~ Die grünen Inseln ~

Die Sonne stand bereits tief am Himmel und ihre Unterseite war bis zur Hälfte im Meer versunken und färbte das sie umgebende Wasser in ein leuchtendes Rot, das alles golden aufglühen ließ.
Sogar die sonst so kühle Schönheit der Lady Viola Shaw, oft deswegen als ‚Winterprinzessin’ bezeichnet, wurde von ihr erwärmt und erhielt einen neuen Ausdruck, der das Silber ihrer Haare in Gold verwandelte und ihren blassen Teint wärmer erschienen ließ.
Viola stand verträumt auf einem der wie Schwäne geformten, weißen Balkone von Schloß Stormhaven und genoß die Wärme der letzten Sonnenstrahlen auf ihrer Haut.
In der letzten Zeit war ihr dies zu einer liebgewonnenen Gewohnheit geworden und so konnte man sie oft hier finden, wenn sie auf Stormhaven weilte und sich um die Aufträge von König James, von bösen Stimmen seiner Gegner oft als Freibeuterkönig bezeichnet, kümmerte.

- Die Winterprinzessin -


ie Inselgruppe, die als die Smaragdinseln in Terra Edea bekannt geworden ist und im Grunde aus drei eigenen Inseln besteht, die von ihren jeweiligen Herrschern regiert werden, sind durch das erstaunlich saftige Grün ihrer sanften Hügel als solche bekannt geworden. Jene Hügel bilden stets einen atemberaubenden Anblick, wenn das Licht der Sonne auf sie fällt und sie leuchten lässt, Sonne ist hier jedoch keineswegs an der Tagesordnung, denn es regnet recht oft, was jedoch in der richtigen Mischung ein sehr fruchtbares Land aus diesen Inseln macht.
Wie schon Eingangs erwähnt, wird jede der frei Inseln, Alviona, Eireann und den Highlands von ihren jeweiligen Staatsoberhaupt regiert, trotzdem sind alle drei dazu verpflichtet, gemeinsam zu entscheiden, wenn es um die komplette Insel geht. Zu diesen Zwecken wird stets ein Rat in Eriann abgehalten, dessen Hauptstadt Ynnis von allen Dreien am zentralsten inmitten der Smaragdinseln liegt und von daher zur offiziellen Ratsstadt ernannt worden ist.
Zu dieser etwas unfreiwilligen Zusammenarbeit sind schon ihre Vorväter durch die Mutter der Inseln, Eilidh, verpflichtet worden, die als eine Verkörperung Edeas gilt. Andere Länder, allen voran Torego und Terrano mögen zwar die Nase darüber rümpfen, doch was kümmert dies die Bewohner der Smaragdinseln, die einen ganz anderen Teil Terra Edeas als ihre Heimat bezeichnen, als jene Südländer?
Im Grunde sind die Smaragdinseln ein hochgradig magisches Land, dessen Bewohner im Einklang mit der Natur und ihren vielfältigen Lebensformen leben und diese mehr achten als jeden weltlichen Besitz. Natürlich ist dies in einigen Teilen der Insel eher ausgeprägt als in anderen, die moderner sind. So ist Alviona selbst, als die größte der Inseln eher den Wegen zugetan, die in vielen städtischen Gebieten verfolgt werden, während Eireann und die Highlands weitaus stärker auf die Geister der Natur hören.
Jede der drei Inseln verfügt über Eigenheiten, die sie deutlich von den beiden anderen unterscheidet und ihre Bewohner sind stolz darauf. Das die Inseln vereinigt sind, bedeutet schließlich noch lange nicht, daß man jegliche Differenzen einfach unter den Teppich kehrt. Ein Eire mag durchaus wegen der unterschiedlichen Lebensanschauungen mit einem Alvioner aneinander geraten oder auch eher seinem Lebensweg zugetan sein.

