~ Das Land der Märchen ~
"Und so schritt sie hinaus in die neue Sonne des Tages, ließ ihren
Blick über die grünen Weinberge gleiten, betrachtete für einen Moment die
Schiffe, die über den Klarwasser segelten, weit in die Ferne, hinaus aus
Falkenland, jenem märchenhaften Reich mit seinen dunklen Wäldern und seinen
verzauberten Seen, den uralten Geheimnissen und den mythischen Wesen, die
darin hausten und über deren Existenz sich die wenigen wirklich bewusst
waren. Doch Helena wusste um sie und sie würde ihr Versprechen niemals
brechen. Aber bevor sie zurückkehrte, war es Zeit, nach den verzauberten
Gestalten der anderen Nationen zu suchen und ihre Geschichte in ihr großes,
ledergebundenes Buch einzutragen, auf das sie niemals vergessen würden.
Schließlich war sie selbst eine davon."
- Drachenblut -
alkenland gilt nicht umsonst als das Land der Märchen und Legenden, denn
wer sich dieses uralte Land mit den tiefen, kristallklaren Seen, den tiefen Wäldern,
hohen Gebirgen und rauschenden Gebirgsflüssen näher ansieht, der kann sich
nur zu gut vorstellen, daß an diesem Ort Märchen wahr geworden sind und alte
Waldgeister sich zwischen den hohen Tannen umhertreiben.
Die Bevölkerung des Landes ist ein eigentümliches, traditionsbewusstes Völkchen,
das an den alten Wegen festhält und von König Heinrich V., dem Falken
regiert wird, der diese Position von seinem Vater Georg III. geerbt hat. Schon
von jeher reagiert hier das Geschlecht des Falken unter dem roten Wappen, das
alle bisherigen Könige gestellt hat und seine Linie immer rein gehalten hat.
Alle Könige dieses Geschlechtes waren stets starke, herausragende Kämpfer,
die ebenso starke Nachkommen gezeugt haben, die große Kriege ausgefochten und
gewonnen haben, jedoch schon seit Urzeiten mit dem Geschlecht des Wolfes in
einer Rivalität stehen, die mittlerweile zu einer wahrhaftigen Feindschaft
geworden ist.
Aber solange Heinrich von seiner Elitegarde, den Falken untersützt wird,
allesamt gut ausgebildete Soldaten mit einigen speziellen Fähigkeiten, sollte
es sehr schwer werden, den König zu stürzen und den Thron selbst zu halten.
Falkenland ist in ein Lehnssystem gegliedert, das zwar keineswegs dem
modernsten Stand entspricht, aber dennoch immernoch gute Dienste für das Volk
leistet. Dabei gibt es immerhin vier große Fürstentümer, die Länder des
Falken, die Länder des Wolfes, die Länder des Adlers und schließlich die Länder
des Drachen, die alle ihre eigenen Merkmale haben und von dem jeweiligen
Geschlecht beherrscht werden.
Aber die Falkenländer sind nicht nur für ihr Traditionsbewusstsein bekannt
geworden, sondern auch für ihre überlegene Handwerkskunst, die sie Dinge von
großer Schönheit mit einer ganz besonderen Sorgfalt hervorbringen lässt,
die in allen anderen Ländern begehrt sind.
Hier mag es nicht die neuste Mode geben, doch die Kleider sind besonders gut
gearbeitet und besitzen etwas eigenes, das sie stets wohltuend von der üblichen
Mondiénner Mode abhebt.
Am Abend mögen es die Falkenländer, gemütlich in ihren Häusern zu sein und
am Kaminfeuer Märchen zu erzählen und es ist nicht ungewöhnlich, wenn eine
Familie dieses Landes ein Buch mit eigenen, gesammelten Märchen besitzt, daß
von Generation zu Generation weitergegeben und fortgeführt wird. Schließlich
gibt es hier viele Legenden, die sich zu erzählen lohnen und wer weiß,
vielleicht entdeckt man tatsächlich einen Wichtel, wenn man durch den Wald
spaziert oder erblickt die schöne Nixe Alirande, die ihr Lied hoch oben auf
dem Felsen über dem Klarwasser singt und damit die Seemänner in das
Verderben lockt.
