Das Diamantherz

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    • Das Diamantherz

      Ich belämmer Euch jetzt auch mal mit einer Geschichte. Ich habe zwar noch nicht die leiseste Ahnung, wie das Ganze weiter gehen soll aber hier ist schon mal der Anfang. ^^

      Einleitung

      Es war ein Szenario, welches zu sehen es wert war und doch gab es nur wenige, die sich die Zeit gönnten, sich diesem allmorgendlichen Ereignis zu widmen. Edoardo, einer dieser seltenen Spezies, hatte es sich bereits an den Klippen hinter Santa Filomena bequem gemacht - er hatte sich im Laufe der Zeit seinen Lieblingsplatz ausgesucht - und betrachtete das feurige Farbenspiel der Sonne, welche dem Meer für wenige Augenblicke eine unbeschreibliche Schönheit verlieh. Still saß er da, dieses einzigartige Spektakel der Natur zu genießen. Edoardo liebte das leise, beruhigende Rauschen, welches ihm schon so oft geholfen hatte, sich des Nachts zu entspannen oder aber sich an einem jungen Tag auf die folgenden Stunden vorzubereiten. Doch an ein leises, entspannendes Rauschen wollte das Meer an diesem Morgen nicht denken. Es schien Edoardo gar so feurig wie die Sonne selbst. Wellen preschten ungestüm gegen die stolzen Felsen, die bereits seit Jahrhunderten den stets wechselnden Launen des Ozeans trotzten. Weit in der Ferne, dort wo Himmel und Wasser aufeinander trafen, schien selbst das Meer in Flammen auf zu gehen, so hatte es für den Terrano den Anschein, denn die rötlich schimmernden Wellen züngelten verschwommen, wie kleine Flammen den Wolken entgegen. Aber auch in unmittelbare Nähe vollführten die Wellen einen wilden Tanz, während dem sie versuchten, die Klippen zu erklimmen. Und tatsächlich gelang ihnen dieses Unterfangen, denn nicht selten spürte Edoardo einige Spritzer, die seine Füße benetzten.

      So saß er noch eine Weile da, beobachtete den wilden Reigen und lauschte dem Rauschen, welches es problemlos vermochte, die munteren Stimmchen der ersten Vögel zu übertönen. Doch so sehr sich die gefiederten Tiere auch bemühten, ihr Gesang hatte an diesem Morgen wenig Glück, gegen die laute Brandung anzukommen. Auch der dumpfe Schlag der Glocken Santa Filomenas, welche den Beginn eines neuen Tages verkündeten, drang nur schwach an seine Ohren, um die der kühler Wind pfiff, welcher an der morgendlichen Laune des Meeres nicht ganz unschuldig war und sobald wohl auch nicht bereit war, in absehbarer Zeit Frieden zu schließen.

      So richtete Edoardo sich seufzend auf, bereit umzukehren, und blickte noch ein letztes Mal die Klippen herab. Langsam wich das Rot dem Azurblau des Himmels und die Kronen der Wellen glitzerten im schwachen Sonnenlicht. Vorsichtig trat noch einige Schritte näher an den Abgrund heran und sah nach unten, beobachtete eine Möwe, die sich auf einem aus den Klippen ragenden Zweig für wenige Augenblicke nieder gelassen hatte und kniff die Augen zusammen, als der Vogel sich dazu entschloss, seinen Flug fort zu setzen. Es war ein greller Sonnenstrahl, der ihn überraschend blendete. Doch nur wenige Sekunden. Dann hatte er sich wieder anders überlegt und gab dem Mann auf den Felsen den Blick auf den Zweig wieder frei und offenbarte einen daran hängenden Gegenstand, der sich unentwegt vom Wind hin und her schaukeln ließ. Edoardos Neugierde war geweckt, er drehte sich nach links und nach rechts, blickte sich suchend um und gab erst auf, als er gefunden hatte, was er suchte. Einen Stock. Mit langen Schritten trat er darauf zu, ergriff ihn näherte sich wieder der Stelle, an der er zuvor gestanden hatte. Dieses Mal ließ er sich liegend nieder und angelte mit dem Stock nach dem Zweig, um mit viel Glück das schaukelnde Objekt zu erhaschen. Dies war kein leichtes Unterfangen, woraus sich der Wind wohl einen Spaß erlaubte. Immer wieder ließ ein Luftstoß den Zweig erzittern und das Objekt Edoardos Begierde drohte, auf immer in die rauschenden Fluten zu entschwinden. Wie lange Edoardo da lag und versuchte, gegen den Wind anzukämpfen, vermochte er nicht zu sagen doch schließlich war ihm der Sieg gewiss und er hielt eine silberne Kette in seinen Händen. Diese unterzog er einer genaueren Betrachtung und erkannte recht schnell, was den Sonnenstrahl dazu verleitet hatte, ihn zu blenden. Ein kunstvoll geschliffener Diamant, eingefasst in ein ebenfalls silbernes Herz. Welch Schicksal Edoardo in diesem Moment in Händen liegt, war ihm zu dem Zeitpunkt keineswegs bewusst, sonst hätte er sich dem Schmuckstück ohne zu zögern entledigt.
      Die Zunge ist ein Dolch aus Fleisch

      Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von Catalina Fernandez ()

