selbst residiert in ihrem weißgoldenen Palais, der von ausgeklügelten Lustgärten umgeben ist und findet stets das nötige Kleingeld, um einen weiteren Künstler mit einer Darstellung ihrer selbst als Engel zu beauftragen, die dann in der Hauptstadt Amaurié ausgestellt wird oder als Geschenk in eine andere Provinz oder ein anderes Land wandert.
Wer Dorée zum ersten Mal betritt, wird von dem allgegenwärtigen Gold in den Städten schier erschlagen, bis er einen üblen Geruch unter der Wolke des schweren Parfums wahrnimmt und schließlich Stück für Stück die wahre Provinz unter der Schale hervorbringt, die keineswegs mehr attraktiv wirkt. Wer einmal die Elendsviertel der Städte gesehen hat, die gerne vertuscht werden, kann den Anblick sicherlich niemals mehr vergessen und wird in der schönen Heloise fortan kaum mehr einen Engel erkennen.
Aber bis es soweit ist, dürften die glanzvollen Bälle und Feste die Besucher für eine Weile in Atem halten. Schließlich hat Dorée einiges zu bieten, wenn man nicht zu tief in der Realität wühlen möchte, und man findet die besten Dinge aus jeder Provinz an diesem Ort.