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Madhvara, das Land der Könige, Land des Wissens, Heimat weiser Männer und religiöser Führer. Die Pracht der hohen Bauten, der Paläste und Tempel, ist unvergleichlich und wer einmal die von hohen Mauern umgebenen Gärten des Palastes der tausend Sonnen in der Hauptstadt Jharampur erblickt hat, wird sein ganzes Leben lang die Sehnsucht danach in seinen Adern spüren. Kaum eine andere Provinz Vhardharis bietet einen solch deutlichen Kontrast zwischen Reichtum und Armut, existieren doch neben diesen beeindruckenden Bauwerken aus feinstem Marmor, der in Rosatönen oder reinem Weiß schimmert, auch die schäbigen Hütten der Armen, die von einer solchen Pracht nicht einmal zu träumen wagen. Sie sind das Antlitz Vhardharis, das man zu verbergen trachtet und obgleich der Maharaja mildtätig ist und versucht, sich auch um die Armen zu bemühen, gelingt es ihm kaum, für all seine Untertanen zu sorgen, die seiner Hilfe bedürfen. Madhvara ist bekannt für die wunderschönen Edelsteine, die in den Minen der Provinz abgebaut werden und man liebt die feinen Schmuckstücke, die daraus gefertigt werden, über alle Maßen. Doch auch als Zentrum des Wissens kennt man das Land des Maharaja und so finden sich Bibliotheken und Weise, die all jenen helfen, die nach Antworten suchen. Die Tempel Jahanaras überstrahlen die Städte mit ihrer Pracht und locken damit diejenigen, denen es nach geistiger Führung verlangt, in ihre Arme. So mag es nicht verwunderlich erscheinen, dass auch die Kinder der Sonne in Madhvara verbreitet sind und im Geheimen daran arbeiten, das Volk an ihren Lehren zu interessieren. Deepar, die südliche Provinz nahe des Dschungels von Kharampur, Land des kriegerischen Raja Shardul, des jüngeren Bruders des Maharaja, der seinen Blick sehnsüchtig auf den Palast der tausend Sonnen gerichtet hat. Deepar ist bekannt für seine fähigen Krieger, deren Kampfeskunst kaum ein anderer gleich kommt, ebenso wie für seine tollkühnen Jäger, die im Dschungel nach den Elefanten jagen, deren Stoßzähne für das feine Elfenbein verantwortlich sind, das man innerhalb und außerhalb des Landes schätzt. Der Tiger, der Namensgeber Sharduls, gilt hier als heiliges Tier und es ist unter Androhung der Todesstrafe verboten, eines der stolzen Tiere zu töten, obgleich von ihnen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Landbevölkerung ausgeht. Man sagt, dass Shardul die Seele eines Tigers ins sich trägt, dem er in seiner Jugend begegnet ist und der ihm seine Stärke und seinen Mut verliehen hat. Manch ein Bediensteter des Palastes flüstert sogar davon, dass sich der Raja selbst in den Nächten in einen Tiger zu verwandeln vermag, doch niemand würde es wagen, eine solche Behauptung ernsthaft zu glauben. Die Menschen Deepars besitzen grausame Züge und man sagt ihnen nach, dass sie Freude an Schmerzen empfinden können und deswegen ein hohes Maß an Schmerz zu ertragen vermögen. Diese Fähigkeit macht sie gefährlich und erklärt die tätowierten Körper, die unter den Männern des Volkes überaus beliebt sind. Die Provinz Sharduls, der von der Hauptstadt Yamai aus über sein Land regiert, ist unter den Vhardhari kaum beliebt und in neuerer Zeit haben sich Gerüchte über einen geheimnisvollen Assassinenorden verbreitet, die im Namen der niederen Gottheit Ishwar Morde begehen. Diese Morde versetzen ganz Vhardhari in Aufruhr und man befürchtet, dass Maharaja Ishan in näherer Zukunft einem ihrer Anschläge zum Opfer fallen könnte. Nhandhara, die nördliche Provinz Vhardharis, leichtlebig und schön, besiedelt von Menschen, die niemals ihren Frohsinn zu verlieren scheinen. Nhandhara gilt als das kulturelle Zentrum Vhardharis, werden hier doch die schönen Künste, die Musik, der Gesang und der Tanz über alle Maßen geliebt. Es ist das Land der Poesie und der Leichtlebigkeit, in dem wundervolle, farbenfrohe Stoffe und Seide produziert werden, die man über die Grenzen Vhardharis hinaus schätzt. Kunstvolle Stickereien zieren die Stoffe, die auf den Märkten zum Kauf angeboten werden und man sagt, dass die Frauen Nhandharas die schönsten Frauen Vhardharis sind, zartgliedrig und in die feine Seide gekleidet, die sie selbst weben. Besonders beliebt sind die rituellen Tänze zu Ehren Jahanaras, die in der Nacht der Wende zwischen Frühling und Sommer beginnen und zu denen selbst der Maharaja aus Madhvara anreist, um in dem Palast der Blumen zu residieren. Die Festlichkeiten erstrecken sich dabei über einen Monat, in dem traditionell Frohsinn und Liebe regieren. Im Allgemeinen werden in dieser Zeit die meisten Kinder gezeugt, dies gilt jedoch auch für die Unsichtbaren, da die Stricke der religiösen Hemmungen nicht selten vorübergehend gelöst werden. Bereits die Tempel mit den erotischen Darstellungen der Liebeskunst, legen Zeugnis davon ab, dass Nhandhara kaum