~ Glühende Sonne und brennende Leidenschaft ~

„Ein undefinierbares Gefühl breitete sich in meiner Magengegend aus, als Lichter aufflackerten und die Dunkelheit erhellten, dabei eine Art Bühne mit einem hölzernen Boden enthüllte, auf der ich drei Menschen ausmachen konnte. Sie wurden noch immer von der Dunkelheit gerahmt, denn das Licht war nur auf sie gerichtet und zu meinem Erstaunen erkannte ich sie als Toregen. Verwundert über diesen Bruch der abendlichen Harmonie, betrachtete ich den geheimnisvollen Mann, an dessen Seite zwei Frauen in feurig roten Kleidern und mit glänzend schwarzen, zu Knoten geschlungenen Haaren standen. Ihre Arme verweilten in einer eleganten, ungewöhnlichen Position, ganz still, als seien sie zu Stein erstarrt und nur das heben und senken ihrer Brust, als sie atmeten, wies darauf hin, daß sie am Leben waren.
Die Brust des Mannes war nackt und ich bewunderte seinen athletischen Körperbau, der nur von den engen, schwarzen Hosen und den hohen Stiefeln verhüllt wurde. Sein schwarzes Haar war lang und glatt und er hatte es in seinem Nacken mit einem Band zusammengefasst.
Gebannt sah ich auf die Bühne hinüber, als sie sich in Bewegung setzten und konnte meine Augen nicht mehr von dem Tanz abwenden, den sie zu dem fremden Klängen der Musik begannen. Die Bewegungen waren voller Stolz, voller Temperament und Leidenschaft und ich spürte, wie mir der Atem wieder und wieder stockte, als die beiden Frauen um die Gunst des Mannes, der stets im Mittelpunkt stand, konkurrierten. Sie gaben sich den Klängen hin, verstrickten ihre Körper, nur um sich wieder voneinander zu lösen und das Feuer ihrer Leidenschaft fuhr auch in meine Adern und brachte mich zum Glühen. Mein Herz begann schneller zu schlagen und ich atmete hastig, wollte die Augen schließen, um ihnen zu entrinnen, doch ich vermochte es nicht.“

- Lukrezia, Rosen im Winter -

ie Flamme der Leidenschaft brennt in den Herzen der Toregen und dies manifestiert sich ebenso in ihrem heißen Land, wie auch in dem hitzigen Temperament seiner Bewohner. Die Toregen sind ein stolzes, feuriges Volk mit schwarzen Glutaugen und ebenso schwarzen Haaren, deren Haut stets gebräunt ist und die sich gerne in schwarze Kleider kleiden, die sie mit den Farben des Feuers und der Sonne kombinieren, die ihnen gut zu Gesicht stehen.
Torego ist das Land der exotischen Blumen und der exotischen Bauwerke, was wohl aus der Nähe zu Marabesh resultiert und in der Vermischung dieser beiden Völker seinen Ursprung genommen hat, doch ebenso ist es ein Land, das einen ganz eigenen Reiz besitzt, oftmals trocken und leer, wenn die Sonne darauf niederbrennt, doch trotzdem fruchtbar genug, um seine Bewohner gut zu ernähren und eine gesunde Grundlage für die Landwirtschaft zu gewährleisten.
Dies ist das Land der Wissenschaft, die in Königin Maria Elena und König Rodrigo ihren Förderer gefunden hat. Dies mag natürlich der Grund dafür sein, daß viele der klügsten Köpfe Terra Edeas ihren Ursprung in diesem Land gefunden haben, das die ersten Universitäten dieser Welt hervorgebracht hat. Doch nicht nur die Wissenschaft hat hier einen besonderen Platz gefunden, auch die Kirche Edeas steht in hohen Ehren, was für einige Konflikte sorgt, denn Kardinal Diego Ortega würde nur zu gerne ihren Vormarsch zum anhalten bringen und das Königspaar auf den Pfad der Tugend, also in Edeas Arme zurückbringen.
Möglicherweise stünde der Kardinal damit nicht allein, doch er hat momentan genug mit einer sich zersplitternden Kirche zu tun, die sich durch die Lehren des Bruder Antonius sehr stark zerstritten hat und so muß er seine Machtpolitik ein klein wenig zurückstellen, bevor er wirklich zuschlagen kann.
Alles in allem hat Torego die dunkle Zeit der Inquisition, bei der man jene gejagt hat, in deren Adern die Magie fließt, einigermaßen heil übrstanden und sieht nun einem etwas ruhigeren Zeitalter entgegen, wenn auch der Aberglaube unter dem Volk, der eben jener Bewegung einen fruchtbaren Boden gegeben hat, zumindest bei den einfachen Menschen noch sehr stark vorhanden ist.
Aber Torego ist noch für eine ganz andere Seite bekannt, denn die feurigen Flamencotänzer und –tänzerinnen, die ihr Publikum beinahe magisch in ihren Bann ziehen, sind weithin bekannt und es ist unumstritten, daß dieses Land ebenso die weltberühmtesten und besten Fechter, wie auch die edelsten Klingen hervorgebracht hat – der Toreger Stahl ist auf ganz Terra Edea für seine Härte und die Präzision beliebt, durch die die perfektesten Waffen gezaubert werden können. Alles in allem ist dies also ein vielfältiges Land, dessen mannigfaltige Facetten auf die neugierigen Reisenden warten, die sie entdecken möchten.
Das Land ist in sechs Provinzen aufgeteilt, die jeweils für ihr eigenes Wohl verantwortlich sind und dabei nur Maria Elena und Rodrigo zur Rechenschaft verantwortlich sind. Die Provinzen unterstehen dem sogenannten Don, der sie im Namen des Königspaares verwaltet.

