~ Prunk und Dekadenz ~

„Ich ließ meine Augen über die Stadt wandern und sah auf den Palast, der sich hoch oben über den anderen Häusern auf einem Hügel erhob, betrachtete die goldenen Putten, die sich auf dem perlfarbenen Marmor vergnügten und sich Spielen hingaben, bei denen selbst ich zwangsläufig erröten musste, wenn sie sich nicht profaneren Dingen wie dem Spiel auf einer Trompete widmeten.
Die ganze Stadt spiegelte diese Atmosphäre wieder und wimmelte außerdem von Abbildern der Engel Edeas, die Amaurié wie einen Teil des Himmels wirken ließen, den sie zu ihrem Spielplatz gemacht hatten. Gerüchten zufolge hielt sich Heloise ebenfalls für einen aus Edeas Reich herabgestiegenen Engel und war davon besessen, sich mit ihresgleichen zu umgeben. Ob diese Gerüchte der Wahrheit oder der Phantasie eines sehr einfallsreichen Höflings entsprungen waren, konnte ich jedoch nicht bestimmen, obwohl der Gedanke nahe lag, wenn man sich diese weiß – golden glitzernde Stadt ansah, in der es keine Armut zu geben schien.“

- Lukrezia, Rosen im Winter -

enn sie an Mondiénne denken, kommt den meisten Menschen sofort der Geruch des landestypischen, schweren Parfums in den Sinn, das dort eines der beliebtesten Exportgüter ist und sich in ganz Terra Edea einer besonderen Beliebtheit erfreut. Allerdings gibt es sogleich noch einige anderen Erinnerungen, die die Erwähnung des Namens bei den Zuhörern auslöst – ein sehr dekadenter Adel, der in seinem Prunk und seinen orgienhaften Festen seines Gleichen sucht, die extrem tief dekolltierte Mode, weiß gepuderte Gesichter und Perücken, der Größenwahnsinn einer verrückter Königin jedoch auch die besten Sänger und Sängerinnen, die die Welt jemals gesehen hat. Riesige, prunkvolle Bauwerke dominieren dieses Land in den großen Städten, die vor dicklichen Putten, Blattgold und perlfarbenem Marmor schier überzuquellen drohen.
Doch Mondiénne hat noch ein anderes Gesicht, auch wenn es im Allgemeinen vor der Welt verborgen bleibt und Königin Heloise peinlich genau darauf bedacht ist, es niemanden sehen zu lassen, den sie lieber beeindrucken möchte – Armut herrscht bei einem Großteil der Bevölkerung und wenn man sich durch die dunkleren Ecken der Städte bewegt, kann man das Elend der Menschen erblicken, die für Heloises Prunksucht ausgebeutet werden und nichts weiter als das Mittel zum Zweck darstellen.
Doch es gibt auch das freundliche Gesicht dieses Landes, das man findet, wenn man sich aus den Städten hinausbewegt und sich in die ländlicheren Gegenden begibt, denn hier sind die Menschen offen und freundlich und beherbergen gerne einen Wanderer, genießen das Leben auf ihre Weise, auch wenn sie oftmals sehr hart arbeiten müssen. Dieser Teil Mondiénnes macht den Prunk vergessen und läßt es zu, daß man sich den Bewohnern des Landes im Herzen näher fühlt und auch das Land mit seinen feinen, weißen Sandstränden im Süden und den grünen Provinzen lieb gewinnt, die von einem großem Gebirge im Norden des Landes abgerundet werden.
Heloise ist selbstverständlich die einzige Herrscherin über dieses Land, doch sie lässt die fünf Provinzen von Herzögen und Herzoginnen verwalten, die sie sehr genau unter Kontrolle hält, wenn sie sich nicht dem religiösen Wahn hingibt, selbst ein Engel Edeas zu sein oder ihre vollkommen auf sie eingestimmten Höflinge mit einer kleinen Arie unterhält. 
In Mondiénne glaubt man an Edea in ihrer Urform, zumindest, so lange Heloise in der Nähe ist und die Lehren des Bruders Antonius sind verpönt – schließlich ist die Königin selbst eine Art von Göttin und so muß Edea eben auch weiblich sein.
Doch auch wenn Heloise sicher nicht gerecht ist, so gibt es noch immer die berühmten Musketiere, jene schneidigen, wagemutigen Gesellen, die mit ihrer flinken Klinge und der ebenso flinken Zunge für Recht und Ordnung sorgen und ein Auge darauf haben, daß es dem Volk nicht zu schlecht geht.

