Theoris

Wüstengold

Theoris, jenes geheimnisvolle Land im Herzen der Goldwüste des Kontinents von Khalidea, das stets die Abenteuerlust in den Herzen der Menschen geweckt hat und das unbestreitbar sehr gefährlich ist, ist wohl einer der exotischsten Orte, die man auf Terra Edea bereisen kann.
Die mächtigen Pyramiden, die sich im Tal von Sabah in den Himmel recken, sind Zeugnisse einer Vergangenheit, die hier noch immer sehr lebendig ist und auf die die Bewohner des Landes einen sehr großen Stolz verspüren. Dies sind die Grabstätten der alten Pharaonen von Sabah, die einstmals nach ihrem Tode als Götter verehrt wurden, bevor der Glauben an Sarmadee auf Khalidea die Oberhand gewann.
Unfassbare Schätze sind in diesen alten Grabstätten zu finden, die den Reichtum der Pharaonen in sich bergen und die durch zahlreiche gefährliche Fallen und ausgeklügelte Mechanismen geschützt werden. Viele Schatzsucher mussten schon erkennen, dass die Pharaonen und ihre Architekten ihnen um einiges voraus waren, bevor sie ihr Leben gelassen haben und der Traum von dem großen Reichtum mit ihnen gemeinsam dahinging. Doch trotzdem gibt es immer wieder wagemutige Menschen, die in diese uralten Monumente eindringen, um selbst ihr Glück zu versuchen. So manches Mal wurde Theoris in der Vergangenheit schon als Abenteuerspielplatz der Reichen und der Wissenschaftler bezeichnet, was vielleicht noch nicht einmal übertrieben ist.
Doch nicht nur die Pyramiden sind es, die dieses Land so einzigartig machen, das von der breiten Wasserader des Kesi am Leben erhalten wird. Traditionen und Ordnung bestimmen das Leben der Menschen an diesem Ort schon seit Urzeiten und haben es zu dem gemacht, was es heute ist.
So verwundert es möglicherweise nicht, dass ein Aufenthalt in Theoris wie ein Ausflug in längst vergangene Zeiten wirkt, was unter der Herrschaft von Königin Tahirah noch verstärkt worden ist. Die verführerische Tahirah ist eine geheimnisvolle Frau, in der man die Wiedergeburt der großen theorischen Königin Nailah zu erkennen glaubt, denn Tahirah ähnelt den Darstellungen dieser mächtigen Frau auf beängstigende Weise. Auch das Amulett, das einen Skarabäus aus Rubinen darstellt und das Tahirah niemals ablegt, verstärkt dieses Gerücht bei den abergläubischen Theorern noch weiter.
Viele Theorer murmeln hinter vorgehaltener Hand, dass Tahirah dem Wahnsinn verfallen sei, wie viele ihrer Familie, andere erzählen von einer seltsamen Besessenheit. Alle sind sich jedoch einige, dass es eindeutig etwas mit dem dunklen, geheimnisvollen Mann zu tun haben muss, der ständig um die Königin herumschleicht und beinahe niemals von ihrer Seite weicht. Man kennt seinen wahren Namen nicht, doch er wird von allen Sefu genannt und gilt als der Leibwächter Tahirahs, obwohl viele in ihm ein seltsames Überbleibsel aus der Vergangenheit sehen.
Unter Tahirahs Herrschaft durften einige alte Traditionen wieder aufleben, die schon beinahe vergessen worden sind. So hat der Totenkult der alten Theorer und der Pharaonen heute wieder eine neue Bedeutung erhalten, da Tahirah den Bau ihrer eigenen Grabstätte veranlasst hat, die genau in dieser alten Tradition steht. Auch ansonsten wirkt in Theoris nun alles ein wenig traditioneller und man besinnt sich auf die alten Wurzeln. Schaurige Geschichten von alten Mumien, die aus ihren Gräbern steigen und von alten Göttern, die sich wieder regen, sind im Umlauf und beunruhigen das Volk, das die Türen am Abend besonders fest verschließt. Die Paläste der prächtigen Hauptstadt Mukhwana am Kesi wirken, als sei man durch die Zeit gereist und habe den Palast der Pharaonin Nailah betreten, in der ihre Diener ihr mit den Palmwedeln Luft zugefächelt haben, während sie dahingegossen auf einer Liege die Herrscher der Welt verführt hat, um ihren Einflussbereich auszudehnen.

