Das Collier – Teil 2

Also lehnte ich auch heute jeglichen Schmuck ab, den mir Marian anbieten wollte, und begnügte mich mit der feinen goldenen Kette, die niemals meinen Hals verließ und an der ein goldenes Medaillon seinen Platz nahe an meinem Herzen gefunden hatte. Sanft und mit einem Hauch von Melancholie strich ich mit einem Finger über das kühle Metall, bevor ich Marian dankbar entließ und mich auf den Weg hinab zu Sir Henry machte, der mich mit einem warmen Lächeln begrüßte. Dann öffnete er mir die Kutschentür, um mich einzulassen und schließlich ebenfalls hinter mir in den Innenraum der Kutsche zu steigen. Wehmütig blickte ich durch das Fenster auf mein kleines, unscheinbar wirkendes Stadthaus mit dem gepflegten Garten, in dem allmählich die ersten Blumen erblühten, und machte mich darauf gefasst, seine anheimelnde Sicherheit und lebenswichtigen Schätze für einige Tage verlassen zu müssen, um dem König zu Diensten zu sein. Sir Henry, der meinen Blick sehr wohl bemerkt hatte, räusperte sich leise, was meinen Blick auf sein verwittertes Gesicht mit dem sauber gestutzten braunen Bart über den dunkel gefärbten Augen lenkte, die mich entschuldigend anblickten.
Ich schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln, bevor ich das Wort an ihn richtete.
“Ich freue mich wirklich, Euch zu sehen, Sir Henry. Ist der König wohlauf? Ich habe das Schloss für eine Weile nicht mehr betreten und befürchte, dass ich gänzlich uninformiert über die Vorgänge bei Hofe bin.”
An einem gewissen Ausdruck in den Augen des Ritters, konnte ich nur zu genau erkennen, dass er meine Frage sehr gut verstanden hatte. Keineswegs als Frage nach dem neusten Klatsch bei Hofe, sondern als Erkundigung nach den neusten Ausrutschern des Königs, die der diskreten Auslöschung bedurften. Allerdings war ich nicht darauf gefasst, dass sein Tonfall nun äußerst ernst klang und nicht so heiter, wie ich es von dem lebenslustigen Mann gewohnt war, der keine Zecherei ausließ. Die Angelegenheit musste von größerem Ausmaß sein, als es für gewöhnlich der Fall war und ich bemerkte, wie sich unwillkürlich eine steile Sorgenfalte auf meiner Stirn bildete.
“Die Freude ist auf meiner Seite, Lady Catherine. Es hat sich tatsächlich einiges ereignet in Eurer Abwesenheit. Prinzessin Isabella von Torego und ihr Gatte haben ihren Besuch am gestrigen Tage beendet und befinden sich nun auf dem Weg zurück in ihre Heimat, um König Rodrigo die besten Wünsche seiner Majestät zu überbringen. König James und die Prinzessin haben sich in der Tat ausgezeichnet miteinander verstanden, während Don Estéban sehr viel Zeit in den königlichen Ställen zugebracht hat. Er ist ein wahrhaftiger Pferdenarr …”
Sir Henry unterbrach sich und ließ seine Worte unvollendet im Raum schweben, während es mir nicht schwerfiel, die Bedeutung hinter dieser Erklärung zu entschlüsseln. Ganz offenbar hatten sich der König und die Prinzessin ein wenig zu gut amüsiert, während ihr Gemahl anderweitig beschäftigt war. In der Tat verfügte James über eine beeindruckende Anzahl marabeshitischer Pferde mit Stammbäumen, die länger waren als der Stammbaum des königlichen Hauses von Alviona, und so konnte ich mir sehr gut vorstellen, was Don Estéban dort so sehr fasziniert haben mochte. Wie man hörte, stammte er aus Terecito, jener Gegend in Torego, die für ihre ausgezeichnete Pferdezucht berühmt geworden war. Mit einem unangenehmen Gefühl der Vorahnung, suchte ich Henrys Bestätigung für meine Vermutungen.
” Das sind in der Tat gute Neuigkeiten. Ich habe gehört, dass die Prinzessin eine vollendete Schönheit sein soll, um deren Hand sich viele Männer bemüht haben, bevor sie Don Estéban geheiratet hat.”