~ Chamoris ~

Chamoris ist jene Provinz, die wohl am ehesten für ihre gesunde Landwirtschaft bekannt ist und in der ebenso der beliebte Mondiénner Rotwein, wie auch der feine Käse produziert werden, die sich einer besonderen Beliebtheit erfreuen. Hier besitzt das Leben ein ruhiges, gemächliches Tempo und man genießt die Ruhe der grünen Provinz, in der die beliebten, feinen Gewürzkräuter wachsen, die im Sommer ihren ganz eigenen Duft verströmen.
Von den Weinfesten bis zu dem alljährlichen Käsefest ist dieser oftmals als ‚Gourmetprovinz’ bezeichnete Ort voller Leben und man liebt es ganz einfach, die feinen Speisen zu genießen, die das Land hervorbringt und die dafür sorgen, daß sich Herzog Charles Moreau de Chamoris niemals Sorgen um den Reichtum seines Herzogtumes sorgen muß. Ganz im Gegenteil – Speisen werden am Ende immer benötigt und so ist kein Ende des hiesigen Wohlstandes abzusehen, der sogar noch die ärmeren Bauern mit einem wohlbeleibten Äußeren ausstattet und den Anschein erweckt, als könne das Leben hier gar nicht besser sein. Für die Bewohner Chamoris ist ihre Provinz eindeutig das Paradies auf Terra Edea und man kann ihnen diese Einstellung sicher nicht verdenken, wenn man bis zu dem Gebirge hinaufsieht, auf dessen Gipfeln oft die Ziegen umhertollen und das sich bis nach Amiens erstreckt.
Wer übertriebenen Prunk sucht, der ist selbst in der Hauptstadt Beauville noch fehl am Platze, denn auch hier bemerkt man sehr deutlich den ruhigeren, gemütlichen Gang, den das Leben hier eingeschlagen hat und so wird die Stadt eher von hübsch bepflanzten Fachwerkhäusern dominiert, anstatt den Besucher mit riesenhaften Marmorbauten zu erschlagen. In Chamoris wird gearbeitet und so hat man hier weder die Zeit, noch die Lust, es zu arg zu übertreiben.

~ Verrier ~

Verrier, die Provinz, die die Parfumeure zu der ihren gemacht haben und die vor Blumen, die hier notwendigerweise gezüchtet werden müssen, beinahe überzuquellen droht, liegt im Westen Mondiénnes und grenzt somit an Torego und Terrano an, was sich natürlich auf die Blumen sehr positiv auswirkt.
Hier hat man sich ganz der Kunst des Parfum herstellens verschrieben und so liegen die unterschiedlichsten Düfte über den Städten, wie eine Dunstglocke, unter der man sich vollkommen benebelt fühlt. Feinste Seifen, erlesene Duftwässerchen und andere Köstlichkeiten sind hier en masse zu finden und so verwundert es nicht, daß viele Besucher in diese Provinz strömen um einen der begehrten und völlig überteuerten Flakons zu ergattern.
Auch die Glasbläserei erfreut sich hier einer besonderen Beliebtheit, denn ein solch feiner Duft möchte natürlich auch passend präsentiert werden und so arbeitet man hier mit allerlei farbigem Glas, das zu den kunstvollsten Formen geblasen wird. Natürlich bedeutet dies, daß man hier an sich sehr viele schöne Dinge aus Glas bekommen kann, die jede Tafel und jeden Salon aufwerten und so bereist man in diesem Falle gerne die Stadt Meriélle, in der die besten Glasbläser des Landes ansässig sind.
Herzogin Claudine Varoux de Verrier trägt dafür Sorge, daß Heloises Interesse an diesem Ort gewahrt bleibt und engagiert sich selbst sehr stark in den hiesigen Parfumeursgilden, was dazu geführt hat, daß es nun Gerüchte gibt, die hübsche, junge, unverheiratete Frau sei mit dem Meisterparfumeur Jacques Devier verbandelt – was man bei Hofe natürlich nicht gerne sieht!
In der Hauptstadt Avoris findet man die wichtigsten Parfumeure des Landes und ihre besonders edel ausstaffierten Läden, in denen man stets von einer freundlichen, jungen Dame oder einem ebensolchen Mann bedient wird, die es sehr gut verstehen, niemanden mit einem vollen Goldbeutel den Laden verlassen zu lassen.

~ Balôire ~

Balôire liegt im Süden Mondiénnes und das warme Klima dieser Provinz macht sie zu einem beliebten Bade- und Erholungsort für alle, die es sich leisten können. Hier gibt es die feinen Sandstrände und das azurblaue Meer, das so viele Besucher anzieht, falls sie sich diese teure Provinz leisten können, ebenso wie die berühmten Schneidereien, die gerne besucht werden und den modischen Ton angeben.
In Balôire findet man alles, was man zum eigenen Vergnügen gebrauchen könnte und das Glücksspiel erfreut sich einer sehr großen Beliebtheit, wenn der Adel am Abend einen interessanten, aufregenden Zeitvertreib sucht.
Hier gibt es die feinsten Restaurants, die sich gerne aus ganz Terra Edea beliefern lassen und die sehr darauf bedacht sind, daß ihr Personal niemals einen Fehler begeht, ebenso wie große Tanzhallen und riesige Parkanlagen, Badehäuser und andere Annehmlichkeiten. Wer nach Balôire reist, möchte sehen und gesehen werden, denn alles was Rang und Namen hat, versammelt sich in den Sommermonaten an diesem Ort.
Herzog Phillippe Gaston Anoroux de Balôire verwaltet diese Provinz, wird jedoch weitaus eher selbst an einem der Glücksspieltische gesehen, als bei seiner Arbeit, was zu den Gerüchten geführt hat, er sei spielsüchtig und habe sein gesamtes Vermögen bereits mit dem Glücksspiel und schönen Frauen durchgebracht.
Er regiert von der Hauptstadt Survont aus sein Herzogtum, die für den Adel das beliebsteste Reiseziel, ebenso wie die Hauptstadt der Mode Mondiénnes darstellt.

