Porto di Fortuna

Wenn man an Terrano denkt, so ist Porto di Fortuna für die meisten Menschen jene Stadt, die ihnen zuerst in den Sinn kommt und mit der sie dieses Land am ehesten verbinden. Dies wiederum ist eine Tatsache, die nicht weiter erstaunt, wenn man sich die reiche Hafenstadt ein wenig näher anschaut.
Porto di Fortuna schmiegt sich nur teilweise an das Festland von Terrano und dies ist jener Teil der Stadt, der von der reicheren Bevölkerung bewohnt wird, die sich ein Domizil auf den sanft ansteigenden Hügeln, von denen aus man die Stadt überblicken kann, leisten können.
Die Einwohner Porto di Fortunas nennen diesen Teil Il Diamante, was sich wohl ebenso auf die funkelnden Juwelen an den Hälsen der Frauen wie auch auf die prunkvollen Villen selbst bezieht, die oftmals einen Hauch der vielfarbigen marabeshitischen Baukunst aufweisen. Diese Wurzeln sind keineswegs verwunderlich, treibt Porto di Fortuna doch seit Urzeiten Handel mit Marabesh, jenem exotischen Land, das nur durch den Ozean von Khalidea von Terrano getrennt ist.
Il Diamante besitzt weitläufige Parks und Gartenanlagen, die sofort ins Auge stechen und seine Straßen sind stets sauber und wirken beinahe unberührt. Der große Mittelpunkt, hoch oben auf der höchsten Erhebung des Hügels, ist dabei wohl der Palazzo Santorini, jenes prunkvolle Gebäude aus golden geädertem, weißem Marmor, das den Fürsten und seine Familie beherbergt und dabei das Zentrum des politischen und gesellschaftlichen Lebens darstellt.
Ebenfalls ein Teil von Il Diamante ist die große Kathedrale Santa Filomena, nahe den Klippen, die in das Meer herabstürzen. Es ist die wohl größte Kirche Edeas in dieser Stadt, die, wenn die Sonne darauf fällt, beinahe wirkt, als ob sie in einer Strahlengloriole gefangen ist. Der Hügel, auf dem man Santa Filomena mit dem großen Kirchenplatz aus Mosaiksteinen erbaut hat, wird gemeinhin als Sanctuario bezeichnet. Es ist die wichtigste Stelle des geistigen Lebens in Porto di Fortuna.
Je weiter der kleine Hügel abfällt, desto mehr kann man in Porto di Fortuna die einfachen Leute finden, denn sie würden sich wohl kaum eine der prunkvollen Villen leisten können, die man in Il Diamante vorzufinden vermag.
Hier beginnt also jener Teil der Stadt, der wie eine Ansammlung von kleinen Inseln wirkt, die über Brücken verbunden sind und der von den glitzernden Wasserwegen durchzogen wird, auf denen zu jeder Tageszeit die Gondeln vorübergleiten. Es ist unbestritten, dass dieser Flecken überaus romantisch wirkt, denn welcher charmante Verführer möchte seine Geliebte nicht im Schein des silbrigen Mondes zu den Klängen einer Mandoline von seinen Qualitäten überzeugen?
Direkt unter den Hügeln von Il Diamante befinden sich La Modestia und Il Splendore, zwei Bereiche der Stadt, die nicht unterschiedlicher sein könnten.
Il Splendore ist wohl der glanzvollste Ort Porto di Fortunas, an dem sich die große Oper ebenso befindet, wie einige der großen Ballsäle, die sich die Reichen gerne anmieten, wenn eine Feierlichkeit nicht in ihrer eigenen Villa stattfinden soll. Dies ist wohl der verrückteste Bereich der ganzen Stadt, in dem sich Künstler heimisch fühlen und in dem Theater florieren. In Il Splendore gilt das Hauptaugenmerk allein dem Vergnügen derjenigen, die es sich leisten können. Selbst ein Badehaus nach marabeshitischem Vorbild fehlt nicht an diesem oftmals sehr sündigen Ort und es ist stets Il Splendore, an dem der berühmte Karneval seinen traditionellen Anfang nimmt, um sich dann in seinem bunten Treiben quer durch ganz Porto di Fortuna zu ziehen.
Doch so glanzvoll Il Splendore auf den ersten Blick auch wirken mag – dieser Ort hat auch Schattenseiten und diese treten spät in der Nacht und in den frühen Morgenstunden, wenn es noch dunkel ist und sich die Festlichkeiten beruhigt haben, besonders deutlich zutage. Denn nun sind die Diebe unterwegs und die Prostituierten ziehen sich nach getaner Arbeit zurück, um ein wenig Schlaf zu finden.
La Modestia jedoch, mit seinen kleinen Steinhäusern, ist wohl der angenehmste Flecken in dieser Stadt, denn hier leben die einfachen Leute, die Handwerker und Ladenbesitzer, die dafür sorgen, dass Porto di Fortuna bei allen Feierlichkeiten den Boden unter den Füßen nicht verliert. Hier nimmt das Leben einen normalen Lauf, wenn es auch bei Tage von vielen Menschen erfüllt ist, die in La Modestia ihre Besorgungen machen möchten und dann ganz besonders lebhaft wirkt.
Am Abend jedoch kann es keinen gemütlicheren Ort geben, wenn die Bewohner dieses Bereiches bei einem Gläschen Wein und landestypischen Speisen entspannen, in einer Taverne oder in einem kleinen Gärtchen zusammenkommen, um das Leben zu feiern und zu genießen. Dann ist La Modestia von lautem, herzlichem Lachen und oft auch von ebenso lauter Musik erfüllt und es kann durchaus geschehen, dass die Bewohner dieses Viertels ein spontanes Fest feiern, auf dem getanzt und gesungen wird.
Il Porto, der Hafen, der der Stadt ihren Reichtum gebracht hat, bildet schließlich den unteren Abschluss Porto di Fortunas und mündet direkt in das Meer. Kein anderer Ort ist wohl so rau wie dieser, mit seinen vielzähligen Tavernen, aus denen oft lauter Gesang oder auch die Geräusche einer zünftigen Schlägerei ertönen und den rauen Seeleuten, die hier ihren Landgang verbringen. Man sollte nach Einbruch der Nacht als Frau nicht alleine auf den Straßen umherlaufen, wenn man nicht zu den Hafenhuren gehört, die hier auf ein gutes Geschäft hoffen.
Aber der Hafen hat auch ein freundlicheres Gesicht, denn hier findet sich der zumindest am Tage sehr stark belebte Marktplatz, auf dem lautstark gehandelt wird und auf dem man alle möglichen Waren aus fremden Ländern und fremde Besucher finden kann. Und nicht selten wird man von Fernweh ergriffen, wenn man an den auf den Wellen wippenden, großen Schiffen vorbeigeht und die salzige Luft tief einatmet, während die kräftigen Seeleute ihre Arbeit tun.