Abasi

Abasi ist mit Sicherheit die fruchtbarste Provinz des Landes und so kommen jene Güter, die die Theorer zum Überleben benötigen, aus dieser Gegend, die von unzähligen Armen des Kesi durchzogen wird. Hier leben viele Bauern, die ihren Acker mit ehrlicher Arbeit bewirtschaften und dann ihre Erträge auf den Basaren der Städte Theoris verkaufen.
In Abasi gibt es wenig, was die Fantasie der Besucher anzuregen vermag und so führt man in dieser Gegend ein sehr ruhiges, angenehmes Leben, fernab von allem Trubel, der in den anderen Provinzen oftmals herrscht.
Trotzdem ist die Hauptstadt Baruti der Mittelpunkt des theorischen Handels und man findet hier alle erdenklichen Lebensmittel, die man dem Land abringen kann. Auch die Viehzucht floriert, was der Bevölkerung stets einen vollen Magen einbringt.
Flächenmäßig nimmt Abasi mit seinem Ackerland einen sehr großen Teil des Landes ein, was auch nötig ist, um Theoris mit seiner großen Bevölkerung angemessen zu versorgen. Die Bevölkerung dieser Provinz lehnt zumeist zu großen Prunk ab und liebt ein einfaches Leben, das von der Arbeit und der Gastfreundschaft geprägt ist. Es mag hier wohl nur wenig zu sehen geben, doch wer die freundliche Seite Theoris kennenlernen möchte, ist in Abasi an der richtigen Stelle.

Dakarai

Dakarai, jene Provinz, die inmitten von Theoris an den Ufern des Kesi liegt, war von alters her der Mittelpunkt des Landes. Hier regierten die großen Pharaonen und hier lag der Mittelpunkt der Religion mit ihren mächtigen, magiebegabten Hohepriestern. Noch heute zieht Dakarai mit seiner vor Gold strahlenden Hauptstadt Mukhwana viele Besucher und Abenteurer an, die ihr Glück an den alten Pharaonengräbern im Tal von Sabah versuchen möchten.
Dakarai wurde natürlicherweise am meisten von Tahirah in ihren Bann gezogen, was diese Provinz nun zu einem sehr lohnenswerten Ziel für sämtliche Bewohner der anderen Länder macht, die auf der Suche nach dem exotischen Abenteuer sind. Dies ist natürlich das große Kapital dieser Provinz, die sich ganz auf den Umstand eingestellt hat, dass Reisende ein Dach über dem Kopf benötigen und nur allzu gerne durch Dakarai und die darin liegenden Städte geführt werden möchten.
Nach einer Weile hat sich das Geschehen in dieser Provinz so entwickelt, dass es hier einige Reiseführer gibt, die Routen festlegen, auf denen sie die Besucher in das Tal von Sabah führen und ihnen alle Sehenswürdigkeiten vorführen. Selbstverständlich kann man dabei jedoch auch an Betrüger und Diebe geraten, die die Hilflosigkeit ihrer Opfer in diesem fremden Land auszunutzen wissen und sie nur zu gerne um ihren Besitz erleichtern.
Alles in allem ist Dakarai eine sehr lebhafte Provinz, in der Forscher und Wissenschaftler ihrer Arbeit nachgehen und in der man allerlei Menschen aus allen Teilen der Welt antreffen kann.
Mukhwana spielt hierbei jedoch eine besondere Rolle, denn die große Hauptstadt des Landes, die in Form eines Skarabäus angelegt worden ist, lässt nur wenige Fremde in ihr Herz, also in die Umgebung des Palastes vordringen. Wer den Palast sehen möchte, wird damit so lange warten müssen, bis er die königliche Erlaubnis dazu bekommt – und dies auch nur nach Vorlage der passenden Gründe. Tahirah empfängt nur jenen, der sich ihres Anblickes als würdig erweist. Ansonsten vertraut sie darauf, dass die Schönheit der Hafenstadt mit den schlanken Schiffen im Hafen ausreichen wird, um Besucher von ihrer Erhabenheit zu überzeugen.

Muminah

Muminah, im nördlichen Teil von Theoris gelegen, ist ein trockener, unfruchtbarer Bezirk, der seinen Bewohnern das Leben schwer macht. So verwundert es wohl auf den ersten Blick, dass dieses wüstenhafte Land überhaupt bewohnt ist, doch wer einen genaueren Blick darauf wirft, wird feststellen, dass der Reichtum Theoris zu einem sehr großen Teil aus dieser Provinz resultiert. Denn in Muminah gibt es im Inneren der Wüstenberge die größten Gold-, Silber- und Edelsteinvorkommen des ganzen Landes, die Theoris zu diesem goldglänzenden, wundersamen Ort machen, der mit seinen Statuen und seinen geschmückten Bauwerken sofort vor dem inneren Auge erscheint.
Die Bewohner dieses Landstriches sind harte, erbarmungslose Arbeit gewohnt. Die meisten Arbeiter aus den Minen haben keine reine Weste mehr oder sind die Nachkommen von Verbrechern, die einst zur Strafe für ihre Vergehen hierher verbannt worden sind. Die Familien gingen oft mit ihnen und blieben dann, als dieses raue Land zu ihrer Heimat geworden war.
Das Leben in Muminah ist oft von Wassermangel geprägt, da die Brunnen an den heißen Tagen immer trockener werden und es schwer wird, aus dem niedrigen Wasserstand noch Trinkwasser nach oben zu befördern. Natürlich hat dieser Umstand die Bevölkerung Muminahs auch erfinderischer gemacht, was das Überleben angeht, doch man kann nicht davon reden, dass es das Leben auch angenehmer machen würde.
Von der Hauptstadt Rabiah aus, werden die Edelsteine und die Edelmetalle in die anderen Provinzen des Landes und auch in das Ausland verkauft, was zwar im Grunde für volle Kassen sorgt und Rabiah zu einem unvergesslich glänzenden Anblick macht, den armen Bergarbeitern jedoch eher weniger hilft.

