De Windlanden

Windmühlen und blühende Felder

Geprägt von Windmühlen, die das ebene Land entwässern und Deichen und Dünen, die es abhalten sollen, sind die Windlanden eine kleine Nation, die stetig gegen die Fluten ankämpfen muss. Doch wer davon darauf schließen möchte, dass hier ein hartes, unfreundliches Volk lebt, hat noch niemals in seinem Leben die Bekanntschaft der gastfreundlichen und fröhlichen Windlander gemacht.
Die Windlanden, von den Einheimischen korrekterweise De Windlanden genannt, sind ein flaches Land mit vielerlei Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten. Ein jeder, der jemals die riesigen Felder voller Blumen gesehen hat, gleichgültig ob es sich dabei um die großen Tulpenfelder handelt – schließlich ist diese Blume das Wahrzeichen der Nation – oder um Hyazinthen, Narzissen, Lilien oder Begonien, wird diesen Anblick niemals wieder vergessen.
Doch nicht nur die weiten Felder prägen das Bild dieser besonderen Nation. Die Städte mit den beinahe winzig wirkenden, aneinandergepressten Häusern und engen Gassen besitzen ein eigenes Flair und weisen sogleich darauf hin, dass dieses kleine, aus einer Hauptinsel und zwei kleinen Inseln bestehende Land, dicht besiedelt sein muss. Kanäle, hier als Grachten bezeichnet, die die Städte durchziehen, erinnern dabei an Terrano und insbesondere an Porto di Fortuna, obgleich de Windlanden die Hitze dieses Landes durch das sehr gemäßigte, oftmals windige Klima vermissen lassen.
Doch obgleich all das einen sehr malerischen Eindruck hinterlässt, brodelt es hinter den Kulissen. So ist Königin Saskia II., einstmals eine schöne Frau, deren Glanz mittlerweile verblasst ist, zu einer herrschsüchtigen und machtgierigen Furie geworden, die ihre Krallen nur zu gerne nach Mondiénne ausstrecken würde, um das für ihren Geschmack zu enge Gebiet der Windlanden zu erweitern. Heloise erscheint ihr dabei in ihrer Dekadenz und Verblendung ein gutes Ziel – und wie gerne würde sie ihren Sohn Nicolaas mit ihr vermählen, um sich Zugang zu dem Hof von Mondiénne zu verschaffen.
Doch Nicolaas hat anderes im Sinn, verabscheut er doch den Adel und seine Machenschaften und ist damit zur Führungspersönlichkeit einer Gruppe geworden, die nur zu gerne den Adel entmachtet am Boden liegen sehen möchte und ein Gegengewicht zu seiner Macht schaffen will. Die Anhänger Nicolaas‘ arbeiten insgeheim gegen die Monarchie und wiegeln das Volk gegen den Adel auf, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet. Bisher ist es der Gruppe gelungen, nicht als Organisation wahrgenommen zu werden und so besteht auch kein Grund zu der Annahme, Nicolaas sei etwas anderes, als der verzogene Sohn der Königin.
Momentan bewegen ohnehin ganz andere Sorgen den jungen Prinzen, denn seitdem König James von den Smaragdinseln die Hand seiner Schwester Sybilla ausgeschlagen hat – ein weiterer Plan der Königin, ihr Territorium auszudehnen, speziell im Hinblick auf den möglichen Besitz der von drei Nationen begehrten Insel Waelys, die sie als Hochzeitsgeschenk für Sybilla einforderte – hegt Saskia nur noch Verachtung für die Nation des Piratenkönigs. Es ist abzusehen, dass sich dieser Konflikt in der Zukunft enorm verschärfen könnte.
Doch all die Ränke, die das Königshaus momentan in Atem halten, dehnen sich kaum auf die Bevölkerung aus, die ihrem gemächlichen Leben fernab von den Intrigen des Adels nachgeht und dafür Sorge trägt, dass de Windlanden eine handels- und seefahrtsstarke Nation bleiben, deren Güter in ganz Terra Edea geschätzt werden. Denn de Windlanden sind auch eine Nation der Händler, die es mit dem Export der prächtigen Blumen des Landes und dem hoch geschätzten, aromatischen Käse, ebenso wie mit den anderen Gütern ihrer fruchtbaren Heimat zu einem beachtlichen Reichtum gebracht haben.
Bei aller Handelsstärke und Einigkeit in ihrem Auftreten sind de Windlanden jedoch religiös gesehen eine geteilte Nation. Es ist absehbar, dass der Streit um Edean und Edea einen Keil zwischen die traditionell geprägten Inseln und der eher den Lehren des Bruder Antonius zugetanen Hauptinsel treiben könnte – und das in sehr naher Zukunft. Insbesondere das Auftauchen des Predigers Joos van Delfen macht Königin Saskia dabei Sorgen, bildet sich doch um ihn herum eine Bewegung auf den Inseln, die eher seinen Lehren und Befehlen gehorcht, als den ihren. Besonders seine spitze, typisch delfener Zunge, die er gerne gegen Saskia selbst richtet, will der eitlen Königin dabei rein gar nicht gefallen.
Geografisch gesehen sind de Windlanden in eine große Hauptinsel bestehend aus drei Provinzen und zwei kleine Inseln geteilt, die im Folgenden näher vorgestellt werden sollen.

