Die Magie der Blumen

Manch eifersüchtiger Gärtner mag gemunkelt haben, dass die Blumenpracht der Windlanden nicht allein auf natürlichem Wege entstanden sein kann, doch die meisten würden nicht einmal vermuten, wie nahe sie dabei der Wahrheit gekommen sind. Denn in der Tat sind die Windlander mit den Blumen weitaus näher verbunden, als es ein gewöhnlicher Gärtner jemals sein könnte.
Für die Windlander steckt in den Blumen Magie, Magie, die durch ihre eigenen Adern fließt und sie die gewaltige Blütenpracht des Landes, sowie die wunderschönen Gärten hervorbringen lässt, die andere in Erstaunen versetzen.
So kann es in den Windlanden durchaus geschehen, dass ein magiebegabter Charmeur durch ein gemurmeltes Wort und das Zerreiben eines Rosenblattes einen wahren Regen der Königin der Blumen auf seine Angebetete herabregnen lässt. Ein Dieb mag vielleicht den Samen einer rankenden Pflanze in den Boden graben und diese in Windeseile heranwachsen lassen und ein Assassine vermag es vielleicht sogar, durch das Pflanzen einer giftigen Blume sein Opfer zu schwächen und es zu töten, wenn er sich der dunklen Kräfte bedient, die jeder Magie innewohnen. Die Kraft eines Baumes mag eine Familie so lange schützen, bis er gefällt wird und man flüstert sogar von einem mächtigen Magier, der auf diese Weise zu Unsterblichkeit gelangt sein soll.
Bei der Magie der Blumen und der Pflanzen gibt es zweierlei Methoden, sie einzusetzen. Dabei besteht die Schwächere darin, mit den Blättern und Blüten zu arbeiten, die jeweils eine eigene Wirkung besitzen und damit bei den damit Konfrontierten Gefühle und körperliche Zustände hervorzurufen. Diese Zauber halten für gewöhnlich nicht lange an und können nicht dauerhaft schaden, wohl aber vorübergehend schwächen oder ein Gefühl hervorrufen. Sie können täuschen, Illusionen heraufbeschwören, jedoch niemals von langer Dauer sein.
Die starke Art dieser Magie jedoch ist weitaus gefährlicher und nicht einfach zu wirken, muss man dazu doch einen Teil seiner selbst geben und dabei die Gefahr eingehen, dass ein Zauber, in böser Absicht gewirkt, auf den Wirker selbst zurückfällt und Spuren an ihm hinterlässt.
So gibt der Wirker einen Tropfen seines Blutes und ein Haar oder etwas anderes, persönliches seines Zieles in den Zauber hinein, wenn er die entsprechende Pflanze setzt. Ein guter Zauber mag ihm dabei Glück bringen und sich positiv auswirken, ein böser jedoch, kann das eigene Leben zerstören. So redet man noch immer voller Furcht von der schwarzen Witwe, jener Magierin, die ihre Ehemänner durch das Pflanzen der schwarzen Tulpe, des Symbols des Todes, langsam sterben ließ und die dabei ihre eigene Schönheit einbüßte, bis sie sich nur noch mit einem schwarzen Schleier bedeckt unter die Menschen wagen konnte. Immer stärker wurde mit jeder Tat der Wahnsinn in ihr, bis sie sich schließlich vom Turm der Kathedrale von Thuishaven stürzte. Magie besitzt stets ihren Preis. Diese Geschichte ist der beste Beweis dafür.