Tsekani

Schon zur Zeit der Pharaonen existierte auf jenem Gebiet, das nun die Provinz Tsekani umfasst, eine Stätte des Wissens und der Wissenschaft und dieser Umstand hat sich niemals wirklich geändert. Tsekani war, nahe an Dakarai gelegen, schon immer das Zentrum der Religion und so finden sich noch heute sehr viele Tempel in und außerhalb der großen Städte dieser Provinz.
Eine besondere Bedeutung hat dabei der große Sonnentempel erhalten, der von dem Pharao Jabari erbaut worden ist und der ebenfalls viele Besucher anlockt. Doch nach Tsekani kommen auch jene, die das Wissen suchen, denn hier findet man uralte Bibliotheken mit den Überlieferungen der alten Theorer und die Hüter der Geschichte, jenen Orden, der sich der Bewahrung des Wissens verschreiben hat. Dieser Orden ist schon lange für viele eine sehr interessante Gemeinschaft, denn man nimmt hinter vorgehaltener Hand an, dass der Orden nicht nur die Geschichte bewahrt, sondern auch einiges andere – dunkle Mysterien, die gefährlich sind und die man unter Verschluss halten muss, damit sie nicht an die Öffentlichkeit dringen. Tatsächlich sollen alte Archive existieren, in denen jene Hüter arbeiten, die einer ganz besonderen Berufung nachgehen, doch ob dies wirklich der Wahrheit entspricht, bleibt unsicher.
Doch auch die Astronomie und die Medizin, die schon zu der Zeit der Pharaonen eine sehr große Rolle gespielt haben, stehen hier im Mittelpunkt und so verwundert es nicht, wenn man Tsekani als das Zentrum der Wissenschaft ansieht und hier die besten Ärzte und Astronomen des Landes vorfindet. Alles in allem rührt dies wohl daher, dass das Volk Tsekanis sich schon seit jeher den Traditionen verschrieben hat und diese seitdem beibehält.
Besonders die Hauptstadt Azizi steht im Mittelpunkt des Interesses, stehen hier doch die berühmte Bibliothek von Azizi und einige andere Sehenswürdigkeiten, für jene, die nach Wissen suchen.

Zahur

Wenn Muminah der Ort ist, an dem man die Edelmetalle und die Edelsteine gewinnt, so ist Zahur die Provinz, in der sie verarbeitet werden. Kein Ort Theoris’ ist so sehr für die Kunstfertigkeit seiner Bewohner bekannt, wie die Provinz Zahur. Hier werden die schönsten Schmuckstücke, die edelsten Gläser, die berühmten Vasen und andere Keramikarbeiten hergestellt und auch ansonsten kann man hier alles Erdenkliche finden, was mit Kunst oder Kunsthandwerk zu tun hat.
Wer einen Künstler oder einen Architekten sucht, ist in Zahur stets an der richtigen Stelle dafür und wird die talentiertesten Menschen des Landes finden. Natürlich macht dies die Provinz zu einem sehr angenehm anzusehenden Ort und die Reichen der anderen Länder erfreuen sich öfter daran, auf ihrer Reise nach Theoris hier vorbeizuschauen und den einen oder anderen exotischen Gegenstand oder auch das eine oder andere besonders exotische Kleidungsstück zu erstehen. Schließlich gibt es genügend Basare, die genau diesem Zweck dienen.
In dieser Provinz herrscht stets eine Aura der regen Betriebsamkeit, die alles so lebendig erscheinen lässt, wie einen Bienenschwarm. Natürlich gibt es in Zahur auch weniger belebte Flecken auf dem Land und die beliebte Badestadt Masika, die der Ruhe und der Erholung gewidmet ist, doch in den großen Städten, allen voran in der Hauptstadt Omorose ist die Provinz jederzeit der belebteste Ort in ganz Theoris, der in seiner Schönheit sogar Mukhwana um ein Vielfaches übertrifft.