Norskån

Das ewige Eis

Das vereinte Königreich von Norskån. Was auf dem Pergament einen schönen Klang besitzt, sieht in Wirklichkeit nicht so harmonisch aus, wie es sein sollte. Denn Norskån, das aus den Teilen Gormund, Vilskrund und Svånskar besteht, wird von drei Brüdern regiert, die keineswegs stets die gleiche Meinung vertreten.
Einst war Norskån kein vereinigtes Königreich. Alle Teile des Landes besaßen eine eigene Regierung und Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Parteien waren keine Seltenheit. Dies änderte sich im Jahre 1565, als es Streitigkeiten mit Anatolja gab und das militärisch deutlich stärkere Land zu einer Bedrohung heranwuchs, der die einzelnen Teile allein nicht gewachsen waren.
So trafen die amtierenden Könige Hakan von Gormund und Ingmar von Svånskar die einzig richtige Entscheidung – sie vereinigten ihre Königreiche durch die Heirat ihrer ältesten Kinder, Valdemar und Lisbet, die sich schon zuvor ineinander verliebt hatten und über kurz oder lang ohnehin zu einem Problem für beide Königreiche geworden wären, da sie nicht voneinander lassen konnten.
Vilskrund, das plötzlich alleine da stand, hatte keine andere Wahl, als sich dem Bund der beiden größeren Mächte anzuschließen und König Jakob, ein kluger und fähiger Staatsmann, gab seine Herrschaft zum Wohle seines Landes ebenfalls in die Hände des neu gekrönten Königs Valdemar und seiner Gemahlin.
Norskån erlebte unter Valdemar I. eine friedliche und stärkende Zeit. Der Konflikt mit Anatolja wurde beigelegt und seine Königin schenkte ihm drei gesunde Söhne, die sie Kristoffer, Olaf und Ragnar nannten.
Eine günstige Konstellation für das neu gegründete Königreich Norskån – wenn die drei Brüder nicht schon seit ihrer frühesten Kindheit eine starke Rivalität an den Tag gelegt hätten. So war Kristoffer, der Älteste der Drei, der weise und ruhige Bruder, der den Lehren seines Vaters gehorsam folgte. Olaf, der von Geburt an auf einem Auge blind war und der im Gegensatz zu seinen kräftigen, blonden Brüdern dunkelhaarig und schwächlich wirkte, wurde verschlagen und listig. Ein Mann, der stets seinen Vorteil suchte und sich auf das Reden und Manipulieren anderer verstand.
Ragnar hingegen, der Jüngste, der drei Brüder, war stets eher am Kriegshandwerk interessiert und lehnte die Schlichen der Politik ab. Kräftig und geschickt war er der wildeste der Brüder, der stets auf der Suche nach Ruhm und Abenteuern war und die Seefahrt liebte. Von allen drei Brüdern war er derjenige, der den alten Draken wohl am ähnlichsten war und der ihre Mythen und ihre alten Götter in Ehren hielt. Ragnar hegte schon in frühen Jahren eine Abneigung gegen seinen älteren Bruder Olaf, dem er beständig misstraute und den er stets als “Schnüffler Vinds” bezeichnete, des alten Gottes der Intrigen und der Zwietracht.
Vielleicht hatte es sich also damals, in den jüngeren Jahren der Brüder, abgezeichnet, dass schwere Zeiten auf Norskån zukommen würden, wenn Valdemar eines Tages abdankte und das Reich an einen seiner Söhne weitergeben würde.
Auch Valdemar, inzwischen müde geworden, war sich dieser Problematik sehr wohl bewusst und so besprach er sich mit seiner Gemahlin Lisbet, die ihm stets eine gute Beraterin gewesen war und das Königspaar traf die Entscheidung, jedem Sohn einen Teil von Norskån zu übergeben, um ihre Rivalität zu mildern.
So gaben sie Gormund, den größten Teil des Reiches, an Kristoffer, der nun als Hochkönig von Norskån gilt und das Reich unter sich vereinen soll. Olaf erhielt Vilskrund, das kleine Reich in der Mitte. Ragnar hingegen erhielt Svånskar, den zweitgrößten und unruhigsten Teil von Norskån, der seiner kriegerischen Ader entgegen kommen sollte und der ihn genügend beschäftigen würde, um seine Aufmerksamkeit von den Teilen seiner Brüder abzulenken.
Doch dieses eine Mal war eine Entscheidung des Königspaares nicht die weiseste gewesen, denn die Rivalitäten wurden nicht gemildert, nachdem alle drei Brüder zu den Königen ihrer Reiche gekrönt worden waren. Stattdessen machen Olafs Intrigen dem Hochkönig das Leben schwer, ebenso wie Ragnars andauernde Raubzüge auf dem Meer, die schon an Piraterie grenzen und seine Verehrung der alten Götter von Norskån, die der Edeakirche ein Dorn im Auge ist.
So steht Valdemars Werk zu seinem Leidwesen stets am Rande des Zusammenbruchs und der alte König leidet sehr darunter, obgleich er als Berater bei den Zusammenkünften der Könige an Kristoffers Seite steht und versucht, die schlimmsten Konflikte zu lösen.
Doch trotz aller Probleme ist das kühle Nordland Norskån ein schönes, gastfreundliches Land, das mit seinen hohen Bergen, tiefen Seen und undurchdringlichen Wäldern einen reichen Schatz an Legenden und Mythen, sowie eine tief verankerte Kultur besitzt.
Noch immer gedenkt man gerne der alten Götter des Nordens unter ihrer Sternenkuppel und erzählt sich die Geschichten, die sich um sie ranken, was sich besonders in Svånskar, unter Ragnars Herrschaft, einer wachsenden Beliebtheit erfreut. Die Geister der Vergangenheit und der Vorfahren werden in Norskån stets in Ehren gehalten und das Volk liebt seine Traditionen und Feste, die noch aus der Zeit der Draken stammen, die einst ganz Terra Edea umsegelt haben.
Natürlich kommen der Schifffahrt und dem Fischfang eine hohe Bedeutung zu, was einmal durch die Seen und Flüsse des Landes, jedoch auch durch das Meer selbst gefördert wird. Die Norskåner sind schon von jeher ein Seefahrervolk und dies wird sich mit Sicherheit niemals wirklich ändern.

