Das Collier – Teil 3

Henry nickte langsam und meine Besorgnis stieg deutlich an, während sich in meinem Magen das Gefühl ausbreitete, mich auf dem Weg zu einem Schafott zu befinden, anstatt zu einer gemütlichen Teestunde mit dem begehrtesten Junggesellen der Smaragdinseln. Wenn es eine Sache gab, der James niemals widerstehen konnte, so waren dies schöne Frauen und ich hoffte inständig, dass meine nächste Vermutung nicht zutreffend war, als mir auf Henrys Nicken ein leises “Oh!” entfuhr.
“Gab es denn nicht das Gerücht, dass die Prinzessin ihrem Gatten bald einen kräftigen Sohn schenken würde? Ich meine, solcherlei auf einem Fest bei Lady Jane Marsdon vernommen zu haben?”
Zu meiner Erleichterung schüttelte Henry diesmal verneinend den Kopf und ich atmete hörbar erleichtert aus. Es wäre höchst erschütternd für die Beziehungen zu Torego, wenn Prinzessin Isabella einem strohblonden Kind mit grünen Augen das Leben schenken würde – und zudem war dies eine Angelegenheit, in der ich wenig unternehmen konnte, wenn man es genau nahm.
“Nein, Lady Catherine. In diesem Falle hat sich Lady Janes untrüglicher Spürsinn als fehlerhaft entpuppt. Die Prinzessin hinterließ nicht den Eindruck, guter Hoffnung zu sein, wie ich aus zuverlässiger Quelle erfahren habe.”
Zweifelsohne war diese Quelle eine der Wäscherinnen auf Castle Stormhaven, zu der Sir Henry seit einiger Zeit eine äußerst nahe Beziehung unterhielt. Ich schwieg für einen Moment, während sich die Kutsche durch die engen Straßen Charlaines bewegte und sich dabei immer weiter dem Schloss näherte. Gedankenverloren wanderten meine Finger zu dem Medaillon, das sich durch meine Körperwärme nun warm und tröstlich anfühlte und ich bemerkte, wie Sir Henry mich dabei nachdenklich ansah. Langsam löste ich mich davon und ließ es in den Ausschnitt meines Kleides zurückgleiten, um es vor neugierigen Blicken zu schützen, obgleich es nicht Sir Henry war, vor dem ich es verbergen wollte.
Es dauerte eine Weile, bis er schließlich sprach und er tat es in jenem Moment, in dem die Kutsche durch ein nur selten geöffnetes Tor in den Hof von Castle Stormhaven fuhr und dann an einem Platz anhielt, der gut vor neugierigen Blicken verborgen war.
“Er fehlt uns allen, Lady Catherine. Besonders dem König …”
Ich blickte für einen kurzen Augenblick in Sir Henrys dunkle Augen und kämpfte gegen die Welle der Traurigkeit an, die mich mit sich reißen wollte, bevor ich mich abwandte, um die Kutsche zu verlassen.
“Ich weiß, Sir Henry. Ich weiß.”
Wir schwiegen beide, als ich zu den weißen Mauern des märchenhaften Schlosses emporsah und dann an Henrys Seite durch eine der hinteren, schwer bewachten Türen eintrat, die mich auf direktem Wege über eine steile Treppe zu James’ persönlichem Salon führen würde, wo er mich zweifelsohne schon erwartete. Ein kurzer Blick reichte, um mich von Henry zu verabschieden, der vor der Tür seinen Platz einnahm, um Wache zu halten, bis die Unterredung beendet war.
Entschlossen klopfte ich an die Tür, wohl wissend, dass mir hier kein Diener öffnen würde, und trat schließlich auf den Zuruf des Königs ein, der ungewöhnlich düster blickend in einem der weichen, mit blauem Samt überzogenen Sessel saß, während seine langen Beine in den hohen Stiefeln auf einem der runden Tischchen aus dunklem Holz lagen. Ich musterte die Lage in dem Zimmer für einen Augenblick stumm. Dieser Salon war, im Gegensatz zu den meisten anderen Salons des Schlosses, nicht repräsentativ eingerichtet und kaum ein anderer, als die Angehörigen des dichtesten Kreises um den König, durften ihn jemals betreten. Ähnliche Sessel wie jener, in dem der König nun saß, standen im Raum verteilt und ein munteres Feuer flackerte in dem Kamin, der eine angenehme Wärme an diesem kühlen Frühlingstag verbreitete.
Durch das geöffnete Fenster drang die frische Meeresluft in den Raum ein und streichelte die einfachen Wandteppiche mit den Szenen aus den Taten von James’ Freibeutern – ein gewagter Wandschmuck. Doch da dies der persönlichste Raum des Königs war, musste man diese kleine, gefährliche Eitelkeit wohl als sein Recht ansehen.