Ahrendam

Man sagt den Ahrendamern nach, dass ihre Vorfahren Piraten gewesen seien, die die Insel zu ihrem Eigen gemacht haben und so verwundert es nicht, dass sie noch heute als die Provinz der Seefahrer gilt. Alles in allem mag es in Ahrendam rauer zugehen, als in anderen Teilen der Windlanden, sind hier doch die Fischer ansässig, die das Land mit den Früchten des Meeres versorgen und damit ein wichtiges und stabiles Standbein für seinen Wohlstand bilden. Der Kampf gegen die Wassermassen mag die Ahrendamer geprägt haben und des Abends und des Nachts blüht das Leben in den Hafenkneipen der Hafenstädte, in denen sich so manche zwielichtige Gestalt herumtreibt.
Normalerweise neigen die Bewohner der Hauptinsel dazu, den Ahrendamern zu misstrauen und ihre Geldbörsen immer im Auge zu behalten, nervös nach goldenen Ohrringen bei den Männern und einem diebischen Funkeln in den Augen Ausschau halten, obgleich dies dem Großteil der Bevölkerung eindeutig Unrecht tut. Doch das Gerücht über das Piratenblut und die Seeräuber, die die Küsten des Landes unsicher machen, hält sich seit Generationen standhaft. Man neigt dazu, den Namen des berühmten ahrendamer Freibeuters Karel Janson ehrfürchtig und nur sehr leise in den Mund zu nehmen, sagt man ihm doch ein besonders scharfes Gehör und ein sehr exzentrisches Auftreten nach, wenn man auf die falsche Weise über ihn spricht – und wer weiß, in welcher Verkleidung er unterwegs sein mag?
Doch nicht nur die ahrendamer Bevölkerung wird mit Misstrauen behandelt, auch die Verwalterin der Provinz Franzisca de Veen muss mit dem Vorurteil leben, Piratenblut in den Adern zu tragen. Schließlich kommt ihr Geschäftssinn den meisten beinahe überirdisch vor, ein Grund, weswegen es dieser Provinz trotz der vielen Stürme, die über das Land fegen und Überschwemmungen nach sich ziehen, immer noch sehr gut geht. Franzisca versteht es, beinahe alles zu Gold zu machen und nur die wenigsten können dem zauberhaften Lächeln dieser charmanten, aber durchaus zwielichtigen Dame lange widerstehen, wenn sie ihnen in ihrer Residenz in der Hauptstadt Molendorp eine Audienz gewährt.

