Zwischenspiel – Teil 2

Lukrezias dunkle Braue war spöttisch emporgezogen und sie neigte den Kopf in den Nacken, um in Andrea Lucas Augen blicken zu können. Das Lächeln des Fürsten vertiefte sich noch, als er sich zu ihr hinab neigte, um ihre Lippen mit einem sanften Kuss zu verschließen, dann richtete er sich auf und bot ihr seinen Arm.
„Ich befürchte, dass ich Pascales Geschmack in dieser Hinsicht nicht teilen kann. Sie werden also zutiefst enttäuscht den Palazzo verlassen müssen.“
Ein amüsiertes Schnauben erklang aus der Richtung der einstigen Kurtisane, bevor sie sich an Andrea Lucas Seite begab, um mit ihm gemeinsam den Weg zu der Tür anzutreten, die sie auf jene Galerie hinausführen würde, die keiner von ihnen seit jenem schicksalshaften Tag betreten hatte. Ihr Herz schlug unangenehm laut und heftig, strafte ihre äußerliche Gelassenheit Lügen. Allein die Nähe des Mannes an ihrer Seite und die Maske, die sie vor den Blicken der Welt schützte, verliehen ihr die Selbstsicherheit, den Hyänen mit der Haltung einer Kurtisane entgegenzutreten, die nichts und niemanden fürchtete.
Das Stimmengewirr verstummte auf der Stelle, als sich die Tür der Galerie öffnete und der Fürst mit der Frau darauf erschien, die er sich zu seiner Gemahlin erwählt hatte. Alle Augen flogen empor und ein leises Raunen ging durch die Menge, als sich das Paar endlich der Öffentlichkeit zeigte. Nicht wenige fühlten sich unweigerlich an Pascale Santorini erinnert, als sie seinen Neffen zu Gesicht bekamen, dessen äußerliche Ähnlichkeit zu seinem Onkel nun noch stärker zutage trat. Beinahe wirkte es, als sei der Fürst von den Toten auferstanden, um sein Publikum erneut mit seinen Winkelzügen zu erfreuen.
Keine Spur war mehr von Unsicherheit zu erkennen, als der Fürst in stolzer Haltung nach vorne an das verzierte Geländer trat. Sein schlanker, muskulöser Körper wurde von den schwarzen Kleidern verhüllt, deren Schnitt demonstrierte, dass sie von einem der besten Schneider Porto di Fortunas stammen mussten. Die schwarze Maske, die sein Gesicht verbarg und nur sein Lächeln offen zeigte, war ohne jede Zier, verlieh ihm jedoch eine Aura von schnörkelloser Eleganz, die so manche Dame zu einem sehnsüchtigen Seufzen verleitete.
Die Frau an seiner Seite wurde von mitternachtsblauer Seide umhüllt, die das zarte Weiß ihrer Haut untermalte und unwillkürlich so manche Erinnerung an einen anderen Tag erweckte, an dem sie sich in der gleichen Farbe gezeigt hatte. Ihre schwarzen Locken fielen nur locker zusammengehalten über ihre nackten Schultern, die auf skandalöse Weise an die Kurtisane Lukrezia erinnerten, die sich schließlich als Ginevra Vestini entpuppt hatte.
Ein leises Flüstern setzte ein, verebbte jedoch sogleich, als Andrea Lucas Stimme fest und mit dem charmanten Unterton, den man von ihm kannte, über den Köpfen der Versammelten erklang.
„Meine verehrten Gäste, es erfreut mich, zu sehen, dass ihr so zahlreich erschienen seid, um meinem Ruf zu dieser Zerstreuung zu folgen. Ich hoffe, dass ihr hier genau das finden werdet, wonach es eure Herzen verlangt.“
Ein rätselhaftes Lächeln begleitete seine Worte und ließ ihre Bedeutung offen, als die Musik auf sein Zeichen wieder einsetzte und zum Tanz aufrief.