~ Antarita ~

Antarita ist wohl die Provinz Toregos, die Marabesh noch immer am verbundendsten ist und die noch immer einige Gebäude dieser besonderen Bauart, sowie einige Moscheen aufweist, die als Relikte der Vergangenheit bis in alle Ewigkeit Bestand haben werden. Durch diese alten Beziehungen und die Vermischung der Völker, die hier stattgefunden hat, ist Antarita ein wenig exotischer als der Rest Toregos, was sich unter anderem auf die Güter ausdehnt, die man auf den basarähnlichen Märkten dieser Provinz erwerben kann. 
Wer über die Plätze mit den Mosaikböden wandert, fühlt sich schnell in ein ganz anderes Land versetzt und es mag nicht verwundern, daß hier in der Hauptstadt San Olivero die erste Universität gegründet worden ist, was sehr stark von den wissensdurstigen Marabeshiten beeinflusst wurde. Noch heute ist San Olivero das Zentrum des Wissens der Toregen und viele Gelehrte sind hier ansässig, um an ihren Forschungen zu arbeiten und die Welt zu erleuchten.
Durch die günstige Lage am großen Ozean, ist Antarita das Handelszentrum Toregos, in dem ein Großteil der toregischen Armada stationiert ist, die die Stärke dieser Seemacht ausmacht. Die Armada ist Rodrigos liebstes Spielzeug, das in einem ständigen Streit mit König James’ Freibeutern liegt und schon einige herbe Verluste einstecken musste, was die Beziehungen zu Alviona stark belastet hat.
Antarita wird von Don Salvador Garcia verwaltet, einem noch sehr jungen Toregen, der zuweilen ein wenig zu hitzköpfig handelt und zurückgehalten werden muß, wenn es um James’ Freibeuter geht – schließlich würde sich der junge Don nur zu gerne beweisen, was wohl auch an der Aufmerksamkeit einer gewissen, jungen Dame liegt, der er gerne für sich gewinnen würde.

~ Mastilla ~

Mastilla, weit im Süden des Landes gleich neben Antarita gelegen, beherbergt die Hauptstadt Amaranta, die aufgrund ihrer wunderschönen, exotischen Gärten und Parks diesen Namen trägt und somit auch Maria Elena und Rodrigo beheimatet, die von dort aus über das Land herrschen.
Amaranta ist von dem Königspaar, das gerne einmal eine neue Expedition oder auch ein neues Projekt fördert, zu einer zweiten Hochburg der Wissenschaft gemacht worden und bietet den Besuchern so ziemlich alles, was sie in Torego erwarten könnten, unter anderem auch einige Abenteurer und Archäologen, die auf Unterstützung bei ihrem neuesten Ansinnen hoffen. Dies hat dazu geführt, daß auf den Märkten Mastillas einiges an archäologischen Gütern erworben werden kann und man oftmals etwas neues oder auch sehr seltenes vorfindet.
Doch die Stadt ist ebenso eine Hochburg der Kirche, die die Wissenschaftler mißtrauisch beobachtet und jeden ihrer Schritte mit Argwohn verfolgt. Kardinal Ortega, der die Kathedrale Santa Maria unter seine Herrschaft gebracht hat, lauert wie eine Spinne im Netz auf jeden falschen Schritt des Königspaares und hat seine Spione überall, wenn es darum geht, vielleicht den ein oder anderen zu stark nach vorne marschierenden Forscher von seinen Entdeckungen abzuhalten – schließlich fördert die Wissenschaft nicht unbedingt den Glauben und darüber ist sich dieser kluge Mann sehr wohl bewusst.
Ansonsten ist Mastilla jedoch eher ein friedlicher Ort, an dem die Gärtner einen regen Handel mit ihren Blumen betreiben und der stets einen betörenden Duft verströmt, was besonders im Sommer ausgesprochen angenehm wirkt, wenn er sich mit der Meeresbrise vermischt.