Bloemhaven

Bloemhaven wird oft als Blütenmeer bezeichnet und dieser Name ist keinesfalls unzutreffend, sind in dieser Gegend doch die üppigsten Blumenfelder zu finden, die de Windlanden zu bieten haben. Dies ist allerdings nicht das einzige hervorstechende Merkmal dieser Gegend, beherbergt diese Provinz zudem auch die Hauptstadt des Landes, Thuishaven, und damit den Herrschaftssitz der Königin Saskia van de Windlanden.
So ist Bloemhaven im Süden des Landes sicherlich der Mittelpunkt der Nation und Hauptsitz der Blumenhändler, die die Windlander Blumen in die ganze Welt exportieren. Von dieser Provinz und speziell von Thuishaven geht auch die Hysterie um die Tulpenzwiebeln aus, die das Land momentan in Aufruhr versetzt und die Tulpenzwiebeln beinahe so wertvoll wie Gold gemacht hat. Überall wetteifern die Gärtner und Blumenhändler nun darum, die wertvollste und seltenste, außergewöhnliche Tulpe zu züchten, die das Land jemals hervorgebracht hat und dies lässt das Leben jener Gärtner manchmal sehr gefährlich werden.
Aber auch sonst nennt man Bloemhaven oftmals den Garten des Landes und nirgends hat man wohl solch großartige Gärten von solcher Kunstfertigkeit gesehen, wie in dieser Provinz, in der die Gärtner gleichsam magische Fähigkeiten zu besitzen scheinen.
Bloemhaven ist sicherlich eine Reise wert, insbesondere, wenn man an die Pracht Thuishavens mit den unzähligen Grachten und den romantisch wirkenden Brücken denkt, die sie überspannen, den Blumen und Parks und all den anderen Dingen, die de Windlanden zu einem besonderen Ort machen.
Doch auch wenn diese Provinz idyllisch wirken mag, so lauert die Gefahr doch an allen Ecken, sobald Saskia ein Komplott gegen ihre Person wittert und nirgends kann man sich so sicher sein, dass ein falscher Schritt in das Verderben führen kann.
Und wenn die Dunkelheit über Thuishaven hereinbricht, treibt sich so manche düstere Gestalt sich in den engen Gassen herum, um die Aufträge eines adeligen Herren oder einer Dame zu erfüllen. Denn der Adel der Windlanden kann dem Adel Mondiénnes sicherlich in jeglicher Hinsicht das Wasser reichen.

Bruiksdorp

Ruhig und beschaulich ist es in Bruiksdorp, jener Provinz, die im Norden des Landes liegt, der gebirgigsten Gegend der sonst eher flachen Windlanden. Auch hier wird die Landwirtschaft groß geschrieben, obgleich diese ländlich anmutende Gegend eher für das blau-weiße Porzellan bekannt ist, das hier gebrannt und bemalt wird, bevor es in ganz Terra Edea benutzt wird.
Dekadenz ist hier ein Fremdwort und so mancher mag Bruiksdorp mit den adretten, weißen Spitzendeckchen auf den Tischen gar als langweilig bezeichnen, wäre da nicht die berühmte Bruiksdorper Küche, die immer wieder Besucher hierher lockt und im ganzen Land hoch gerühmt wird. Kuchen, Pasteten, ganz gleich was die Köche zu zaubern vermögen, man kann sich sicher sein, dass sie von großer Köstlichkeit sein werden.
Besonders die Hauptstadt Berghuisen ist das Heim einiger tadelloser Restaurants, aus denen man gerne die Köche abzuwerben versucht und in denen auch die Königin oftmals gefunden werden kann, wenn sie auf der Suche nach einem neuen Koch ist, der ihre Gäste mit den neusten Gaumenfreuden verwöhnen kann. Es verwundert also kaum, dass die Bruiksdorper oftmals von kräftigerer Gestalt sind, als die anderen Bewohner der Windlanden.
Dies trifft auch auf Grishilde van de Groot, die Verwalterin dieser Provinz zu, die nur zu gerne selbst ihre oftmals rötliche Nase in die neusten Kreationen steckt und persönlich dafür Sorge trägt, dass die Hauptstadt ihren guten Ruf behält. Grishilde ist Saskia stets treu ergeben und man kann damit rechnen, dass sie alle möglichen Vorkehrungen trifft, wenn die Königin anreist. Zu diesen Gelegenheiten steht oftmals ganz Bruiksdorp Kopf, um die nötigen Zutaten für ein ganz besonderes Rezept schnellstens herbeizuschaffen.

