~ Die Edeakirche ~
chon seit Urzeiten verehrt man Edea, die Mutter alles Lebens auf Terra
Edea als einzige Göttin, seitdem die Menschen sich unter der Führung der
Edeaner von den alten Göttern der Tiberer abgewandt haben, um durch sie die
Erleuchtung zu erfahren.
Edea gilt als Schöpferin Terra Edeas, die laut der mythologischen
Urgeschichte die Weltmeere aus ihren Tränen um ihre von dem alten
tiberianischen Gott Marxus getötete Tochter Amirana und ihren Sohn Milian füllte
und aus ihrer Trauer heraus die Welt und die ersten Menschen darin nach dem
Ebenbild ihrer Kinder formte, um sie niemals zu vergessen. Dies hat dazu geführt,
daß noch heute besonders schön anzusehende Kinder als ‚nach dem Ebenbild
Amiranas oder Milians‘ geformt gelten.
Mit der Zeit bildeten sich aus den Tempeln, die man ihr zu Ehren errichtete,
die Kirchen heraus, die man immer größer und prachtvoller gestaltete, um dem
Himmel und somit auch Edea selbst näherzukommen und der großen Mutter ein
Haus zu bieten, das den Respekt und die Liebe zu ihr zeigen sollte und in dem
alle ihre Kinder Platz haben sollten, wenn sie sie aufsuchen wollten.
So war der Glaube an Edea immer das, was die Menschen aller Völker
miteinander verband und ihnen den Glauben gab, daß irgendwo eine Göttin
existierte, die sie für alle Zeiten schützen würde, wenn sie sie um Hilfe
ersuchten.
So wurde Edea für viele Jahre verehrt und ihre Priesterschaft wurde von allen
Völkern respektiert, bis schließlich im Jahre 1225 ein Spalt durch die
Kirche lief und sie in zwei Lager teilte. Bruder Antonius, ein Mönch von
hohem Stande, berichtete seinen Brüdern, er habe eine Vision erlebt, in der
Edea selbst ihm erschienen sei. Doch Edea war keine Frau, nein, sie offenbarte
sich ihm in ihrer wahren Gestalt, Edean, dem Vater allen Lebens, der ihm davon
berichtete, wie verblendet die Menschen seien, die jahrelang einer Lüge
geglaubt hatten. Edea existierte nicht, denn wie konnte ein Gott über alle
Menschen die Gestalt einer Frau besitzen?
So gibt es bis heute, in das Jahr 1592 hinein, den immerwährenden Streit
zwischen beiden Lagern, der ganze Nationen geteilt hat und nun dazu geführt
hat, daß es innerhalb der Kirche das Lager der Gläubigen des großen Vaters
und die Edeaner gibt, die beide auf ihrem Glauben beharren und sich nicht
einigen können.
Natürlich fanden die Gläubigen des großen Vaters besonders unter Männern
einen regen Zuspruch, was nicht verwundert, wenn man sich überlegt, daß
Frauen lange Zeit ohnehin keine rechte Macht besaßen. Erst in der letzten
Zeit sind die Edeaner wieder eher auf dem Vormarsch, da das Weltbild in einem
steten Wandel ist und Religionsphilosophen und Wissenschaftler sich daran
gemacht haben, die Tagebücher des Bruder Antonius und seine anderen Werke ein
wenig genauer zu untersuchen, um herauszufinden, welcher Art seine Vision
wirklich gewesen ist oder ob Terra Edea einer großen Lüge aufgesessen ist,
die von Sarxtor, dem Hüter der Hölle in das Herz des Mönches gestreut
worden ist, um Unfrieden zu stiften.
Lediglich die Bewohner des Kontinents Khalidea und die Dracheninseln konnten sich von diesem Streit fernhalten, da
die Khalideer die Göttin Sarmadee verehren, die den Menschen die Heilkunst
gebracht hat und deren Priesterinnen beinahe wundertätige Heilerinnen sind,
denen man nahezu magische Kräfte zuschreibt. Niemand käme hier jemals auf
die Idee, Sarmadee anzuzweifeln und ihr eine männliche Gestalt zuzuschreiben,
denn sie war seit jeher die Göttin allen Lebens und dies wird sich niemals ändern.
Durch die recht ähnliche Mythologie, die sich um Sarmadee dreht, geht man
davon aus, daß in ihr Edea unter einem anderen Namen verehrt wird und sie den
Marabeshiten die Heilkunst gewährt hat, da diese immer bedingungslos an ihrer
Seite standen.
Neben Edea selbst, werden in ihrer Kirche noch einige Heilige verehrt, denen
man Wundertaten zuschreibt und zu deren Ehre man Kirchen errichtet, während
es außerdem noch Edeas Engel gibt, von denen die 12 großen Erzengel alle ein
besonderes Gebiet zugeschrieben bekommen, auf dem sie tätig sind, um der großen
Mutter bei ihrer Aufgabe zu helfen.
Die Kirche Edeas ist in ihrer Organisation in mehrere Ämter und Positionen
aufgeteilt, durch die sich sehr ehrgeizige Priester gerne nach oben arbeiten.
Mittlerweile ist sie ein wenig in Verruf gekommen, daß man die
Prachtentfaltung, die durch die Spenden der Gläubigen betrieben wird und die
nicht mehr Edea selbst, sondern der Priesterschaft dient, als eher negativ
empfindet und es langsam so aussieht, als wirtschafteten sich die Kirchenoberhäupter
das fließende Gold in ihre eigenen Taschen, um für ihren persönlichen Luxus
zu sorgen, anstatt sich um das geistige Wohl ihrer Gläubigen zu kümmern.