Santa Filomena

Die Kathedrale Santa Filomena, die sich hoch über Porto di Fortuna erhebt, und hinter der die bedrohlichen Klippen in das Meer hinabstürzen, gilt als eines der Weltwunder Terra Edeas, was alleine schon durch ihre gigantischen Ausmaße nicht übertrieben ist. Niemals wurde von Menschenhand eine Kirche errichtet, die prachtvoller wirkte oder höher in den Himmel ragte, als Santa Filomena, die Kirche der Heiligen Filomena, die mit ihrem Attribut, dem Stab der unermüdlichen Wandrerin, hoch oben über dem Eingangsportal der Kathedrale über ihre Besucher wacht und ihnen einen gütigen Blick aus ihren blauen Saphiraugen schenkt.
Drei Türme, die von Kuppeln überdacht werden, ragen in den Himmel und auf den Balkonen, die man über die innen gelegene Empore erreichen kann, hat man einen überwältigenden Blick über ganz Porto di Fortuna und den mit Mosaiken ausgelegten Kirchenplatz.
Hinter diesen Balkonen sind, ebenso wie auf dem Platz, Mosaike mit Darstellungen aus der heiligen Geschichte Edeas angebracht und Engel verteilen sich mit gütigen Gesichtern über die ganze Kathedrale, manche davon mit schützend ausgebreiteten Armen, andere in ein stilles Gebet versunken.
Ganz sicher ist Santa Filomena von der marabeshitischen Bauweise inspiriert worden und erinnert damit an die uralte Kathedrale Santa Sophia, die in dem längst untergegangenen Reich Syparna ihren Platz hatte.
Auch in ihrem Inneren ist Santa Filomena ein erhebender Anblick, der von den größten Künstlern Terranos ausgestaltet worden ist, und so findet man den Filomena-Altar, der Szenen aus dem Edea Zyklus zeigt, wenn er aufgeklappt wird, und die große Statue der schönen Göttin, ebenso wie die Buntglasfenster, die die Geschichte Santa Filomenas erzählen und ihre bunten Lichter auf den Boden werfen.
Statuen von Edea und ihren Engeln säumen die Reihen der Sitzbänke und wachen über die Besucher, während die mit Gold verzierte Empore einen direkten Blick auf den aufgemalten Himmel in den Kuppeln der Kirche bietet.
Zu erwähnen ist hier natürlich auch die große Orgel, deren Klang reiner und feiner ist, als der einer jeden anderen und die direkt aus Falkenland herüber gebracht worden ist.

