~ Königin Heloise de Mondiénne ~
Der ganze Hof tat es ihr nach und imitierte jede Regung dieser Frau, die
es jedoch gar nicht wahrnahm. Nachdem sie damit fertig war, jeden Milimeter
meines Körpers zu betrachten und für ungenügend zu befinden – jedenfalls
sagte das ihre Miene – wandte sie ihre Augen auf Andrea Luca, der sich soeben
knapp vor ihr verbeugt hatte. Ich hatte es nicht anders erwartet und deutete ähnlich
seinem Vorbild einen leichten, höfischen Knicks an. Andrea Luca neigte sein
Haupt vor beinahe niemandem und schon gar nicht vor jemandem, den er nicht als würdigen
Herrscher empfand und sein Stand erlaubte ihm nun einen gewissen Hochmut, ohne
daß Heloise sofort seinen Kopf fordern konnte – was sie seltsamerweise gar
nicht vorzuhaben schien, trotz der recht offensichtlichen Beleidigung.
Stattdessen erhob sie sich mit einem strahlenden, auf Andrea Luca
konzentrierten Lächeln von ihrem Thron und ich hörte das kollektive Ausatmen
der Höflinge, die die Luft angehalten hatten. Die Hofdamen, die die Königin
bunten Schmetterlingen gleich umflatterten, begannen zu tuscheln und ich fing
den ein oder anderen anerkennenden Blick auf seine Statur auf und manchmal sogar
einen, der auf mich gerichtet war. Ich war an diese Art der Aufmerksamkeit gewöhnt
und es gab mir die Kraft, die ich brauchte, um mich sicher zu fühlen."
- Lukrezia, Rosen im Winter -
eloise, die Launenhafte, wie sie hinter vorgehaltener Hand genannt wird, könnte
im Grunde eine liebreizende Persönlichkeit sein – wenn sie nicht vollkommen
verrückt wäre und ihr Land mit ihrer Prunksucht und ihrem Wahnsinn dem
sicheren Ruin ausliefern würde.
Die Königin von Mondiénne ist von schlanker Gestalt und besitzt himmelblaue
Augen und goldblondes Haar, das in sanften Wellen ihren Rücken herabfällt und
ihr etwas engelshaftes gibt. Diesen Eindruck verstärkt die Königin noch, indem
sie sich beinahe ausschließlich in weiße Kleider kleidet, an deren Rückenteil
Engelsflügel befestigt sind und ihre Gestalt noch dazu mit goldenem Schmuck umhüllt.
Heloise gibt vor, sich für einen Engel Edeas zu halten und umgibt sich von
daher mit allen möglichen Darstellungen dieser heiligen Wesen, macht Amaurié
gleichsam zu einem merkwürdig verdrehten Himmel auf Erden, der ihren Gesetzen
unterworfen ist.
Die adeligen Speichellecker, mit denen diese Frau sich umgibt, sind vollkommen
auf se eingestellt, imitieren jede ihrer Gefühlsregungen aus Angst, sie könnten
ihren Kopf verlieren, sobald sie auch nur einen kleinen Fehler machen. Heloise
ist dafür bekannt, daß sie niemals lange zögert, wenn sie sich allzu sehr über
jemanden ärgert und ihre Stimmung schwankt bedrohlich.
Die Königin besitzt die Magie des Gesangs und setzt diese sehr gerne vor dem
gesamten Hof ein, um weiterhin fest ihre Stellung zu behalten und diejenigen,
die sich gegen sie stellen würden, davon zu überzeugen, daß es für ihre
Zweifel schließlich keinen Grund gibt. Kein König und keine Königin Mondiénnes
war schließlich ebenso intrigant, zügellos und verschlagen wie Heloise, die
trotz ihrem Wahnsinn sehr genau weiß, was sie tut. Angeblich hat Heloise noch
eine jüngere Schwester, die sie jedoch vor der Welt verborgen hält.