Gormund

Gormund, das prachtvolle Herz des Vereinigten Königreiches von Norskån, Sitz des Hochkönigs in der Hauptstadt Thorsdal auf der vielbesungenen Delfinburg, jenem Wahrzeichen Norskåns, das nach dem Wappen des Königshauses benannt worden ist. Die Delfinburg, die von unzähligen dieser Wassertiere aus weißem Stein geschmückt wird, erhebt sich von hohen Mauern umgeben in der Mitte der Hauptstadt und ist seit 300 Jahren das wichtigste Gebäude in der Politik Gormunds, nun sogar in der Politik des Vereinigten Königreiches von Norskån.
Aber auch schon vor dem Bau der Delfinburg war Thorsdal das Herz von Gormund, so wie Gormund das schlagende Herz in dem Gefüge Norskåns ist, das seine Lebensenergie in das vereinte Königreich pumpt und es damit am Leben hält.
Gormund besitzt eine ausgesprochen große Bedeutung für die Versorgung der Königreiche, ebenso für deren Verteidigung, was wohl allein schon durch die Größe des Landes zu erklären ist. Hier gibt es schließlich das fruchtbarste Ackerland, das von reichhaltigen Wasseradern durchzogen wird.
Schon immer war Gormund ein reiches Land. Dies war vor der Vereinigung der Königreiche der Fall und es wird zweifelsohne auch so bleiben, wenn die Vereinigung wieder auseinanderbricht.
Hier findet man neben den freundlichen Bauern auf dem Land, die nur gerne ihre Gastfreundschaft gewähren, auch einen gewissen Hauch der Dekadenz in den Städten, die eine Pracht aufweisen, nach der sich Vilskrund sehnt, während Svånskar sie aus tiefster Seele ablehnt. Die Svånskarer halten die Gormunder für Verräter an der eigenen Vergangenheit, haben sie sich doch nahezu vollkommen von dem Glauben an die Götter der Vorfahren abgewandt und folgen den Lehren des Bruder Antonius.
In den Städten ist dies besonders stark ausgeprägt, während es im ländlichen Bereich durchaus noch viele gibt, die die alten Traditionen nicht vergessen haben und sie von Generation zu Generation weitergeben.
Gormund ist der handelsstärkste Teil der drei Königreiche, denn anders als Ragnar und Olaf, hält Kristoffer den Reichtum des Landes beisammen und sorgt dafür, dass er nicht in undurchsichtigen Kanälen versickert. So zieht man hier Gewinn aus jenen Dingen, die in Norskån im Überfluss vorhanden sind – aus dem saftigen Wild der Wälder, dessen Fell sich so wunderbar verarbeiten lässt wie das Fleisch und aus dem Fischfang aus den fischreichen Gewässern des Nordmeeres, in dem sich allerlei Spezialitäten tummeln.
Pelze aus Gormund sind in ganz Terra Edea bei dem Adel beliebt und aufgrund der hochwertigen Verarbeitung zudem auch sehr begehrt. Ein anderer Handelszweig ist jenes merkwürdige Fell, das angeblich nicht von einem Tier stammt, aber dennoch genau, wie echter Pelz wirkt. Allerdings ist dessen Herstellung ein Geheimnis, das niemals weitergegeben wird. Ja, Gormund ist ein Handelsparadies, in dem es keine Armut zu geben scheint und in dem die Städte groß und sauber sind – denn selten fällt ein Mensch durch das starke soziale Netz, das König Valdemar errichtet hat und das von seinem Sohn gehegt und gepflegt wird. Die Gormunder sind stolz darauf, aus ihrem Land zu stammen und dieses Bewusstsein legen sie auch allen anderen gegenüber deutlich an den Tag. Es ist also keine Frage, dass Gormunder als ein wenig arrogant verschrien sind.