Palazzo Santorini

Der Palazzo Santorini, der hoch oben auf den Hügeln Il Diamantes thront, ist wohl das beeindruckendste und größte Gebäude der Stadt neben Santa Filomena, und scheint durch seinen weißen, mit Gold geäderten Marmor beinahe aufzuglühen, wenn die Sonne darauf nieder scheint.
Inmitten einer großen Parkanlage voller Blumen, Orangen- und Olivenbäume, sowie einiger Lauben, ragt das Hauptgebäude hervor, während sich die Nebengebäude mit der Falknerei, den Pferdeställen und den Gemächern der Dienstboten, gleich daran anschließen und einen großen Hof in der Mitte bilden, der von hohen Eisentoren und Mauern umschlossen wird.
Das Gebäude wurde in einem architektonischen Gemisch aus dem tiberischen Stil mit einem Hauch des marabeshitischen erbaut, was besonders in einigen der in den Marmor eingemeißelten Muster erkennbar ist. Galerien ziehen sich rund um das Gebäude und erlauben durch die Rundbogen einen Blick auf das Meer und die Adern des Sereno hinab, auf dem die Gondeln über das Wasser gleiten. Auch im Inneren wurde bei der Ausgestaltung des Palazzo nicht mit der Pracht gespart und so findet man an den Wänden neben den kristallenen Leuchtern eine Vielzahl an Ölgemälden und eine ebenso große Menge an Marmorstatuen, die ebenfalls an die Tiberer erinnern, deren Stil momentan sehr gefragt ist und es in Terrano wohl auch immer bleiben wird.
Besonders der Ballsaal dürfte einen großen Bekanntheitsstatus besitzen, denn seine luftige Bauweise mit dem Ausgang in den Garten, der im Sommer geöffnet wird, und den riesigen Kristalllüstern an der Decke, der Empore und den Spiegeln, ist weithin bekannt.
Die privaten Gemächer des Fürstenpaares befinden sich im zweiten Stock des Palazzo, während sich in dem unteren Bereich die Speisesäle, die Palastküche und einige Salons befinden, die unterschiedlich gestaltet worden sind. Der große Audienzsaal des Fürsten, die Gästezimmer und das Kaminzimmer befinden sich jedoch im ersten Stock des Palazzo.