~ Amiens ~

Amiens, im Norden des Landes, zeichnet sich durch seine Lage am Silberkanal aus, was eine gewisse Nähe zu den Smaragdinseln bedeutet. Hier sind der Fischfang und die Schifffahrt von großer Bedeutung für das Überleben der Bevölkerung und so verwundert es nicht, daß nicht nur das etwas kältere Klima, sondern auch die rauheren Bewohner dieser Provinz kein besonders adelig – glamouröses Gefühl bei den Besuchern aufkommen lassen.
Amiens und die dort stationierte Marine des Landes ist nicht allzu glücklich über die häufigen Überfälle von des Königs Freibeutern aus Alviona und so sind auch die hiesigen Einwohner ein mißtrauisches Völkchen, das gerne einfach nur ein ruhiges, einfaches Leben ohne Eindringlinge führen möchte.
Die Hauptstadt von Amiens, Chavarre, zeichnet sich insbesondere durch den großen Hafen am Silberkanal und den großen Fischmarkt aus, auf dem die frischen Fänge direkt verkauft werden, ebenso wie durch die Eiskutter, die den Fang in andere Provinzen transportieren. Für diese Schiffe hat man Kühleinrichtungen gebaut, die durch das Eis von den Schneebergen im Norden an der Grenze zu Falkenland, kühl gehalten werden, das angeblich niemals schmilzt.
Herzog Guillaume Flaubert de Amiens, ein kriegerischer Mann, der selbst in der Marine gedient hat, wacht über sein Herzogtum und ist stets für einen Krieg gegen die Smaragdinseln, die ihm eine solche Plage sind. Bisher hatte er jedoch damit noch keinen Erfolg und es gibt nun Gerüchte, daß er bei Heloise selbst um die Hilfe eines alvionischen Piraten ersucht hat, der die Strategien der Alvioner kennt und ihm dabei zur Seite stehen soll, seine eigenen Freibeuter auf die Weltmeere loszulassen.

~ Dorée ~

Die Provinz Dorée ist wohl der glanzvolle Mittelpunkt von Heloises Prunk, ebenso, wie von Mondiénne selbst- Die Provinz, die durch den Schlangenfluß fruchtbar gehalten wird, vereint wohl die größten Widersprüche des Landes in sich, denn die Städte quellen vor Gold und Reichtum über, während die Bauern auf dem Land arm sind und für einen Jungerlohn arbeiten müssen, während Heloise ihnen weiter das Gold für die Errichtung der größten Kathedrale aus der Tasche zieht, die Terra Edea jemals gesehen hat.
Die Königin selbst residiert in ihrem weiß – goldenen Palais, der von ausgeklügelten Lustgärten umgeben ist und findet stets das nötige Kleingeld, um einen weiteren Künstler mit einer Darstellung ihrer selbst als Engel zu beauftragen, die dann in der Hauptstadt Amaurié ausgestellt wird oder eben als Geschenk in eine andere Provinz oder ein anderes Land wandert. Schließlich wird die Königin nur ungerne übersehen.
Wer Dorée zum ersten Mal betritt, wird von dem allgegenwärtigen Gold in den Städten schier erschlagen, bis er einen üblen Geruch unter der Wolke des schweren Parfums wahrnimmt und schließlich Stück für Stück die wahre Provinz unter der Schale hervorbringt, die keineswegs mehr so attraktiv wirkt. Wer einmal die Elendsviertel der Stadt gesehen hat, die so gerne vertuscht werden, wird den Anblick sicherlich niemals mehr vergessen und kann kaum anders, als die engelshaft schöne Heloise nur noch als wahre Teufelin zu sehen, die der Hölle entstiegen ist, die sie den Armen bereitet.
Aber bis es soweit ist, dürften die glanzvollen Bälle und die Feste mit den ausgeklügelten Themen die Besucher für eine Weile in Atem halten. Schließlich hat Dorée einiges zu bieten, wenn man nicht zu tief in der Realität wühlen möchte und man findet immerhin die besten Dinge aus jeder Provinz an diesem Ort.

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