~ Alviona ~

Die Insel Alviona ist im Allgemeinen die am südlichst gelegene Insel und von daher auch den anderen Ländern Terra Edeas näher, was sie am offensten für die Strömungen der restlichen Welt macht. Dies mag momentan auch am König der Insel, James IV. von Alviona liegen, der als Freibeuterkönig bekannt geworden ist. James ist ein junger, lebensfroher, gutaussehender aber sehr unberechenbarer Mann, der sich nicht damit zufrieden geben konnte, auf seinem Thron sitzen zu müssen und stattdessen mit seinem Schiff, der King’s Folly, die Weltmeere auf eigene Faust mit seiner Mannschaft erkundet hat und dies noch immer gerne tut. Die Regierungsgeschäfte liegen zu diesen Zeiten in den Händen seiner Berater. Es ist beinahe unnötig zu erwähnen, daß der verwegene, junge König das Ziel einiger romantisch interessierter Damen ist. Er hat großen Wert auf eine eigene Marin, die in der Hafenstadt Kirkwall ist, gelegt, die im Rest Terra Edeas eher als halsabschneiderische Piraten verschrien sind, dies mag jedoch auch daran liegen, daß die Marine aus jungen, wagemutigen Männern besteht, die mit ihren unkonventionellen Methoden so manchen alteingesessenen Seebären zum Staunen bringen. Leider neigen sie auch dazu, die Schatzkammern fremder Länder zu plündern und sich hitzköpfig Gefechte mit anderen Schiffen zu liefern, achten dabei meist jedoch nicht darauf, ob es sich bei der Besatzung auch tatsächlich um die Piraten handelt, vor denen sie die Küsten des Landes eigentlich schützen sollten. Es ist müßig zu erwähnen, daß diese Tatsache James schon des öfteren Ärger mit den Oberhäuptern der anderen Länder eingebracht hat und so führt dies oftmals zu Scheinhinrichtungen seiner Männer, um das Gesicht wahren zu können. James hat die Maskerade des zerknirschten, jungen Königs mittlerweile perfektioniert und wickelt mit seinem Charme gerne die Repräsentanten der anderen Nationen um den Finger, doch es ist ein gefährliches Spiel, das er da spielt.
Alviona sollte durch die Marine zwar ein rauherer Ort sein, doch da der König bei seinen Freibeutern auf tadellose Manieren achtet, geben jene sich eher ritterlich und so schadet es der Insel kaum. Die Haupstadt Charlaine ist ein Ort an dem des Königs Festlichkeiten und eine gewisse Art des höfischen Umgangs einen angenehmen Eindruck hinterlassen und die Kunst des Geschichtenerzählens hochgeachtet wird. Besonders gerne hört man hier die gruseligen Geschichten alter Schloßgespenster oder ähnliches, was sich natürlich stets so zugetragen haben soll und von dem Erzähler geradezu beschworen wird. Jede Familie, die etwas auf sich hält, besitzt zumindest einen Hausgeist, der sie öfter heimsucht und von dessen Vergangenheit und neuen Schandtaten man dann erzählen kann. Es mag den Bewohnern der anderen Länder zwar hochgradig suspekt erscheinen, doch in Alviona gehören diese Dinge einfach zum Guten Ton. Sehr beliebt sind hier auch Theaterschreiber, deren Stücke in den Theatern der Stadt aufgeführt werden oder Poeten, die ihre oft dramatischen Geschichten unter dem Volk verbreiten.
James umgibt sich bei Hofe außerdem mit seinem Ritterorden, der zwar ein wenig edler wirkt, als die Freibeuter, dabei jedoch ebenso wagemutig und verwegen ist. In den Reihen der Ritter widmet man sich in seiner Freizeit, wenn es nicht gerade um Fechtübungen geht, zu gerne auch der Kunst der höfischen Liebe, was den Dichtern perfekten Stoff für ihre Dramen liefert – welche Hofdame wird bei soviel galanter Männlichkeit schließlich nicht schwach?

