Die Smaragdinseln

Die grünen Inseln

Das saftige Grün ihrer sanften Hügel hat den Smaragdinseln ihren Namen gegeben. Jene Hügel bilden stets einen atemberaubenden Anblick, wenn das Licht der Sonne auf sie fällt und sie wie Smaragde leuchten lässt. Sonne ist hier jedoch keineswegs an der Tagesordnung, denn es regnet recht oft, was in der Folge allerdings ein fruchtbares Land entstehen lässt.
Jede der drei Inseln wird von einem eigenen Staatsoberhaupt regiert. Trotzdem sind die Könige der Smaragdinseln dazu verpflichtet, stets gemeinsam zu entscheiden, wenn es um Angelegenheiten geht, die die komplette Inselgruppe betreffen. Zu diesen Gelegenheiten wird in jedem Jahr ein Rat auf einer der Inseln abgehalten, zu dem alle Staatsoberhäupter anreisen müssen.
Zu dieser etwas unfreiwilligen Zusammenarbeit sind bereits ihre Vorväter durch Eilidh, die Mutter der Inseln, verpflichtet worden, die als eine Verkörperung Edeas angesehen wird. Andere Länder, allen voran Torego und Terrano, mögen zwar die Nase darüber rümpfen, doch was kümmert dies die Bewohner der Smaragdinseln, die wenig mit den Südländern und ihren religiösen Vorstellungen zu schaffen haben?
Die Smaragdinseln sind ein hochgradig magisches Land, dessen Bewohner im Einklang mit der Natur und ihren vielfältigen Lebensformen leben. Natürlich ist dies in einigen Teilen der Insel stärker ausgeprägt als in anderen, die moderner sind. So ist Alviona als die größte der Inseln eher der Weltlichkeit zugetan, während Eireann und die Highlands weniger modern veranlagt sind und sich den Geistern der Natur und dem Feenvolk näher fühlen.
Jede der drei Inseln verfügt über Eigenheiten, die sie deutlich von den beiden anderen unterscheidet und ihre Bewohner sind stolz darauf. Dass die Inseln vereinigt sind, bedeutet schließlich noch lange nicht, dass man jegliche Differenzen einfach unter den Teppich kehrt. Ein Eire mag durchaus wegen der unterschiedlichen Lebensanschauungen mit einem Alvioner aneinandergeraten oder andere Ansichten vertreten als ein Bewohner der Highlands.