In Falkenland folgt ein Großteil der Bevölkerung den Lehren des Bruder
Antonius, während es hier eher ungerne gesehen wird, wenn man der alten Lehre
Edeas folgt und es kaum Kirchen für sie in dieser Urform gibt. Dies mag im
Allgemeinen daran liegen, daß Frauen hier die traditionellere Rolle als
Hausfrau und Mutter einnehmen und Falkenland im Großen und Ganzen eher von
den Männern dominiert wird. Natürlich gibt es hier aber wie stets Ausnahmen
zu dieser Regel.
Für Wissenschaftler und Archäologen bietet dieses Land jedoch noch einen
ganz anderen Reiz, denn man sucht noch immer nach dem Schatz der Völsinger,
jenem alten, sagenhaften Geschlecht, das noch immer in sehr dramatischen Märchen
und Legenden verehrt wird und das für die Falkenländer eine sehr große
Rolle spielt, waren sie doch die Gründer dieses Landes. Dazu durchkämmen sie
jeden Wald und feiern eine jede Ruine als bejubelnswerten Fund, der
seinesgleichen sucht. Im Allgemeinen glaubt man, daß das Reich der Völsinger
in den Fluten des Klarwasser versunken ist, doch ob dies der Wahrheit
entspricht und ob es hier tatsächlich Drachen gibt, wie die alten Märchen
erzählen, muß wohl erst noch bewiesen werden. Sollte dies aber der Wahrheit
entsprechen, dann ist Falkenland genau das richtige Land, um nach ihnen zu
suchen. Denn vielleicht schlummert der große Drache Siegbert tatsächlich
irgendwo im Eisengebirge und wartet nur darauf, wiederzukommen und die Ordnung
in dem Land wiederherzustellen, falls ein unrechtmäßiger König auf dem
Thron sitzt. Zumindest sagt dies die alte Legende.
~ Die Lande des Schwans ~
Die Lande des Schwans waren schon seit jeher ein Märchenreich, das
seinesgleichen gesucht hat und in dem die alten Märchen und Legenden schon
seit jeher eine besondere Bedeutung besaßen. Fürstin Helene, die einzige
Frau unter den Fürsten des Falkenlandes, die diese Position durch ihr
diplomatisches Geschick erreicht hat, leitet die Geschicke ihres Reiches von
der weißen Schwanenburg aus, die sich einst in dem Besitz der
Schwanenprinzessin selbst befunden haben soll und hat einige Arbeit damit,
sich als Frau gegen die anderen Fürsten durchzusetzen.
Schönbrunn ist die wohl schönste Stadt des Falkenlandes und Helene tut alles
dafür, daß dieser Ruf gewahrt bleibt, fördert die schönen Künste, so gut
sie es vermag und versucht einfach, ihren Platz in der Welt so zu gestalten,
daß in ihr keiner mehr nehmen kann. Viele Besucher kommen hierher, um einmal
selbst durch die uralten, dunklen Wälder mit ihren Burgruinen zu wandern und
so ist das Verkaufen von Souvenirs hier eine sehr gute Art, um seine Goldblätter
zu verdienen.
Sogar eine Oper wird mittlerweile in Schönbrunn erbaut, das für die Besucher
besonders attraktiv bleiben soll und für seine gute Küche weit über die
Grenzen des Reiches hinaus bekannt geworden ist. Außerdem trägt Helene dafür
Sorge, daß Gerüchte über Fabelgestalten, die unter den Tannen des
Freisteinwaldes gesehen worden sein sollen, in Falkenland verbreitet und
schließlich auch über die Grenzen des Reiches hinaus gebracht werden.
~ Die Lande des Drachen ~
Die Lande des Drachen waren einst das legendäre Reich der Völsinger,
deren großer Held Gunthar als König über dieses von Wasseradern durchzogene
Land geherrscht haben soll, das noch heute für seine Weinberge und das milde
Klima, sowie für die prachtvolle, grüne Landschaft sehr beliebt ist.
Der beste Wein der Falkenlande stammt aus dieser Gegend, was besonders daran
zu erkennen ist, daß man hier die sehr beliebten Weinfeste stattfinden lässt,
an deren Ende stets das schönste Mädchen zur Weinkönigin gekrönt wird und
zumindest für diesen Abend wie eine solche behandelt wird. Die Bewohner des
Drachenlandes sind ein recht heißblütiges Volk, was man schon an Fürst
Waldemar, dem aufbrausenden Herrscher über diesen Landstrich erkennen kann
– auch wenn man es ihm niemals direkt in das aristokratisch geschnittene
Gesicht sagen würde.