~ Eireann ~

Eireann mag an der Seite der Highlands ein wenig rückständig erscheinen, wenn man das Land mit Alviona vergleicht, doch dieser Eindruck täuscht. Die Bewohner dieser Insel sind sich einfach ein wenig mehr ihrer Umwelt und der in ihr wohnenden Magie bewusst, als die Alvioner und leben im Einklang mit den Bergen und den Seen, den Tälern und den Wäldern ihrer Insel. Dies ist ein Land, in dem noch die alten Legenden und Mythen am Leben sind und in dem man den alten Wegen folgt. Keine wahre Königin steht an der Spitze, denn traditionell wird diese Position von der hohen Priesterin Edeas eingenommen, die den Wegen der Mutter der Welt folgt und ihrem Volk sowohl geistigen Beistand, als auch weltliche Hilfe zu geben vermag. Die momentane Hohepriesterin, nach außen als Königin Branwen bekannt, um die anderen Nationen nicht unnötig herauszufordern, ist eine weise Frau in den mittleren Jahren, die sich ihre Schönheit und Ausstrahlung bewahrt hat und ihr Volk gerecht und voller Hingabe anleitet. Sie wird von einem Kreis von zwölf Rittern bei Tag und Nacht geschützt, die ihr Leben für sie geben würden. Gemeinhin wird ihr sowohl von König James, als auch von Duncan McDonagal eine gewisse Weltfremdheit vorgeworfen, da sie sich zu sehr auf ihr eigenes Land konzentriert und den Blick selten in die Ferne wendet. Da beide Männer nicht über die Elemente gebieten können, ist ihnen schließlich auch die Macht dieser Frau fremd, die die Magie der Inseln stark in ihrem Blut besitzt.
Eireann verfügt über die mächtigsten Magier der Smaragdinseln, da das Volk die Strömungen der Magie und auch die Bewohner der Feenwelt deutlich wahrnehmen können. Sie sind sich wie kein anderer der Existenz der Feenwelt über ihrer eigenen bewusst und leben mit ihr im Einklang. Manch einer von ihnen ist sogar dazu in der Lage, in diese Welt hinüberzuwechseln, die sich in jedem Hügeln oder jedem Steinring verbergen kann. Nicht jeder möchte dies, doch es geschieht, wenn es von den Feen gewünscht wird. An sich sind die Eiren ein bodenständiges, einfaches Volk, das gesellig und lebensfroh seiner täglichen Arbeit nachgeht und an den Abenden gerne zusammensitzt.
Alles könnte idyllisch und friedlich sein, gäbe es da nicht eine ganze Reihe von Gelehrten, die den Lehren des Bruder Antonius folgt und nur zu gerne die Hohepriesterin von ihrem Thron vertreiben würde. Für eine lange Zeit war dies nicht als ernstzunehmendes Problem zu sehen, doch mittlerweile gibt es immer mehr Stimmen gegen Branwen, die vor allem von den jungen Männern Eireanns ausgehen.

~ Die Highlands ~

Die nördlichste Insel ist unter keinem anderen Namen als nur als „Die Highlands“ bekannt und wird von einem recht hitzköpfigem Volk bewohnt, daß weder die harte Arbeit, noch das faire Gefecht scheut. Die Hochländer sind ein traditionsbewusstes, kriegerisches Volk, dessen Adel in Clans organisiert ist, wobei der herrschende Clan der Clan McDonagal ist und momentan von dem Clanoberhaupt Duncan McDonagal, König der Highlands regiert wird. Duncan ist gemeinhin ein lebenslustiger, wenn auch aufbrausender Mann, dessen braunes Haar ebenso von grauen Strähnen durchzogen wird, wie sein Bart.
Anders als in Eireann ist man hier ein wenig weltlicher und weniger magieverbunden, dafür aber im Kampf bewandert und von einem familieneigenen Kodex beherrscht. Die Clans verehren ihre Krieger, die als Helden im Kampf gefallen sind und bekriegen sich gerne untereinander, um in Übung zu bleiben – sei es nun in Wettbewerben oder auch in ernsteren Familienfehden.
Obwohl sich die Männer der Clans gerne im traditionellen Kilt in den Familienfarben zeigen, würde keiner ihre Männlichkeit in Zweifel ziehen, was bei ihrer Körpergröße auch ein wenig schwierig wird. Auch die Frauen kleiden sich stolz in den karierten Stoff ihrer Familie und sind praktisch veranlagt, geben sich jedoch mit den Naturgeister ab und treffen Maßnahmen, um jene milder zu stillen, wenn die Männer in den Kampf ziehen.
Ebenso wie die Eiren sind die Hochländer der Natur und den Feen verbunden, wenn auch auf eine andere Art. Anstatt selbst in ihre Welt einzutreten, wenn es sich denn vermeiden lässt, lassen sie sie eher an ihrem Leben teilhaben und decken bei Tisch für sie mit oder lassen in der Nacht etwas für die Kobolde stehen, um ihren Ärger nicht herauszufordern.
Jedes Jahr werden in der Hauptstadt Baird die großen Festspiele der Hochlande abgehalten und dann kommen alle Bewohner der Smaragdinseln zusammen, um gegeneinander in den vielfältigen Wettbewerben anzutreten, sei es auf kriegerische Weise oder um ihr Geschick zu demonstrieren, ganz gleich in welcher Disziplin. Hier findet noch immer ein Wettstreit der Barden statt, der an alte Traditionen anknüpft, an denen in den Hochlanden immer festgehalten wird.

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