    • Ich find es sprachlich sehr schön - ich hatte erst so ein bißchen Probleme, mir Edoardo altersmäßig vorzustellen, aber später steht ja "Mann" im Text, also wird er erwachsen sein.
      Weiter.:D
      »Familie ist in Terrano in der Tat eine wundervolle Sache, nicht wahr?
      Man freut sich stets über ihren liebevollen Besuch
      und verbirgt schnell die Messer an einer leicht erreichbaren Stelle,
      um sie möglichst mühelos unschädlich zu machen.«
      - Lukrezia -


      Gründerin der Aktion "Rettet die Orks" :beat:
      [progressbar=10,#aad2ec,#001726,40]Korrekturgang Nr. 1[/progressbar]
    • Kapitel 1


      Die Fjadora knarrte lustlos vor sich hin. Situationen wie diese gefielen ihr gar nicht, doch da musste sie nun durch. Sie trug eine Menge Verantwortung, hatte viele Menschen an Bord und ihre Bestimmung war es, diese sicher an ihr Ziel zu transportieren. Das Gebrüll der Mannschaft, das versuchte, den Sturm zu übertönen, war kaum hörbar doch jeder schien zu wissen, was er zu tun hatte. Welch ein Glück, denn an Bord der Fjadora reiste wertvolle Fracht in Form von Jelena Romanow. Niemand wusste um ihr Anliegen und niemand wusste, warum ausgerechnet sie alleine reiste. Doch einem Jeden auf diesem Schiff waren die Romanows durchaus ein Begriff, durften diese doch mit Stolz von sich behaupten, eine der reichsten Adelsfamilien Anatoljas zu sein. Und weil deren Ruf - hauptsächlich der männlichen Angehörigen - meist nichts Gutes verhieß, wagte auch niemand der gestandenen Matrosen neugierige Fragen zu stellen. Kein Mensch mit klarem Verstand würde auf die Idee kommen, ein Mitglied der Romanows in irgendeiner Weise zu verärgern oder ihr Tun und Handeln in Frage zu stellen. Denn nur zu schnell machte man die unliebsame Bekanntschafte mit dem gesamten Rest der Familie. Solche armen Tölpel soll es durchaus bereits gegeben haben und zumindest die Mannschaft der Fjadora spürte keine große Lust, deren Schicksal zu teilen. So akzeptierten sie die Anwesenheit der hübschen jungen Frau und näherten sich ihr nur so weit, wie es die Höflichkeit erlaubte, auch wenn es so manch einem einsamen Seemann hin und wieder schwer fiel, die Finger bei sich zu lassen.

      Doch an derartige Spielereien zu denken, fanden die Matrosen nicht die Zeit, denn sie opferten all ihre Kraft, das Schiff sicher durch den Sturm zu lenken und nicht auf einem der vielen Korallenriff in der Gegend auflaufen zu lassen. Selbst James Taylor gab sich die Ehre - Captain seinerseits - doch genau so gut hätte er auch in seiner Kajüte weiter die Zeit fristen können, denn absolut niemand legte großen Wert darauf, von seinem Antlitz beglückt zu werden. Dies rührte schlicht und ergreifend von den letzten dämmrigen Stunden des letzten Abends. Vom Schiffsjungen bis hin zu seiner rechten und auch linken Hand hat die gesamte Besatzung versuch, ihn davon zu überzeugen, dass es sicherlich das Beste wäre, im nahe gelegenen Hafen vor Anker zu gehen und das drohende Unwetter abzuwarten. Ein Blick in den Himmel hatte genügt, um eben jene Situation vorher zu sagen, in der sich die Fjora soeben befand. Doch Captain Taylor war ein ehrenhafter Mann, der seine Versprechen einhielt. Und Eines von ihnen war es nunmal, Jelena Romanow zeitnah abzuliefern. Denn auch die Romanows hielten ihre Versprechen, das wusste er. Und er wollte ihnen keinen Grund dafür geben, ihres einzulösen, falls er versagte. Für einen kurzen Moment fragte er sich, welcher Trottel es gewagt hatte, einen Haufen Memmen anzuheuern doch dann fiel es ihm wieder ein: Niemand Geringeres als er selber. So ließ er ein kurzes Seufzen ertönen und marschierte sogleich quer über die Planken, befahl hier und brüllte dort. Für einen Moment jedoch hielt er inne, als er das Mitglied der Romanow-Familie an der Rehling stehen sah. "Ihr solltet nach unten gehen, Werteste", riet er ihr in deutlich sanfterem Tonfall, bevor gleich darauf wieder weiter brüllte.

      Doch die verwöhnte junge Dame dachte wohl in diesem Moment an alles Andere, nur nicht, sich in Sicherheit zu bringen. Daran war wohl ihr Herz, welches zu einem recht großen Teil mit Abenteuerlust durchströmt wurde, nicht ganz unschuldig und so blieb sie regungslos stehen und betrachtete das Spiel der stürmischen Böen mit den immer höher schlagenden Wellen.

      Wie lange die Besatzung der Fjora noch gegen das Unwetter angekämpft hatte, vermochte später niemand mehr zu sagen, denn von Schiff und Besatzung blieb nichts weiter übrig, bis auf eine silberne Kette, die noch lange Zeit von den Wellen davon getragen wurde.
      Die Zunge ist ein Dolch aus Fleisch