keusch zu nennen ist, dafür jedoch den Duft der Freiheit aus allen Poren ausströmt. Doch Nhandhara besitzt auch ein anderes Gesicht, denn es ist nicht allein die Kunstfertigkeit, die das Land regiert, es ist auch die Kunst der Magie, über die Instrumente gewirkt, deren Klang Mensch und Tier zu beschwören vermag und die ein Wesen dem Willen des Musikanten unterwirft, wenn er es wünscht. Das lächelnde Gesicht eines Nhandhari kann zweierlei Facetten besitzen und wenn er Sitar oder Flöte bei sich trägt, ist stets eine gewisse Vorsicht angeraten. Auch der Klingentanz, den die Männer Nhandharis bei allerlei Festlichkeiten aufführen, ist eine gefährliche Spielerei, eine Machtdemonstration in seidenen Gewändern, der eine uralte Kampfeskunst zugrunde liegt. Man sagt, dass Raja Dhanesh, der von der Hauptstadt Bharama über die Provinz wacht, ein wahrer Meister dieser Kunst sein soll, die in Nhandhara von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sankar, das Land der Düfte und der Blumen. Ein betörender Duft scheint stets in der Luft dieser Provinz zu liegen, die ein Meer aus Blüten, Pflanzen und Farben in den Osten Vhardharis malt. Hier wird der feine Tee angebaut, den die Menschen Terra Edeas lieben gelernt haben, ebenso wie die kräftigen Farben, die man aus den in Sankar beheimateten Pflanzen gewinnt. Sankar ist ein ruhiges Land, das tief in den Vhardhari Traditionen verwurzelt ist und in dem der Glaube an Jahanara eine wichtige Rolle spielt. Diese Rolle geht jedoch so tief, dass es in Sankar mittlerweile überaus häufig zu den Selbstverbrennungen der Witwe kommt, wenn ihr Mann den Tod findet. Diese Praxis ist zwar in allen Bereichen Vhardharis existent, allerdings ist in es Sankar in der letzten Zeit immer öfter zu Fällen gekommen, in denen ein solches Handeln von der Bevölkerung verlangt und mit allen Mitteln durchgesetzt worden ist. Diese Entwicklung und das Aufkeimen eines religiösen Übereifers machen dem Maharaja Sorgen, obgleich Raja Bindusar ihm versichert hat, dass bei den Verbrennungen alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Trotzdem schenkt der Maharaja ihm keinen Glauben und hat einen Spion an den Hof des Raja gesandt, um die Geschehnisse zu untersuchen. Raja Bindusar herrscht von der Hauptstadt Hirani aus über das Volk Sankars, genießt allerdings seit einiger Zeit den Ruf, sein eigenes Wohlergehen stärker im Auge zu haben, als die Interessen seines Volkes. Doch über den religiösen Eifer hinaus, scheint der Glaube dem Volk Sakars nahezu magische Kräfte zu verleihen, denn die Darbietung besonderer Kunststücke, die angeblich auf der Reinheit des Glaubens beruhen und die unter anderem Bretter aus spitzen Nägeln beinhalten, hat sich über die Märkte der Provinz ausgebreitet wie die Feuer, über die diese durchgeistigten Männer zu laufen vermögen. Ob es sich dabei jedoch tatsächlich um die Macht des Glaubens oder um Tricks handelt, ist ungewiss. Beinahe möchte man an eine Organisation glauben, die ihre Kunststücke zur Schau stellt, um dabei einige Goldstücke zu verdienen und weniger an die Wunder, als die sie angepriesen werden. Hresha, das verbotene Land. Hresha, dessen Existenz nicht geheim ist, aber dennoch nicht anerkannt wird. Hresha ist das Land der Unsichtbaren, die Heimat der Verstoßenen, die sich hier versammelt haben, um dem Fluch ihres Daseins zu entrinnen. Niemand in Vhardhari redet über Hresha und doch ist es vorhanden, stellt sogar eine Gefahr dar, denn es ist die Basis all jener, die sich eine bessere Zukunft wünschen und die nicht an die Macht der Reinkarnation glauben wollen, wenn sie dafür ein Leben voller Leid fristen müssen. Und so ist das verbotene Land ein schwarzer Fleck auf der Karte Vhardharis, ein Ort, den niemand sehen will, aber dessen Präsenz einem brodelnden Kessel gleichkommt, der überzulaufen droht. Es sind keine Städte, die in den Tiefen des Kurmanigebirges entstanden sind, eher Lager in den tiefen Höhlen der kalten Felsen, die ihren Bewohnern Schutz und Heimat bieten. Doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Menschen Hreshas nach mehr verlangen. Das gewählte Oberhaupt der Hreshani ist eine Frau, die der Königsfamilie nahe steht, das Blut des alten Maharaja Akash in ihren eigenen Adern trägt und von ihm selbst zu einer der Verstoßenen gemacht worden ist - Lali, eine seiner Bastardtöchter, eine Halbschwester des Maharaja, die es nach Gerechtigkeit verlangt. Rani Lali nennt man sie, Königin Lali, die Frau, die den Hreshani einen Namen gegeben hat, der sie über die Unsichtbarkeit erhebt, und die sie in die Freiheit führen soll. Und wer in Lalis dunkle Augen geblickt hat, einmal ihre dunkle Stimme gehört hat, die selbst einen Berg davon zu überzeugen vermag, vor ihr zu weichen, wird es niemals wagen, daran zu zweifeln, dass sie ihre Ziele mit aller Macht verfolgen wird. |