Alviona

Die Insel Alviona ist die am nördlichsten gelegene Insel und weitaus stärker mit den restlichen Ländern Terra Edeas verbunden, als die anderen Smaragdinseln. Hier ist man offen für die restliche Welt, verstrickt sich in ihre Ränkespiele und politischen Intrigen, liebt den Fortschritt und gibt sich weltgewandt und modern.
Dies mag momentan auch an dem König der Insel, James IV. von Alviona liegen, der als Freibeuterkönig bekannt geworden ist. James ist ein junger, lebensfroher, aber auch sehr unberechenbarer Freigeist, der mit seinem Schiff, der King’s Folly, die Weltmeere auf eigene Faust erkundet hat und dies noch immer gerne tut. Die Regierungsgeschäfte liegen zu diesen Zeiten in den Händen seiner Berater. Es ist beinahe unnötig zu erwähnen, dass der verwegene, junge König das Ziel einiger romantisch interessierter Damen ist.
Er hat großen Wert auf eine eigene Marine gelegt, die im Rest Terra Edeas eher als halsabschneiderische Piraten verschrien ist. Man nennt sie hinter vorgehaltener Hand James’ Freibeuter und dieser Name ist durchaus zutreffend. Dies mag jedoch auch daran liegen, dass die Marine aus jungen, wagemutigen Männern besteht, die mit ihren unkonventionellen Methoden so manchen alteingesessenen Seebären zum Staunen bringen. Leider neigen sie auch dazu, die Schatzkammern fremder Länder zu plündern und sich hitzige Gefechte mit anderen Schiffen zu liefern, achten dabei meist nicht darauf, ob es sich bei der Besatzung des gegnerischen Schiffes auch tatsächlich um die Piraten handelt, vor denen sie die Küsten des Landes eigentlich schützen sollten.
Es ist müßig zu erwähnen, dass diese Tatsache James schon des Öfteren Ärger mit den Oberhäuptern der anderen Länder eingebracht hat und so führt dies oftmals zu Scheinhinrichtungen seiner Männer, um das Gesicht wahren zu können.
James hat die Maskerade des zerknirschten, jungen Königs mittlerweile perfektioniert und wickelt mit seinem Charme gerne die Repräsentanten der anderen Nationen um den Finger, doch es ist ein gefährliches Spiel, das schnell in sein Gegenteil umschlagen kann.
Die Hauptstadt Charlaine ist lebendiger, sagenumwobener Ort, an dem sich die Welt der Magie und die Moderne zu einer betörenden Einheit verbinden. Insbesondere das prächtige Schloss Stormhaven, das einst von der Märchenkönigin Abrianna erbaut worden ist, erinnert an eine Zeit, in der Menschen und Feen nebeneinander gelebt haben.
Es ist kein Wunder, dass man hier nur zu gerne Geschichten über die Wesen der Anderswelt erzählt und in ihrem Vermächtnis schwelgt. Besonders gerne hört man zudem die gruseligen Geschichten alter Schlossgespenster, die in den Ruinen uralter Schlösser und Festungen ihr Unwesen treiben – oder auch in so manchem Adelshaus. Jede Familie, die etwas auf sich hält, besitzt zumindest einen Hausgeist, der sie häufig heimsucht und von dessen Vergangenheit und neuen Schandtaten man mit Vorliebe berichtet. Es mag den Bewohnern der anderen Länder zwar hochgradig suspekt erscheinen, doch in Alviona gehören diese Dinge einfach zum guten Ton.
Sehr beliebt sind auch die Theaterschreiber, deren Stücke in den Theatern der Stadt aufgeführt werden oder Poeten, die ihre oft dramatischen Geschichten unter dem Volk verbreiten.
James umgibt sich bei Hofe außerdem mit seinem Ritterorden, der zwar ein wenig edler wirkt, als die Freibeuter, dabei jedoch ebenso wagemutig und verwegen ist. In den Reihen der Ritter widmet man sich in seiner Freizeit, wenn es nicht gerade um Fechtübungen geht, zu gerne auch der Kunst der höfischen Liebe, was den Dichtern perfekten Stoff für ihre Dramen liefert.

Eireann

Eireann mag ein wenig rückständig erscheinen, wenn man das Land mit Alviona vergleicht, doch dieser Eindruck täuscht. Die Bewohner dieser Insel sind sich einfach ein wenig mehr ihrer Umwelt und der in ihr wohnenden Magie bewusst als die Alvioner und leben im Einklang mit den Bergen und den Seen, den Tälern und den Wäldern ihrer Insel.
Dies ist ein Land, in dem noch die alten Legenden und Mythen am Leben sind und in dem man den alten Wegen folgt. Keine wahre Königin steht an der Spitze, denn traditionell wird diese Position von der Hohepriesterin Eilidhs eingenommen, die den Wegen der Mutter der Welt folgt und ihrem Volk sowohl geistigen Beistand als auch weltliche Hilfe zu geben vermag. Die momentane Hohepriesterin, nach außen als Königin Branwen bekannt, um die anderen Nationen nicht unnötig herauszufordern, ist eine weise Frau in den mittleren Jahren, die sich ihre Schönheit und Ausstrahlung bewahrt hat und ihr Volk gerecht und voller Hingabe anleitet. Sie wird von einem Kreis von zwölf Rittern bei Tag und Nacht geschützt, die jederzeit ihr Leben für sie geben würden. Gemeinhin wird ihr sowohl von König James als auch von Duncan MacDonegal eine gewisse Weltfremdheit vorgeworfen, da sie sich zu sehr auf ihr eigenes Land konzentriert und den Blick selten in die Ferne schweifen lässt. Da beide Männer nicht über die Elemente gebieten können, ist ihnen schließlich auch die Macht dieser Frau fremd, die die Magie der Inseln in ihrem Blut trägt.
Eireann verfügt über die mächtigsten Magier der Smaragdinseln, da das Volk die Strömungen der Magie und auch die Bewohner der Feenwelt deutlich wahrnehmen können. Sie sind sich wie kein anderer der Existenz der Feenwelt neben ihrer eigenen bewusst. Manch einer von ihnen ist sogar dazu in der Lage, in diese Welt hinüberzuwechseln, die sich in jedem Hügel oder inmitten eines Steinrings verbergen kann. Nicht jeder tut dies aus freien Stücken, doch es geschieht, wenn es von den Feen gewünscht wird.
Die Eiren sind jedoch trotzdem ein bodenständiges, einfaches Volk, das gesellig und lebensfroh ist, seiner täglichen Arbeit nachgeht und an den Abenden gerne zusammensitzt.
Das Leben auf der Insel könnte idyllisch und friedlich sein, gäbe es da nicht eine ganze Reihe von Gelehrten, die den Lehren des Bruder Antonius folgt und nur zu gerne die Hohepriesterin von ihrem Thron vertreiben würde. Für eine lange Zeit war dies nicht als ernst zu nehmendes Problem zu sehen, doch mittlerweile gibt es immer mehr Stimmen gegen Branwen, die vor allem von den jungen Männern Eireanns ausgehen.

