~ Die Vampire Malejskas ~
eit Hunderten von Jahren existieren sie in Malejska, die Herren der
Dunkelheit und des Schreckens, die Vampire. Mächtige Wesen, die in der Nacht
aus ihren Särgen steigen und auf die Jagd nach dem Blut der Lebenden gehen.
Sie überziehen Malejska mit Angst und Terror, niemand scheint vor ihnen
sicher zu sein, selbst die Mächtigen des Reiches nicht, außer dem Daradschir
Rumani. Aber was macht einen Vampir aus? Was für Kräfte besitzt er und wie
kann so ein Wesen existieren? Und woher kommen sie?
Die Existenz der Vampire ist vor etwa 600 Jahren in Anatolja bekannt geworden.
Zu dieser Zeit lebte der junge Adlige Victor Serban im damaligen Girkutsk. Er
war ein hervorragender Feldherr und führte die unter seiner Führung
vereinten Armeen von Anatolja gegen die Falkenländer siegreich in den Krieg.
Zahlenmäßig war die anatoljanische Armee den Falkenländern unterlegen.
Victor machte dieses Manko aber mit seiner überlegenen Strategie und seinem
persönlichen Mut wieder wett und die Falkenländer wurden in ihr Reich zurückgetrieben.
Als er ruhmreich mit seinen Soldaten zurückkehrte, wurde er schon sehnsüchtig
von seiner Verlobten erwartet. Sie heirateten und wurden ein glückliches
Paar. Victors Frau wurde schwanger und er war der glücklichste Mann auf ganz
Edea, bis zu dem Tag, an dem seine Frau das Kind gebar. Er wartete viele
Stunden, als das Schreien seiner Frau verstummte, überkam ihn ein merkwürdiges
Gefühl.
Die Heilerinnen und Hebammen traten aus dem Zimmer, ihre Gesichter
niedergeschlagen. Victor betrat den Raum und erstarrte. Seine Frau und das
Kind, ein Sohn, hatten die Geburt nicht überlebt. Weinend brach er am Bett
zusammen und in seiner Wut und seiner Trauer entsagte der Kirche, entsagte
Edea, entsagte seinem Glauben, in dessen Namen er in die Schlachten gezogen
war. Wahrlich, dies war ein grausamer Tag, aber grausamer war die Strafe
Edeas.
Victor wurde wahnsinnig vor Hass, er zog sein Schwert und begann ein
wahres Blutbad unter seinen Dienern und Untergebenen. Er lachte als er die
Unschuldigen tötete und gleichzeitig liefen die Tränen seiner Trauer die
Wangen hinab. Bis spät in die Nacht hatte er alle getötet, die nicht in der
Lage waren, von seinem Schloss zu fliehen. Er badete in dem Blut der Toten,
schließlich trank er es in vollen Zügen, sein schönes Gesicht
blutverschmiert.
Dies war der Zeitpunkt an dem ihn Edeas Zorn richtig traf.
Wie vom Blitz getroffen, fiel der Wahnsinnige zu Boden, sein Herz schlug immer
langsamer, bis es aufhörte in seiner Brust zu schlagen. Victor Serban starb,
nur um bei Mitternacht wieder zu erwachen. Sein Herz war ruhig, seine Haut
bleich wie der Tod persönlich. Großvater Tod stand vor ihm und weinte eine
Träne des Mitleides für den einstmals tapferen und beliebten Fürsten. Er
schüttelte den Kopf und sprach: „Nein Victor, Du darfst nicht in das Land
jenseits des Todes. Auf ewig bist Du verflucht zwischen Leben und Tod zu
wandeln und Dich vom Blut der Unschuldigen zu ernähren. Leb wohl, wir werden
uns nie wiedersehen.“
Victor lachte, es war ihm gleich. Er spürte unbändige
Kraft in sich, er war stärker als zehn Männer. „Nein, Großvater Tod, ich
freue mich auf dieses neue Leben. Edea soll zum Teufel gehen, ich bin wie ein
Gott, ihr gleichgestellt, Herr über Leben und Tod und schrecklich wird meine
Rache sein. Sie hat mir meine Frau genommen, meinen Sohn, deshalb werde ich
ihre Kinder nehmen und sie zu meinesgleichen machen. Dies ist der Fluch, dies
ist mein Fluch, mein Geschenk an die Menschen!“
Großvater Tod schüttelte
nur schweigend den Kopf, eine weitere Träne vergießend für den nun untoten
Victor. Dann war Victor alleine und er begann eine wahre Schreckensherrschaft.
Nachts wanderte er umher, stahl das Blut aus den Körpern der Menschen indem
er sie mit spitzen Zähnen in den Hals biss und sich an ihnen labte. Viele
Jahre zogen ins Land und Victor wurde immer mächtiger. Er entdeckte, dass er
mit zunehmenden Alter weitere Kräfte erlangte und weniger Blut benötigte als
zu Beginn seines neuen Daseins. Sein Körper alterte nicht, er war schön wie
eh und je.