Il Gran Teatro di Principe

Ja, es ist ein erhebender Anblick, dieses Opernhaus in Porto di Fortuna. Erbaut wurde es von dem begnadeten Architekten Lorenzo di Rossi, der diesen Auftrag von Alberto Santorini, dem Vater des vorherigen Fürsten, Pascale, erhielt.
Der Fürst, der seinem Volk sehr zugetan war, wollte, dass die Magie der Musik nicht mehr nur allein dem Adel vorbehalten war. Nein, jedem sollte es möglich sein, die Oper zu besuchen, zumindest dann, wenn er die dazu nötigen Mittel besaß.
Und tatsächlich, nach 16 Jahren Bauzeit hatte Lorenzo di Rossi den ehrgeizigen Plan des Fürsten verwirklicht – Il Gran Teatro wurde mit einer denkwürdigen Aufführung des Stückes Helione und Hamrion eröffnet. Nicht jeder konnte sich den Eintritt in das Opernhaus leisten, das sich nun mit seiner runden Kuppel und den vielen Säulen in den Himmel erhob und dabei an einen Tempel der tiberischen Götter erinnerte. Eine Vielzahl von kleinen Statuen – musizierende Putten und Darstellungen von Santa Helena, der Schutzheiligen der Musik – zieren das Opernhaus mit seinen hohen Fenstern und weisen damit gleich auf seinen Zweck hin.
Ähnliche Fresken zieren im Inneren der Oper die Decken und die Wände und sorgen dafür, dass die Musik so wirkt, als würde sie schon im Empfangsraum von den Putten und den Engeln Edeas gespielt. Aber auch andere mythologische Szenen sind hier zwischen den unterteilenden Säulen an den Wänden angebracht – Szenen, die der alte Fürst so sehr liebte.
Ein weicher, roter Teppich führt, wenn man das Portal durchschreitet, zwischen Statuen hindurch in den Eingangsbereich, den man von dem großen Platz vor der Oper aus erreichen kann. Doch dies ist nicht der einzige Eingang. Der hintere Bereich der Oper hält einen weiteren Eingang bereit, den man direkt von einer Gondel aus betreten kann. Romantischer, als mit einer Gondelfahrt könnte solch ein Abend wohl kaum beginnen, der dann in der Oper unter dem Licht der Kerzen in den riesigen, funkelnden Kronleuchtern seinen Fortgang findet.
Eine große Treppe führt zu beiden Seiten hinauf zu den Logen der Oper, in denen der Adel schließlich seinen angestammten Platz hat und nicht selten eine ganze Privatloge besitzt.
Eine Loge im Teatro di Principe ist teuer, doch wer in der Stadt etwas darstellen möchte, nimmt diesen Preis stets gerne in Kauf. Dunkelblauer Samt und leuchtendes Blattgold zieren diesen Bereich, und wenn man schließlich auf die Bühne hinabblickt und sich der gleichfarbige Vorhang hebt, dann weiß der Besucher, dass sich dieser Abend lohnen wird. Die große und komfortable Loge des Fürsten besetzt hier natürlich die Mitte und wird für gewöhnlich sehr gut von Wachen abgeschirmt, damit der Fürst die Aufführung ohne Störung genießen kann.
Im Innenraum der Oper, der von den Logen aus gut zu überblicken ist, nimmt schließlich das einfache Volk Platz – jene, die es sich leisten können, einem solchen Ereignis beizuwohnen, ohne dem Adel anzugehören. Dieser Bereich wird natürlich durch einen anderen Eingang betreten, der direkt in den Innenraum führt und ebenfalls einen eigenen Eingangsbereich besitzt.
Das Gran Teatro befindet sich noch immer im Besitz des Fürsten von Ariezza, wird jedoch von dem findigen Giovanni Lorenzini geführt, der dafür Sorge trägt, dass das Opernhaus im Sinne der Santorini geleitet wird. Vor einer Weile verbot Fürst Andrea Luca Santorini die Kastration und so werden die Kastratensänger nun auch in Terrano langsam von Frauen ersetzt, die zuvor nicht die Bühne als Sängerinnen und Schauspielerinnen betreten durften. Wer also noch einmal einen echten Kastraten hören möchte, der wird sich beeilen müssen.

