Das Collier – Teil 1

- Tja, die Geschichte von Cat und ihrem geisterhaften Geliebten. Eigentlich war das Ganze als Roman mit leichten Krimi- und Geisterelementen geplant, aber dann trat das Projekt zugunsten einiger anderer Geschichten in den Schatten zurück. Mal schaun, was daraus wird und ob etwas daraus wird – irgendwie fände ich es dann doch wieder zu schade, wenn die Geschichte auf Eis liegen bleibt, auch wenn viel daran getan werden müsste. Eine ganz ähnliche Szene spielt sich in “Feenblut” zwischen James und Viola ab.

Lady Catherine Kingston spielt inzwischen in jüngeren Jahren eine Rolle als Violas Zofe, die später ihren Platz in James’ Diensten einnehmen wird. Es war eine Entwicklung, die gut gepasst hat.  -

Wenn ein Mann wie König James IV. zum Nachmittagstee lud, konnte man stets davon ausgehen, dass sich hinter diesem gar unschuldigen Ansinnen etwas mehr verbarg, als es auf den ersten Blick den Anschein hatte. Dies traf insbesondere dann zu, wenn ich der einzige Gast war und jener Tee in seinen Privatgemächern eingenommen werden sollte.
So war ich also auf allerlei Widrigkeiten gefasst, nachdem mir ein Bote die freundliche Einladung des Monarchen überbracht hatte, innerhalb der nächsten Stunde auf dem Schloss zu erscheinen, um ihm bei einer nachmittäglichen Zerstreuung Gesellschaft zu leisten.
Nun, James war keineswegs ein gewöhnlicher König und er besaß recht unkonventionelle Ansichten darüber, was ein solcher tun und lassen sollte, also seufzte ich resigniert, nachdem ich das Pergament mit seiner Handschrift aufmerksam gelesen hatte und verbrannte es dann über einer flugs angezündeten Kerzenflamme. Es war mehr als wahrscheinlich, dass dies eine vertrauliche Angelegenheit war und ein genauerer Blick auf den Boten, der neben der königlichen Kutsche in meinem Hinterhof auf mich wartete, bestätigte dies. Sir Henry gehörte zu James’ persönlicher Leibgarde und war ein Mann, dem dieser vollkommen vertraute. Wäre es eine offizielle Angelegenheit gewesen, hätte er sich wohl kaum die Mühe gemacht, die Einladung persönlich zu verfassen und mit einem gewöhnlichen Boten vorlieb genommen.
Müßig blickte ich an meiner Erscheinung und dem gewöhnlichen Kleid aus kaffeebraunem Wollstoff hinab, das ich an diesem Morgen trug, und schickte dann nach Marian, einem vertrauenswürdigen Mädchen aus meinem Personal, das mir am ehesten dazu verhelfen konnte, zu einer gepflegten Adeligen zu werden, die sich bei Hofe ein und aus bewegte.
Für gewöhnlich machte ich mir nicht viel aus meinem Aussehen und zog es vor, mich unauffällig unter die Bevölkerung Charlaines zu mischen. Doch in diesem Fall war das Kleid aus smaragdgrüner Seide wohl angemessen, das Marian zielsicher aus dem Schrank beförderte und das die ungewöhnliche Farbe meiner Augen unterstrich. Ich lächelte still in mich hinein, als sie ihre Arbeit mit einem gewissenhaften Ausdruck in dem rundlichen Gesicht aufnahm und dabei in konzentriertes Schweigen verfiel. Marian war keines von den munteren Mädchen, die pausenlos schwatzen mussten, wenn sie ihrer Arbeit nachgingen und ich war ihr dankbar dafür. Oftmals fand ich sie in meiner privaten Bibliothek, wo sie sehnsüchtig über Buchrücken strich und mit glänzenden Augen den einen oder anderen Band aus den Regalen zog, um ihre kostbaren, freien Minuten damit zu verbringen.
Früher hatte sie dies heimlich getan, doch inzwischen hatten wir die stumme Übereinkunft getroffen, dass sie sich nach getaner Arbeit in der Bibliothek aufhalten durfte, wann immer sie es wünschte. Und so fand ich sie oft an diesem Ort, in einem der ledernen Sessel zusammengekauert, bis sie schließlich über ihrer Lektüre eingeschlafen war.
Eher aus Gewohnheit als aus Interesse, verfolgte ich im Spiegel meiner Kommode, wie aus Catherine Kingsley eine Dame wurde, deren goldblondes Haar zu einer kunstvollen Frisur aufgesteckt war und deren Gesicht unter der aufgetragenen Schminke zu leuchten begann. Ich hasste es, wenn Farbe auf meiner Haut klebte, musste jedoch zugeben, dass sie – in Maßen verwendet – ihren Effekt selten verfehlte.
So begannen meine grünen Augen nun an Tiefe zu gewinnen, während mein Mund rosig in einem vornehm blassen Gesicht in Erscheinung trat und mir das Aussehen einer Porzellanpuppe verlieh. Ich war keine dieser großäugigen Schönheiten, die mit tiefen Dekolletés die Ursache für die schmachtenden Blicke der Männer bei Hofe waren, doch ich hatte eine gewisse klassische Schönheit von meiner Mutter geerbt, die ich lieber mit schlichter Eleganz, als mit Offenherzigkeit und unnötigem Prunk unterstrich.