Legenden Anatoljas

Wenn es ein Land gibt, in dem man gerne Legenden am Kaminfeuer austauscht, dann ist das wohl Anatolja. So ist es auch kaum verwunderlich, dass die Anatoljaner einen reichen Schatz an Sagen und Legenden besitzen – die vielleicht nicht ganz erfunden sind.

Die Legende vom Geisterbär

Hoch im Norden des Reiches Anatolja, in der kalten Provinz von Warut, erzählen sich die Menschen am Lagerfeuer oder vor dem Kamin, die Legende vom Geisterbären. Die Legende besagt, dass alle 1000 Jahre ein silberner Bär auf die Welt kommt, der zum Wächter des Landes heranwächst.
Er herrscht über die Wildnis, über Tiere und Pflanzen und er beschützt die Natur vor den Eingriffen der Menschen. Aber manchmal hilft er sogar einem Menschen in Not, führt Kinder zu ihren Eltern zurück, die sich im Wald verirrt haben, oder zeigt einem Wanderer, der kurz vor dem Verhungern ist, eine Fundstelle für Nahrung. Der Geisterbär ist ein gewaltiger, über 4 Meter großer Bär, dessen übernatürliche Kraft einen Baum mit einem Schlag fällen kann und dessen Brummen demjenigen, der Böses im Schilde führt, fürchterliche Angst einjagt.
Man sagt der Berührung seines silbernen Fells heilende Kräfte nach, und wenn er einem Verletzten über eine Wunde leckt, schließt sich diese automatisch. Der Geisterbär hat nur einen Feind, die Schneerosenkönigin und ihre Eismenschen. Sie versucht ihren Einfluss zu erweitern und der Geisterbär verhindert dies mit all seiner Macht. Ob es wahr ist, dass hoch im Norden ein großer silberner Bär in der Wildnis haust? Niemand kann es wirklich bestätigen, aber wie man weiß, ist an jeder Legende ein Fünkchen Wahrheit.

Großvater Tod

Jeder Mensch auf Terra Edea muss irgendwann dahinscheiden und die Welt der Lebenden verlassen. Damit die Toten sich nicht auf ihrem Weg ins Jenseits sich verirren und ihre Seelen ziellos umher wandern und die Lebenden erschrecken, nimmt sich Großvater Tod ihrer an.
Er ist ein gütig dreinschauender alter Mann mit weißem Bart und dunklen Augen, deren Blick sein Wissen über Leben und Tod verrät. In seiner rechten Hand hält er die Uhr des Lebens, eine Sanduhr, deren Sand ihm zeigt, wann die Stunde für einen Menschen geschlagen hat und er ins Jenseits geführt werden muss. Dabei trifft der scheinbar alte Mann immer wieder auf Personen, die unwillig sind, ins Jenseits zu gehen.
Diese Menschen besucht er in der Gestalt eines Mönches mit einer Sense in den Händen und zeigt ihnen, dass sie sich nicht gegen ihr Schicksal wehren können. Jedem Lebenden gewährt er am Ende noch einmal einen Rückblick auf sein Leben, zeigt ihm die schönen, aber auch die düsteren Momente, dann schließlich bringt er ihn in das Reich jenseits der Grenzen.
Großvater Tod mag den Menschen als grausam erscheinen, aber er ist es nicht. Er ist nur eine Kraft, die eine Aufgabe zu erfüllen hat, seltsamerweise kann er dies jedoch nur in Anatolja, in anderen Ländern besitzt er keine Macht.