Die Piazza San Giovanni

Die Piazza San Giovanni ist mit Sicherheit der schönste Platz, den man in Porto di Fortuna finden kann. Dafür sorgen nicht allein die edlen Gebäude, die diesen Platz umgeben und die allesamt über wichtige Funktionen in der Regierung Ariezzas verfügen. Nein, auch Il Gran Teatro di Principe wurde an dieser Piazza erbaut und beherrscht das Geschehen zumindest optisch. Wer nun allerdings davon ausgeht, dass sich an der Piazza San Giovanni bei Tage nur behäbige Männer in wichtigen Positionen befinden, der könnte sich erheblich über die Realität wundern.
Viele junge Männer, die dem Adel entstammen, versammeln sich an der Fontana di Allegra, jenem bekannten Springbrunnen, von dem man immer wieder in den Erzählungen der Reisenden hört und der ein sehr beliebter Treffpunkt für Treffen aller Art ist. Neuerdings ist die Fontana wohl durch den Umstand in aller Munde, dass man sich erzählt, dass der Fürst hier seine künftige Gemahlin zum ersten Mal getroffen habe – doch ob dies wirklich der Wahrheit entspricht, ist nicht bekannt und wird wohl nur von einem der beiden bestätigt werden können.
Aber ob dies nun tatsächlich der Fall ist oder nicht – sicher ist, dass die Fontana, die jedem, der von ihrem Wasser kostet, Glück in der Liebe schenken soll, schon von jeher ein Treffpunkt für Liebende gewesen ist – auch wenn dies eher zu nächtlicher Stunde geschieht. Traditionsgemäß halten Paare auf dem Weg zu ihrer Hochzeit an dem Brunnen an, um einen Schluck des Wassers zu kosten. Beide füllen dann ein wenig davon in ein kleines Fläschchen, das von diesem Moment an niemals zerbrechen darf. Denn wenn dies geschieht, so wird auch die Liebe zerbrechen, so sagt man jedenfalls.
Tauben sind an der Piazza allgegenwärtig, ebenso wie die duftenden Rosensträucher, die die Fürstin Alessandra Santorini, bekannt als die Fürstin der Rosen, vor 200 Jahren pflanzen ließ. Die Piazza ist stets ein lebendiger Ort, der von den Bewohnern Porto di Fortunas auf vielerlei Art und Weise genutzt wird. Wer gesehen werden möchte und etwas zu sagen hat, der wird dies sicherlich hier tun – und wenn nicht, so gibt es hier doch allerlei Stände, die zumindest für das leibliche Wohl sorgen, während man darauf wartet, dass sich etwas Interessantes tut.
Viele Künstler versammeln sich an der Piazza, um die Oper oder eine andere Sehenswürdigkeit auf die Leinwand zu bannen, andere bieten hier ihre Dienste an, in der Hoffnung, einen reichen Gönner zu finden, der auf sie aufmerksam wird und ihnen Tür und Tor in die hohe Gesellschaft öffnet.
In der Nacht schließlich, erwacht die Piazza, die an den späten Nachmittagsstunden oft recht still wird, zu neuem Leben. Denn nun gibt es hier allerlei hochgestellte Persönlichkeiten zu sehen, die auf dem Weg in die Oper oder zu anderen Zerstreuungen sind. Wer prächtig gekleidete Damen und Herren sehen möchte, ist nun an der richtigen Stelle. Ebenso diejenigen, die auf den neusten Klatsch aus sind. Musik ertönt dann oft aus dem Opernhaus und Schausteller amüsieren ein williges Publikum. Doch Vorsicht! Die Taschendiebe hier sind raffiniert und sehr geschickt.
Natürlich beherbergt die Piazza auch das berühmte Principe Nero, in dem so mancher sich gerne vor und nach den Operndarbietungen stärkt.
Im Laufe der Geschichte Porto di Fortunas war die Piazza der Schauplatz einiger wichtiger Ereignisse und dramatischer Begebenheiten und dies wird auch sicherlich in Zukunft so bleiben.