Die Highlands

Die mittige Insel ist unter keinem anderen Namen als nur als „Die Highlands“ bekannt und wird von einem recht hitzköpfigem Volk bewohnt, das weder die harte Arbeit, noch das faire Gefecht scheut. Die Hochländer sind ein traditionsbewusstes, kriegerisches Volk, dessen Adel in Clans organisiert ist, wobei der herrschende Clan im Augenblick der Clan MacDonegal ist, dem Duncan MacDonegal, der König der Highlands, entstammt.
Duncan ist ein aufbrausender Mann, dessen braunes Haar ebenso von grauen Strähnen durchzogen wird, wie sein Bart und der ein Auge auf den Thron von Alviona geworfen hat. Der König der Highlands hält wenig von dem jungen König James, den er nur zu gerne als einen Schwächling oder launenhaften Gecken bezeichnet.
Anders als in Eireann ist man hier ein wenig weltlicher und weniger magieverbunden, sogar misstrauisch gegenüber allen Formen der Magie und der Feenwelt. Dafür aber im Kampf bewandert und von einem familieneigenen Kodex beherrscht. Die Clans verehren ihre Krieger, die als Helden im Kampf gefallen sind, und bekriegen sich gerne untereinander, um in Übung zu bleiben, sei es nun in Wettbewerben oder auch in ernsteren Familienfehden.
Obwohl sich die Männer der Clans gerne im traditionellen Kilt in den Familienfarben zeigen, würde keiner jemals ihre Männlichkeit in Zweifel ziehen.
Auch die Frauen kleiden sich stolz in den karierten Stoff ihrer Familie und sind praktisch veranlagt, aber keineswegs so ablehnend wie die Männer, wenn es darum geht, mit den Naturgeistern zu kommunizieren und diese milder zu stimmen. Dies geschieht jedoch mit gewissen Vorbehalten und Abstand. Anstatt selbst in ihre Welt einzutreten, lassen sie sie an ihrem Leben teilhaben und decken bei Tisch für sie mit oder lassen in der Nacht etwas für die Kobolde stehen, um ihren Ärger nicht herauszufordern.
Jedes Jahr werden in der Hauptstadt Baird die großen Festspiele der Hochlande abgehalten und dann kommen alle Bewohner der Smaragdinseln zusammen, um gegeneinander in den vielfältigen Wettbewerben anzutreten, sei es auf kriegerische Weise oder um ihr Geschick zu demonstrieren. Hier findet zudem noch immer ein Wettstreit der Barden statt, der an alte Traditionen anknüpft, an denen in den Hochlanden immer festgehalten wird.