Aber in seinem Herzen wuchs die Trauer. Seine Seele war auf ewig
verloren und niemals würde er seine geliebte Frau Anastasia wiedersehen, dass
Jenseits war ihm versagt. So zog er sich zurück in sein Schloss für viele
Jahre und schlief, derweil waren einige seiner früheren Opfer, die er nicht gänzlich
ausgesaugt hatte, zu seinesgleichen geworden.
Es gab nun zwölf weitere
Vampire. Allesamt wunderschön anzuschauen, mit Kräften ausgestattet, die an
Magie grenzten. Nun da ihr Erschaffer nicht mehr unter ihnen zu weilen schien,
suchten sie sich ein neues Gebiet für ihre Aktivitäten. Das Land Malejska,
wo sie dank ihrer Kräfte schnell an Einfluss gewannen, Machtpositionen
erhielten und einer von Ihnen zum neuen Daradschir wurde. Romani, heutiger
Herrscher von Malejska.
Er regiert das Land mit Grausamkeit und Terror. Er fürchtet
niemanden, außer die Heimtücke seiner Artgenossen, die ihm zwar die Treue
geschworen hatten aber er war immer ein misstrauischer Zeitgenosse. Seine
Geheimpolizei berichtete ihm eines Tages von blutleeren Körpern, zweien an
der Zahl, in der Provinz Gorobjinsk. Er wurde stutzig, schließlich stammten
sie alle aus diesem Landteil von Anatolja. Es konnte nur eines bedeuten,
Victor war nicht tot.
Nun warten die Vampirfürsten von Malejska auf ihren
einstigen Erschaffer, nicht gewillt ihm zu gehorchen, nein im Gegenteil, nur
darauf bedacht, ihn zu vernichten und jeden der an seiner Seite kämpft. Die
Schrecken der Nacht würden untereinander Krieg führen und keine Gnade
zeigen.
~ Die Kräfte und Fähigkeiten der Vampire ~
Vampire sind nicht wie die Menschen auf Edea. Es gibt nur sehr wenige von
ihnen, da sie ihre Macht für sich behalten wollen. Sie fühlen sich wie Götter
unter den schwachen Sterblichen und genießen dieses Gefühl.
Ein Vampir
altert nicht, er sieht jung und stark aus, verführerisch und von großem Reiz
auf das andere Geschlecht. Kaum jemand, der den Verführungskünsten eines
Vampirs etwas entgegen zu setzen hat. Das Handeln eines Vampirs ist von großer
Lust und Leidenschaft geprägt. Der Durst nach Blut kann teilweise nebensächlich
werden, wenn ein Vampir einen Menschen findet, der ihn reizt.
Der Blick ist
von großer hypnotischer Kraft, die Stimme angenehm klingend und die
allgemeine Erscheinung sinnlich und vielversprechend für den, der einen
Vampir erblickt, jedenfalls solange bis der Blutsauger sein wahres Wesen
zeigt, die spitzen oberen Eckzähne sichtbar werden und sich ins Fleisch des
Opfers schlagen um das Blut aus den Adern zu saugen.
Der Fluch von Victor
Serban hat die Vampire aber noch mit einigen anderen Kräften ausgestattet.
Ein Vampir ist schneller als ein Mensch, er ist stark wie ein Dutzend gesunder
Männer und je älter ein Vampir ist, desto stärker wird er. Vampire können
mit ihren Händen Eisenstangen mühelos verbiegen und das mit einem Lächeln
auf den kalten Lippen.
Normale Waffen können einen Vampir nicht töten aber
verletzen, wie einer der Vampirfürsten vor einiger Zeit feststellen musste
als er gegen Baradrim kämpfte. Die Wunden heilen schnell aber der Schmerz
kann einen Vampir rasend machen.
Getötet werden kann ein Vampir nur durch
Feuer oder der Enthauptung mit einem silbernen, gesegneten Schwert oder durch
einen anderen Vampir. Heilige Symbole, präsentiert von einem wahrhaftig Gläubigen
Edeas vertreibt einen Vampir, ebenso das Licht der Sonne, welches ihnen viele
ihrer Kräfte raubt und sie zwingt, in ihren Sarg zurückzukehren.
Vampire
sind Herr über die Gedanken, sie können sie lesen und beeinflussen, wenn sie
sich auf jemanden konzentrieren. Die Beeinflussung von Tieren die in der Nacht
aktiv sind, wie Wölfe oder Fledermäuse und Eulen gehört ebenso zu ihrem
beeindruckenden Arsenal an Fähigkeiten. Aber ihre beiden größten Kräfte
sind die Macht über die Schatten und die Fähigkeit des Fliegens.
Sie können
mit den Schatten verschmelzen in der Nacht und sind nicht mehr zu sehen, sie
selber aber sehen Alles, selbst in totaler Finsternis. Und wenn Ihr jetzt noch
immer mutig genug seid, dann betretet das Schloss Victor Serbans und wir
werden sehen, ob Ihr sein Abendmahl werdet...