Svånskar

Svånskar, das nördlichste Gebiet Norskåns, ist nicht allein der kälteste, sondern auch der raueste Teil des Königreiches. Ein scharfer Wind pfeift über die eisigen Gletscher der hiesigen, an Bodenschätzen reichen, Gebirge, die sich steil in den Himmel recken und an deren Fuß die kalten Wasser des Nordmeeres den Stein abschleifen. Im Westen verdunkeln die alten Nadelwälder die Landschaft und nicht selten finden sich hier Siedlungen von Menschen, die sich von der Zivilisation abgewandt haben und dem Vorbild der Draken nacheifern, was von König Ragnar III. auch im höchsten Maße befürwortet wird.
Wenn es in Norskån einen Ort gibt, an dem alte Legenden lebendig sind, dann muss dies Svånskar mit all seinen Teilen sein. Schon immer hat man hier das Andenken an die Vorfahren in Ehren gehalten, und seitdem Ragnar über dieses Land herrscht, hat sich dies noch um ein Vielfaches verstärkt.
Selbst die Schiffe, die man in Svånskar baut, eifern dem Vorbild der Draken und ihren Drachenbooten nach, auch wenn sie um ein Vielfaches moderner sind. Insbesondere Ragnars eigenes Flaggschiff, die Åska, ist für diesen Baustil bekannt und für einiges an moderner Technik, die streng geheim gehalten wird, gefürchtet.
In Svånskar ehrt man die Geister der ruhmreichen Vorfahren in der eigenen Familie, die aufgrund ihrer Taten mit den Göttern an einem Tisch feiern dürfen, und Mut und Geschick sind das erstrebenswerteste Gut, das ein Mann besitzen kann. So ist es auch durchaus wichtig für die Svånskarer, dass das erste Kind ein Junge ist – Mädchen sind schließlich nicht die passenden Stammhalter einer ehrenvollen Familie.
Dies hat allerdings eine Vereinigung von Frauen auf den Plan gerufen, die sich selbst die Schwesternschaft des Silberdegens nennt und die darauf abzielt, zu beweisen, dass auch Frauen nicht weniger wert sind als Männer. Die Schwesternschaft und insbesondere ihre attraktive und redegewandte Anführerin Svanhild haben es sich in den Kopf gesetzt, dem bei aller Jugend extrem traditionsbewussten König das Leben schwer zu machen. Dies hat nach einer größeren Unruhe in der Hauptstadt Vinterby schon zu einem öffentlichen Waffenverbot für Frauen geführt, die nun keine größere Waffe als den Dolch mit sich führen dürfen.
Auch die Edeakirche hat es in Svånskar besonders schwer. Die Svånskarer widmen sich vehement der Verehrung des Göttervaters Snil und seiner Götterfamilie und wenn es auch öffentlich keine entsprechenden Einrichtungen dazu gibt, so gibt es doch in vielen Häusern kleine Altare für allerlei Opfergaben.
Dies alles lässt vermuten, dass Svånskar und die Svånskarer recht eigentümlich sind und tatsächlich trifft dies auch zu. Doch bei aller Verschrobenheit, die man ihnen unterstellen könnte, ist insbesondere König Ragnar ein sehr gefürchteter Mann. Denn Ragnar eifert den Draken in vielerlei Hinsicht nach und hat die Piraterie auf gewisse Weise legitimiert. Denn wer auch immer sich in die Gewässer wagt, die in einem gewissen Umkreis zu Svånskar gerechnet werden, lebt hier äußerst gefährlich und muss damit rechnen, dass sein Eigentum im Namen des Königs konfisziert wird, um festzustellen, ob Svånskar davon eine Gefahr drohen könnte oder ob verbotene Güter in das Land importiert werden. Allerdings ist dabei so ziemlich alles auf der Liste der verbotenen Güter zu finden, was den “Skyddman” Ragnars in die Quere kommt. Es ist gewiss, dass diese Politik eines nicht allzu fernen Tages zu ausgesprochen starken Konflikten führen wird.
Zudem wendet Ragnar recht viel Gold aus den staatseigenen Kassen für Forschungsreisen in ferne Länder auf – und für haarsträubende Abenteuer, bei denen nach Schätzen aus den alten Legenden der Draken gesucht wird. Zumeist ist Ragnar dabei derjenige, der diese Expeditionen persönlich leitet.