~ Esperzita ~

Esperzita mag möglicherweise langweiliger wirken als die anderen Teile Toregos, doch im Grunde ist es allen klar, daß das Land ohne diese Provinz ein erhebliches Problem hätte, denn dies ist das landwirtschaftliche Zentrum des Landes, in der auch die Viehzucht einen großen Stellenwert besitzt. Das feine Rindfleisch aus dieser Gegend ist auf allen Tafeln berühmt und so können sich die Bauern nicht über mangelnde Einkünfte beschweren.
Aber ein klein wenig näher im Nordosten dieser Provinz gibt es noch eine weitere Einnahmequelle, denn hier wird ein reger Fischfang betrieben, der dazu geführt hat, daß sich auch die Fischer hier angesiedelt haben und ein gutgehendes Geschäft betreiben.
Esperzita verfügt kaum über aufregende Besucherziele, die von Interesse sein könnten und darüber sind die hiesigen Bewohner auch keineswegs böse, können sie doch auf diese Weise unbeobachtet die Siestazeit genießen und am Ende des Tages ihre spontanen Feste mit den feurigen Flamencodarbietungen und all den anderen Tänzen des einfachen Volkes genießen, die an anderen Orten als anrüchig gelten würden.
Esperzita wird von Doňa Isabella Rodriguez verwaltet, deren Familie schon immer ein gewisses Händchen für die Landwirtschaft hatte und auf diese Weise ausgesprochen reich geworden ist. Sie hat ihren Ehemann Fernando, einen ehemals stadtbekannten Weiberhelden nun bestens unter Kontrolle und erfreut sich mit ihren drei Kindern eines sehr angenehmen Lebens. Die Hauptstadt Esperzitas, Delvado, ist hier der Mittelpunkt des Handels und wird schon seit vielen Generationen von den Rodriguez beherrscht.

~ Solana ~

Solana ist wohl jene Provinz, aus der die stolzesten Toregen stammen und man sagt nicht ganz zu Unrecht, daß hier jedes falsche Wort ein Duell provoziert. Nirgendwo sind die Frauen schöner und die Männer heißblütiger und so mag es kein Wunder sein, daß die bekanntesten Fechter dieser Zeit aus eben dieser Provinz stammen und sich auf ganz Terra Edea einen Namen gemacht haben.
Dies ist selbstverständlich den vielzähligen Fechtschulen zu verdanken, die hier zu finden sind – immerhin besitzt selbst Don Alberto Delgado, der diese Provinz verwaltet seine eigene Schule, die in der Tradition seiner Familie steht, wie auch dem Serintogebirge, das den Rohstoff für den berühmten Stahl aus Solana liefert.
Natürlich bedeutet dies, daß hier die berühmtesten Waffenschmiede des Landes ansässig sind, die die feinen Klingen schmieden, die von Fechtern in aller Welt so sehr geschätzt werden.
Den Solanern begegnet man in Torego stets mit einem ganz gewissen Respekt, besonders wenn sie erkennbar eine Klinge an ihrer Seite tragen, denn man weiß schließlich nie, wo ihr wunder Punkt liegen könnte, der ihren Geduldsfaden reissen lässt – und dies kann für einen ungeübten Fechter schnell zu einer ziemlichen Schmach werden.
Don Alberto regiert die Provinz von der Hauptstadt Mantaria aus, die gerne von jungen, aufstrebenden Fechtern besucht wird, die sich hier einen Namen zu amchen erhoffen, indem sie einen der berühmten Fechtlehrer schlagen können – dumm, natürlich, aber das ist die Jugend oft. Auch Alberto selbst, der dazu neigt, hitzig zu werden, dabei aber immer wohl überlegt reagiert, musste diese Aufgabe schon oft genug selbst wahrnehmen.