Daamsvalen

Daamsvalen ist eindeutig eine sehr wichtige Provinz im Herzen der Windlanden, leben hier doch die Bauern, die der Nation ihren Wohlstand ermöglichen, ebenso, wie viele der Händler, die sich durch ihr Geschick Reichtum und Namen erworben haben. So ist Daamsvalen sicherlich eine Provinz voller Gegensätze. Auf dem Lande leben die einfachen Leute und die Bauern, die Tag und Nacht schwer arbeiten und in den Städten sind die Händler zuhause, die dafür sorgen, dass der berühmte, würzige Daamsvaler Käse seinen Weg in alle anderen Länder Terra Edeas antritt.
Hier findet man die berühmten Käsemärkte, die immer wieder Besucher anziehen und mit allerlei Köstlichkeiten locken, jedoch auch die großen Obst- und Gemüsemärkte, die dem Interessierten Abhilfe gegen seinen hungrigen Magen bieten. Doch auch sonst sind die Städte mit ihren Grachten sicherlich einen Besuch wert. Dort pulsiert das Leben und man findet alles, was das Herz begehren könnte – Güter aus aller Herren Länder, die hierher importiert worden sind, Schänken und Gasthäuser, die Ruhe und Einkehr oder auch Aufregung zu bieten haben.
Hier sieht man viele Besucher aus fremden Ländern oder aber Fremde, die sich in Daamsvalen niedergelassen haben. Besonders Marabeshiten sind in dieser Provinz zuhause und mischen sich unter die Windlander, als seien sie ein Teil von ihnen.
Dies ist sicherlich auch einer der Gründe dafür, dass diese Provinz so offen für Besucher anderer Länder wirkt. Wenn es irgendetwas gibt, das man in dem Rest der Windlanden vergebens gesucht hat, so findet man es in Daamsvalen mit Sicherheit. Es ist nicht verwunderlich, dass man den Daamsvalern auch einen gewissen Hang zur Sünde und Zügellosigkeit zuschreibt. Nicht umsonst ist dies der Ort, an dem man sogar marabeshitische Badehäuser zu finden vermag, oder aber Einrichtungen, die mit Massagen von den Dracheninseln aufwarten.
Verwaltet wird Daamsvalen von Henrik Devries, einem Mann, der durch sein Geschick im Handel und die vielen Expeditionen zur Erforschung fremder Länder, die in seinem Namen gemacht worden sind, zu einiger Bekanntheit gelangt ist. Er regiert von der Hauptstadt Brugdal aus und neigt dazu, immer nach neuen Handelspartnern aus aller Welt zu suchen, um den Ruf Daamsvalens als den Ort, an dem man alles bekommen kann, zu stärken.

Delfen

Delfen, auch als die Hochburg der Spottsüchtigen bekannt, ist vor allem für seine Dichter und Denker berühmt geworden. So haben hier bekannte Philosophen und Dichter ihr Unwesen getrieben und die Provinz ist mehr als stolz auf diese Tatsache und die brillanten Köpfe, die sie hervorgebracht hat. Schon immer wurden die Künste hier besonders groß geschrieben und so verwundert es nicht, dass auch die Delfer Maler langsam aber sicher die Meister der Terrano mit ihrem neuen Stil abzulösen drohen. Eine Tatsache, die den Terrano natürlich rein gar nicht gefällt und die gerne immer wieder von den Delfer Lästermäulern aufgegriffen wird, wenn ein Gast aus dem südlichen Lande die Insel besucht.
In Delfen wird die Fechtkunst mit Leidenschaft betrieben und es gibt bewundernswerte Waffenschmieden – was in diesem Falle natürlich den Toregen nicht zusagt. Alles in allem ist es hier kein seltener Anblick, dass ein Jüngling seiner angebeteten Herzensdame ein rührendes Gedicht vorträgt, von ihrem Ehemann erwischt wird, diesen mit einigem Spott bedenkt und dann schnellstens fliehen – oder sich einem Duell stellen muss.
Delfen ist jedoch mehr als nur eine Provinz voller Künstler – es ist auch die Heimat des Predigers Joos van Delfen, der ebenfalls die spitze Zunge und noch spitzere Feder der Delfer besitzt und der zu Saskias erbittertem Konkurrenten um die Herrschaft des Landes geworden ist. Nur allzu schnell könnten sich Delfen und Ahrendam, die beiden Inseln, von den Windlanden abspalten und ihre eigenen Wege gehen.
Die Dichter und Denker dieser Provinz verhelfen Joos nur zu gerne dazu und die Ahrendamer waren durch ihre Vorfahren ohnehin schon immer Freigeister, die mit der Monarchie nicht allzu viel anzufangen wussten. Gute Voraussetzungen für den Prediger, der mittlerweile von dem Volk weitaus mehr verehrt wird, als die Königin selbst und in Delfen dem von der Königin eingesetzten Verwalter Koenrad Devoss in der Hauptstadt Aalsver erhebliche Konkurrenz macht.