Fürst Waldemar herrscht mit starker Hand über sein Fürstentum und ist dem König
treu ergeben, obwohl man munkelt, daß das Blut des Drachen in seinen Adern
ihn eines Tages dazu bringen wird, nach der Macht zu greifen. Am Ende möchte
der Drache schließlich immer über die niederen Tiere triumphieren und wie könnte
dieses Volk vergessen, daß sie einst die Herrscher über Falkenland waren?
Man sagt den Drachenländern nach, daß das Blut dieser Geschöpfe in ihren
Adern fließt, wie es dies schon in den Adern der Völsinger tat.
~ Die Lande des Falken ~
Die Lande des Falken sind schon seit jeher der Herrschaftssitz des
Geschlechtes der Falken und somit wohl das Gebiet, das Falkenland seinen Namen
gegeben hat. Die Lande der Falken besitzen durch das Eisengebirge einen
enormen Schatz an Eisenerz, was den Königen dieses Reiches schon immer für
ihre Schatzkammern zugute kam.
Außerdem gibt es hier noch einige Gold-, Silber- und Edelsteinminen, die
selbstverständlich noch zuträglicher sind. Das Eisenerz war schon immer eine
wichtige Komponente, als die Falkenlande noch eine besonders extreme
Eroberungswut an den Tag gelegt haben, obwohl es in den heutigen
Friedenszeiten nicht unbedingt benötigt wird. Da Waffen aber niemals aus der
Mode kommen und in den Landen des Falken sehr gute Klingen hergestellt werden,
hat es nicht an Bedeutung verloren.
Auch sonst wird in den Landen des Falken die Handwerkskunst groß geschrieben
und so gibt es einige Güter, für die dieses Fürstentum bekannt geworden ist
und die besonders in der Stadt Bergheim, die sich unterhalb von Schloß
Falkenstolz am Rande des Gebirges erstreckt, erstanden werden können.
Schloß Falkenstolz, dessen starke, bewehrte Mauern sich aus dem Eisengebirge
hervorheben, ist der Herrschaftssitz des König Heinrich IV. und bildet somit
den Mittelpunkt des politischen Lebens in den Falkenlanden. Hier gibt es die
berühmte Falknerei des Königs innerhalb der Schloßmauern, die für das
herrschende Geschlecht einen solch hohen Stellenwert besitzt.
~ Die Lande des Wolfes ~
Schon seit Anbeginn der Zeit, waren Falke und Wolf immer in einen Konflikt
verstrickt, da der Wolf dem Falken die Herrschaft über dieses Land niemals
gegönnt hat und beide Geschlechter wahre Kriege miteinander ausgefochten
haben, in denen es um die Krone des Landes ging. Seit Heinrichs Herrschaft ist
Ruhe eingekehrt, doch es ist ungewiss, wie lange dieser Frieden andauern wird,
der bisher nur durch die Heirat von Heinrichs jüngerer Schwester Agathe mit
dem jungen Wolf Ludwig gestützt wird – eine Ehe, die jedoch nicht besonders
glücklich ist. Der alte Wolf, Fürst Wilhelm von Hochburg, würde nur zu
gerne seinen Sohn Ludwig auf dem Thron des Landes sehen und hat seine
listigen, aber beinahe blinden, alten Augen sehnsüchtig nach Bergheim
gerichtet, dessen große Burg Falkenstolz hoch oben in dem Eisengebirge liegt
und von starken Mauern geschützt wird. Hinter den Kulissen tobt so ein
intrigenreicher Krieg, an dessen Ende besser der Falke triumphieren sollte,
denn um einen Vorteil gegen Heinrich zu erlangen, hat der alte Wolf der Königin
Heloise von Mondiénne einige Versprechungen gemacht, die die Falkenländer
einen Großteil ihrer Identität kosten könnten.
Die Lande des Wolfes sind schon seit jeher die fruchtbarste Region von
Falkenland, was natürlich dazu geführt hat, daß dieses Fürstentum sich
nicht über mangelnden Reichtum beschweren kann – die Landwirtschaft
floriert, wie eh und je.