~ Terecito ~

Terecito ist für zwei ganz besondere Dinge bekannt – den Flamenco, der hier seinen Ursprung hat und die Zucht der edelsten Pferde, die man in Torego finden kann. Die Kinder dieser Provinz werden beinahe schon auf einem Pferderücken geboren und so kann hier jeder reiten und oftmals auch die erstaunlichsten Kunstwerke dabei vollbringen, ohne jemals in Gefahr zu geraten, vom Pferd zu fallen.
Diese Tatsache hat dazu geführt, daß man den Terecitern nachsagt, Pferdeblut flösse durch ihre Adern, was man durch ihre extreme Empathie zu den Tieren auch tatsächlich glauben könnte, allerdings ist es etwas ganz anderes, das sich in das Blut der Bewohner dieser Provinz mischt. Es ist die Magie des Flamenco, die Leidenschaften zu wecken vermag und zuschauende Menschenmassen in ihren Zauber verstrickt, die sich in das Blut dieser Menschen gemischt hat und nun dafür Sorge trägt, daß hier wahrhaftige Tanzkünstler geboren werden, die sich ihres Talentes ohnehin nicht erwehren könnten.
So sind Mensch und Tier hier gleichermassen stolz, was vielleicht ihre Seelenverwandschaft ausmacht und gemeinsam ergeben sie eine hoch explosive Mischung, die einen jeden in Erstaunen versetzt.
Doña Margarita Alba regiert ihre Provinz von der Hauptstadt Barcita aus und erweckt bei Tage stets einen kompetenten und vernünftigen Eindruck, was sich jedoch sogleich ändert, wenn die Nacht hereinbricht und Margarita den strengen Haarknoten löst, um hinauszugehen und sich unter die anderen Tänzer zu mischen, zu deren wahren Königin sie in diesen Momenten im Schein eines Lagerfeuers ein wenig außerhalb der Stadt wird. Ihr Volk würde sie niemals verraten, denn wer würde diese glutäugige Schönheit mit den langen Locken schon für die strenge Margarita halten? Doch für ihre Gegner wäre dieses Doppelleben natürlich ein gefundenes Fressen.

~ Zaparto ~

Zaparto ist sicherlich die umstrittenste Provinz des Landes, denn hier frönt man noch einer Leidenschaft, die mittlerweile in ganz Torego nur noch heimlich stattfinden darf – dem traditionellen toregischen Stierkampf, für den heute nicht mehr jeder Verständnis hat.
In Zaparto ist es eine große Ehre, als gefeierter Matador in die gefüllte Arena zu treten und von dort aus seine Kräfte mit einem wilden Stier zu messen, sich gleichsam mit ihm in einem tödlichen Tanz zu bewegen, dessen Ausgang nicht immer gewiss ist und an dessen Ende es vielleicht Rosen auf ihn hinabregnet – oder vielleicht der Tod auf ihn wartet.
Das ganze Jahr über vergeht hier die Zeit für die Matadore damit, sich auf den nächsten großen Kampf vorzubereiten und immer wieder seine Kräfte zu messen, um noch weiter in der Achtung der Bevölkerung aufzusteigen – und in den Augen der Welt herabzusinken.
Unter diesen Umständen und wenn man sich dieses rauh wirkende Volk näher ansieht, mag es von daher verwunderlich sein, daß der größte Frauenliebhaber, Don Emilio, ausgerechnet aus dieser Provinz stammt. Jede Frau träumt des Nachts davon, daß Don Emilio sich ausgrechnet ihrem Balkon nähert und ihr seine Aufmerksamkeit schenkt und so ist es kein seltener Anblick, daß sich schmachtende, seufzende Frauen im Schein des Mondes genau dort aufhalten und darauf warten, daß der samtzüngige Verführer sie dort ssehen wird. Es hat sich mittlerweile zu einer wahren Mode entwickelt, dort im feinsten Nachtkleid herumzustehen und eine Wolke des feinsten Parfums auszuströmen, um ihn anzulocken.
Zaparto wird von Don Sebastiano Montero verwaltet, der natürlich mit einigen Konflikten und herber Kritik zu kämpfen hat. Es stört ihn zwar nicht allzu sehr, da dieser skrupellose Mann immerhin mit der Attraktion des Stierkampfes viele Neugierige in die Hauptstadt Montavio strömen und die Kassen der Provinz füllen, doch es könnte auf Dauer doch seine Position gefährden.

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