Der Hafen

Welcher Ort in Porto di Fortuna könnte wohl lebhafter sein, als der große Hafen? Jene Stelle, an dem die Schiffe aus aller Welt einlaufen und von dem aus die exotischsten Waren ihren Weg bis zu dem nahe gelegenen Markt finden.
Ja, hier am Hafen, ganz unten in Il Porto gibt es allerlei zu sehen – Schiffe aus dem fernen Marabesh? Aber natürlich, gleich dort drüben neben diesem dort aus Mondiénne. Oder ein geheimnisvolles, vor Gold strotzendes Schiff von fremdartiger Bauart? Ist denn die Königin von Theoris persönlich angereist? Und dort drüben – könnte dies ein Piratenschiff sein? Womöglich eines von den Smaragdinseln, das von König James gesandt worden ist? Oh ja, an keinem Ort gibt es wohl soviel zu sehen, wie am Hafen von Porto di Fortuna.
Reiche Händler oder raue, düster aussehende Seeleute – der Hafen ist bei Tage sicher ein aufregender Platz, an dem es vor Menschen wimmelt, Menschen die ihrer Arbeit nachgehen, die Schiffe beladen oder sie entladen, Menschen, die zum ersten Mal diese Stadt betreten und die Geschichten mit sich bringen, die es zu hören lohnt. Nicht selten gibt es vom Marktplatz ausgehend lautes Geschrei und bald schon verfolgt womöglich ein wütender Mob einen unvorsichtigen Dieb. Und so mancher wirft gerne einen Blick auf den abgeschlossenen Privathafen des Fürsten, der jedoch so gut bewacht ist, dass dieses Unterfangen deutlich erschwert wird.
Doch in der Nacht wird es am Hafen gefährlich. Wenn die Lampen der Hafentavernen ein schummriges Licht verbreiten, das die dunklen Gassen kaum zu erhellen vermag, dann treiben sich hier düstere Gestalten herum, denen man besser aus dem Wege geht. In den Tavernen gibt es nun zur Genüge betrunkene Seeleute und geschickte Taschendiebe. Die stadtbekannten Huren sind darauf aus, ihr Geschäft zu machen und bieten ihren Körper gegen eine nicht geringe Summe an Golddukaten feil, während schon das laute Gepolter in so mancher der Tavernen auf eine deftige Schlägerei aufmerksam macht.
Wer etwas erleben möchte und darunter nicht die Zerstreuungen der Reichen und Schönen versteht, der kommt zum Hafen – denn hier findet sich sicherlich immer genau das, was man sucht. Und sicherlich mischt sich auch so mancher Adelige unter die Leute – um vielleicht jemanden zu finden, der ein Problem für ihn lösen kann.

Der Marktplatz

Einer der belebtesten und farbenprächtigsten Orte Porto di Fortunas ist sicherlich der große Marktplatz, der in seiner ständigen Geschäftigkeit und mit der Vielzahl der Waren und Gerüche an den großen Basar von Faridah erinnert. Nirgends sonst ist die Nähe zu Marabesh so gut erkennbar wie an diesem Ort, an dem es bei Tage stets laut und munter zugeht.
Hier, direkt am Hafen der Stadt, an dem fremde Schiffe vor Anker gehen und sich stets einige der rauen Seeleute herumtreiben, treffen die Bewohner aller Stadtteile Porto di Fortunas zusammen – angefangen bei den einfachen Leuten, bis hin zu den Adeligen, die sich an dem blühenden Leben erfreuen möchten und sich durchaus ab und an unerkannt unter die Menschen mischen. Wer Lust am feilschen und an fremdartigen Dingen hat, der findet hier sicherlich alles, was sein Herz begehren mag – wer weiß, vielleicht sogar einen exotischen Gegenstand aus dem fernen Theoris?
Allerdings sind hier nicht nur fremde Händler anzutreffen. Ein Großteil der Marktstände kehrt täglich wieder und nimmt dann seine gewohnten Plätze ein. Einige der Stände stammen sogar von den Läden, die man über die Stadt verteilt finden kann und so bemerkt man hier bei den feineren Läden durchaus eine gewisse Zurückhaltung, während die einfacheren Marktstände mit lauten Rufen ihrer Besitzer auf sich aufmerksam machen, wenn es eine neue Ware anzupreisen gilt.
Wenn man eines niemals über den Markt von Porto di Fortuna sagen kann, dann ist es sicherlich, dass es hier jemals langweilig werden könnte. Dafür sorgen allein die prunkvoll ausgestatteten Schiffe aus fernen Ländern, die hier manches Mal einlaufen, die Piraten, die durchaus vor Anker gehen können oder aber einfach die Diebe, die dann von der gesamten Belegschaft des Marktes von Porto di Fortuna über den gepflasterten Platz gejagt werden. Lediglich in der Nacht gibt es in der ganzen Stadt keinen tristeren, traurigeren Platz. Allerdings muss man dann damit rechnen, die eine oder andere zwielichtige Gestalt anzutreffen.