~ Die Magie des Gesangs ~
ondiénne hat weitaus mehr talentierte Sänger hervorgebracht, als jedes
andere Land, obgleich es hier keinen besonderen Unterschied zu geben scheint,
was die Veranlagung angeht. Die meisten Bewohner Terra Edeas nehmen diesen
seltsamen Umstand recht klaglos hin, doch wenn man sich einmal ein wenig
genauer mit einem oder einer dieser meisterhaften Sänger befasst, fällt
zumeist etwas sehr eigenartiges auf, denn diese Menschen besitzen eine Stimme,
die einschmeichelnd wirkt und den Willen lähmt, so daß man nur zu gerne
bereit ist, ihnen alles zu glauben, was sie erzählen oder eben nur allzu
schnell Liebe zu ihnen empfindet.
Tatsächlich besitzen die Stimmen der Mondiénner eine eigene Magie, mit der
sie ihr Gegenüber beeinflussen können, so daß es ihnen zu Willen ist und
alles für sie tun würde.
Auf diese Weise können sie Ehrerbietung auslösen und vergiftete Worte in das
Ohr ihres Zuhörers flüstern, so daß er manchmal beinahe in einem Traum zu
wandeln scheint, ohne zu wissen, was er tut.
Natürlich wirkt diese Magie schon alleine, wenn sie mit ihrem Ziel reden,
weitaus effektiver wird es jedoch, wenn sie singen und ihre Lieder in einem
passenden Umfeld wie einer Oper, auf eine große Menge an Zuschauern ausdehnen
können. Besonders gefährlich war es hierbei stets, daß die Mondiénner Könige
diese Gabe seit Urzeiten beherrscht haben und damit auch sehr ergebene
Untertanen besaßen – zumindest, wenn diese in Hörweite waren. Die Magie
des Gesangs wirkt zwar dauerhaft, wenn das Ziel immer wieder damit
konfrontiert wird, kann jedoch schnell verfliegen, wenn der Magier sein Opfer
nicht mehr in den Fängen behalten kann.
So verwundert es nun nicht mehr allzu sehr, daß die Besucher einer Mondiénner
Oper stets zu Tränen gerührt den Sängern folgen und still und stumm an
ihren Lippen hängen, beinahe nichts anderes mehr wahrnehmen als nur die süßen,
magischen Klänge der Sänger, sofern man ihnen keinen körperlichen Schmerz
verursacht.
So könnte man ein Opfer des Zauberbannes ausrauben, ohne daß es jemals eine
Erinnerung daran besäße, was wirklich geschehen ist, ihm falsche Bilder und
Erinnerungen eingeben, die zwar nicht vorhalten, doch wenigstens Zweifel in
sein Herz streuen, wann immer er daran zurückdenkt.