Die Schneerosenkönigin

Die Legende der Schneerosenkönigin ist eine der ältesten Erzählungen des Landes Anatolja. Seit vielen Jahren, niemand weiß mehr genau, wie lange schon, lebt die Schneerosenkönigin in ihrem Eispalast auf einem großen Gletscher in Warut.
Einst war sie eine junge und schöne Frau namens Maruschka. Glücklich lebte sie mit ihrem Verlobten Dimitri, einem Holzfäller, im tiefen Wald. Das junge Paar war glücklich und sie liebten sich so sehr, das nichts und niemand ihnen dieses Glück nehmen konnte.
Aber eines Tages schlug das Unglück zu, grausam und unerbittlich. Dimitri hackte im Wald neues Holz, welches für den Gutsherren Pietrovic bestimmt war, während Maruschka in der Hütte ein neues Kleid nähte für das kommende Frühlingsfest. Drei düstere Gesellen traten aus dem Dunkel des Waldes, Messer in den Händen. Sie stürzten sich auf den jungen Mann und verwundeten ihn tödlich, dann machten sie sich aus dem Staub. Mit letzter Kraft, blutend aus vielen Wunden, schleppte Dimitri sich zur Hütte, zu seiner geliebten Maruschka. Mit letzten Worten der Liebe hauchte er in ihren Armen sein Leben aus und die Welt stürzte für das schöne Mädchen ein.
Allein und voll Gram begrub sie ihren Liebsten. Tränen der Verzweiflung standen in ihrem Gesicht. Was sollte sie tun? Jetzt, wo sie alleine war. Da kam der Gutsherr Pietrovic, ein alter, hässlicher Mann, der den jungen Frauen hinterher jagte, wann immer er es konnte und machte ihr ein Heiratsangebot. Da plötzlich verstand die junge Frau, was geschehen war. Ihr Herz wurde kalt, ihre Stimme schneidend, Hass durchzuckte sie, Hass auf den alten Mann, der gierig seine Finger nach ihr ausstreckte.
„Wage es nicht, mich anzufassen Pietrovic. Dich und Deinesgleichen verfluche ich mit aller Kraft. Liebe, die einst mich geführt, nun wird sie zu Hass. Hass auf alles Leben dieser Welt, Hass auf dich. Niemals mehr mein Herz sich erwärmt, da mein geliebter Dimitri von mir gegangen. Pietrovic, du und deine Sippe, bangen sollt ihr um Euer Leben, holen werde ich euch, einen nach dem anderen. Eisigkalt werdet ihr sein und eine Schneerose wird euer Schicksal beweinen, wenn ihr tot am Boden liegt.“
Pietrovic lachte nur und wollte sie packen aber Maruschka war so kalt. Ihre Haut veränderte sich, wurde blau wie glitzerndes Eis. Sie berührte Pietrovic über dem Herzen und sein Herz gefror zu Eis. Röchelnd und ungläubig fiel er zu Boden und wie von Geisterhand erschien die Blüte einer Schneerose auf seiner Brust und Tränen tropften aus dem Blütenkelch hervor.
So ward die Legende der Schneerosenkönigin geboren. Sie lebt tief im Inneren ihres Palastes auf einem Thron, kalt wie das Eis, welches sie umgibt, ohne Mitgefühl für die Lebenden und trotzdem immer auf der Suche nach einem Zeichen ihres geliebten Dimitri.
Im Laufe der Jahre hat sie Diener um sich geschart, Diener aus Eis, die aussehen wie Menschen, handeln wie Menschen aber keine sind. Sie sind ihre Kämpfer, Diener und Spione. Nur ein Wesen kann ihr gefährlich werden in den Tiefen des Schnees, der Geisterbär. Doch solange sie in ihrem Hass auf die Lebenden verharrt, ist die Natur nicht in Gefahr.

Baradrim und seine Schattenreiter

Malejska, die düsterste Provinz, ist die Heimat von Baradrim und seinen furchtlosen Gefährten, den Schattenreitern. Ein Held für das gebeutelte Volk, Helfer in der Not, Bekämpfer von Ungerechtigkeit und dem Schrecken der Nacht. Niemand weiß, wie Baradrim aussieht und auch seine Gefährten, die Schattenreiter, hat niemand jemals wirklich zu Gesicht bekommen.
Es könnte buchstäblich jeder sein. Sie verbergen ihre Gesichter hinter weißen Masken, reiten auf pechschwarzen Pferden durch die Nacht, immer auf der Jagd nach den Schergen des Herrschers von Malejska, und nehmen sich dabei der Bedrohung durch das Böse der Nacht in Form der Vampirfürsten und anderer Schrecken der Dunkelheit an. Baradrim und seine Kampfgefährten sind tapfere Männer, geschickte Fechter und mindestens zwei von ihnen beherrschen magische Kräfte, so erzählt es sich die Bevölkerung, welche diese Gruppe abgöttisch liebt und alles tun würde, um sie zu schützen.
Besonders dem Daradschir Rumani von Malejska sind die Schattenreiter und ihr Anführer ein großer Dorn im Auge. Er hat ein hohes Kopfgeld auf sie ausgesetzt, aber bisher ist es den mutigen Männern immer gelungen, jeder der aufgestellten Fallen zu entkommen und dem Landesfürst eine lange Nase zu ziehen.
Geradezu legendär ist die Auseinandersetzung Baradrims mit dem Vampirgrafen Boris Zafarey auf der Brücke von Ibrusk. Baradrim gelang es in diesem Duell, den Vampir zu verletzen und in die Flucht zu schlagen, bevor dieser eine Gruppe von Nonnen und Mönchen brutal abschlachten konnte. Seit diesem Zeitpunkt ist selbst die Kirche des Landes insgeheim aufseiten Baradrims und deckt seine Aktivitäten, wenn sie es verantworten kann. Aber wie schon zuvor gesagt, wie Baradrim aussehen mag, der Traum der Frauen von Malejska und gleichzeitiger Schrecken des Daradschir, weiß niemand.