Vilskrund

Vilskrund, das kleine Reich in der Mitte, das stets nach Freiheit und Größe dürstet und sie doch niemals erreicht. Dichte Laubwälder überziehen das eher provinziell wirkende Vilskrunder Land, in dem die Städte vergeblich versuchen, der Größe von Gormund nachzueifern und kläglich daran scheitern. Vilskrund ist weder so furchtbar wie Gormund, noch so reich an Bodenschätzen wie Svånskar und so ist das kleine Land zu einer gewissen Abhängigkeit von den größeren Brüdern verdammt, was die Vilskrunder schon immer zu einem leicht eifersüchtigen, bitteren Volk gemacht hat. Hier sucht man meist vergeblich die Gastfreundschaft und die Offenheit, die den Gormundern in Fleisch und Blut übergegangen ist, ebenso wie die Abenteuerlust und den Mut der Svånskarer.
Im Gegensatz zu den anderen Ländern des vereinten Königreiches, leben die Vilskrunder primär von ihrem Geschick im Umgang mit Holz und den schönen und robusten Dingen, die sie daraus zaubern können – die Laubwälder sind also ihr größtes Kapital.
Für König Olaf VII. hätte es wohl kein besseres Land als dieses geben können, denn so wie er selbst, neigt ganz Vilskrund zu Heimlichkeiten und zu Schwermut. Er selbst ist allerdings anderer Meinung, sieht er sein Land doch nicht als eine Chance, etwas Besseres zu erarbeiten und dem Volk neue Hoffnung zu bringen, sondern nur als ein weiteres Kapitel seiner Benachteiligung durch seinen Vater, der ohnehin immer seine Brüder vorgezogen hat.
Die Hauptstadt des Landes, Tharval, mit seiner düsteren, in das Rötfjäll eingebetteten Burg Steinfels, ist der Regierungssitz des Landes und jener Ort, von dem aus Olaf seine Intrigen gegen seine Brüder spinnt, während die Stadt um ihn herum zu einem wahrhaftigen Nest für Verbrecher und Verbrechen aller Art verkommt. In dieser Stadt sollte man sich nachts nur bewaffnet auf die Straßen wagen und die Gesetzeshüter können mit einigen Golddukaten ohne Schwierigkeiten blind für alles gemacht werden, was sich vor ihren Augen abspielt.
Olaf hat bei all seiner Düsternis jedoch ein seltsam weiches Herz für die Benachteiligten und so nimmt er nicht selten die Ärmsten der Armen für eine Weile in der Burg auf und zieht enorm viele Mittel aus der Staatskasse, um ihnen zu helfen. Dies wiederum führt dazu, dass Vilskrund noch ärmer wird und Olaf dies einerseits mit erhöhten Steuern für die Bevölkerung auszugleichen versucht, andererseits durch Leihgaben seiner Brüder, die es jedoch schon bald müde werden könnten, den desinteressierten König und seine dauernden Versprechen anzuhören, die doch niemals gehalten werden.
Allerdings bedeutet dies nicht, dass alle Vilskrunder intrigante Geheimniskrämer sind. Sicherlich wird im Adel und in den Städten intrigiert und zumeist hat man hier ein gefährliches Pflaster vor sich. Allerdings gibt es bei der Landbevölkerung genügend nette Menschen, die aufeinander achten, auch wenn sie zu Misstrauen gegenüber Fremden neigen und nur selten glauben können, dass ein Fremder ihnen Gutes bringt. Dies hat sich über die Generationen zu dem Aberglauben ausgewachsen, dass Fremde generell Unglück bringen und man sie besser meidet, wenn man das sehende Auge des Vind, des Gottes der Zwietracht, nicht auf sich ziehen möchte.
Tatsächlich ist man auch in Vilskrund den alten Traditionen und den Göttern noch immer zugetan, auch wenn sich die Edeakirche hier durchsetzen konnte und man die Götter generell nicht mehr anbetet. Trotzdem führen viele Vilskrunder ihre Namen bewusst oder unbewusst sehr oft im Mund und nehmen sie als Anlass für allerlei Geschehnisse, denn der erwähnte Aberglaube ist hier bei der Landbevölkerung sehr stark ausgeprägt.